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Künstlerische Entwicklung

Review: DAVE – Staffel 2

24.08.21 16:29
DramaReview
Mini-Spoiler
Maik
24.08.21

Vergangenes Jahr hatte FXX dem realen Rapper David Andrew Burd aka „Lil Dicky“ eine Serie vermacht. Die erste Staffel hat mich gut unterhalten und eine Art kindisches „Atlanta“ abgeliefert. Von Juni bis August lief in den USA jetzt die zweite Season der Serie und ich möchte euch meine spoilerarme Meinung dazu schildern. Und ja – die Serie kommt auch endlich nach Deutschland: Ab 22. September 2021 wird „DAVE“ im Rahmen des STAR-Programmes auf Disney+ zu sehen sein, yay! Wurde auch Zeit. Staffel 2 gibt es übrigens über Amazon US zu streamen.

Noch drastischer

Zu Beginn der Staffel hat man das Gefühl, als wolle man unbedingt noch einen draufsetzen. Schriller sein, abgedrehter sein und vor allem ekliger sein. Das fängt mit einem noch durchaus originellen und unterhaltsamen Videoshooting in Südkorea an und gipfelt in einer grenzwertigen Bromance-Episode (nicht wegen des Bromance-Faktors, sondern… anderer Dinge). Vor allem aber wird mir Dave selbst viel zu drastisch. Er ist die ganze Zeit genervt, ätzt nur herum und stößt die Leute um sich weg. Das soll natürlich einer gewissen Charakterentwicklung bzw. Erleuchtung dienen, aber die erste Hälfte der Staffel ist zu Teilen nur schwer anzuschauen und die Sympathien für Dave schwinden mitunter gewaltig. Da hätte man meiner Meinung nach ein paar vielleicht thematisch abweichende aber doch charakterisierende Elemente einbauen sollen, um Daves andere Seite zu zeigen.

Prominente Features

Der Status von Dave ist nicht nur in der Serie merklich gestiegen, sondern auch der der Serie „DAVE“ selbst. Wie im Trailer bereits zu sehen war, sind etliche Gaststars zugegen und das nicht etwa nur für eine kurze Cameo-Szene, sondern teilweise ganze Haupt-Plots. Kareem Abdul-Jabbar zum Beispiel, was zu einer ersten tiefer gehenden Charakterstudie Daves führt. Vor allem aber Doja Cat, die den Unterschied im Alltag eines Normalos und eines absoluten Stars aufzeigt, bei dem eben verdammt viel Trubel und Druck herrscht. Diese Folge (S02E06, „Somebody Date Me“) ist meiner Meinung nach eine der stärksten Episoden der Staffel und läutet die deutlich bessere zweite Hälfte ein.

Starkes Comeback

Highlights in der zweiten Hälfte gibt es einige. Hervorzuheben ist sicherlich ein Rückblick in die Vor-Rap-Phase Daves, wo wir ihn ohne Bart zu sehen bekommen (was ein Anblick!). Aber auch die zwischenzeitlich ziemlich surreal werdende Folge mit Rick Rubin hat es gewaltig in sich und ebnet den Weg für ein ziemlich gutes Staffelfinale. Bei dem hat mich dann lediglich das Timing gestört. Manche Dinge brauchen elendig lange, andere springen gewaltig nach vorne. Vielleicht soll das auch einfach die Entwicklung in der Karriere eines aufstrebenden Stars kennzeichnen, die eben Höhen und Tiefen hat, die mal nicht enden wollend wirken und mal mit einem Augenzwinkern vorübergezogen sind. Aber: „DAVE“ ist nicht nur Dave. Vor allem gegen Ende bekommen wir auch erfreuliche Einblicke in die Leben der Personen zu sehen, die ihr Leben größtenteils im Schatten des angehenden Stars fristen. Aber auch hier war nicht immer alles toll, einige Beziehungen zwischen Dave und seinen Freunden wurden mir etwas zu Schwarz-Weiß erzählt, so dass nicht immer glaubwürdige Entwicklungen zu sehen waren.

Dennoch gibt es auch viel Tiefe zu sehen und vor allem spüren. Authentische Reaktionen, ein Dave, der frei raus sagt, was er denkt und fühlt und so zwar das ein oder andere Fettnäpfchen mitnimmt, aber eben offen zur Schau stellt, was viele in unserer Gesellschaft bewusst oder unbewusst zumindest denken.

Ich tue mich schwer damit, diese Staffel einzuordnen. Insgesamt wirkt sie deutlich profunder, durchdachter und hochwertiger produziert als die erste Staffel. Eigentlich dachte ich, die hätte ich damals mit 3,5 Kronen bedacht und wollte jetzt vier geben. Aber nein, die hatte ich damals auch schon auf vier Kronen gesetzt – hier lande ich aber erstmal nur bei dreieinhalb, hm… Vielleicht fehlt die Frische des Formates, vielleicht ist mir Dave einfach zu negativ gezeichnet worden, aber die erste Hälfte der Staffel war mitunter enttäuschend. Noch immer originelle Unterhaltung, aber zwischendrin haben sich Folgen lang angefühlt und man hatte Angst, wo sich das Ganze hin entwickeln würde. Es gab noch immer kreative Ideen, interessante Dialoge und unterhaltsame Einlagen zu sehen, es wirkte aber alles nicht so wirklich zielführend. Die zweite Hälfte hat komplett dafür entschädigt und ist eigentlich durchgängig auf einem Niveau von 4 bis 4,5 Kronen. Aber okay, ich gehe dann doch zumindest wieder auf die vier Kronen hoch, um die Entwicklung des Formates zu würdigen, das sich von lauter kindisch-billigen Dick-Jokes hin zu einer deutlich ernster ausgerichteten Charakter-Studie entwickelt hat (ohne an Dick-Jokes zu verlieren). Denn trotz einiger Schwächen war die zweite Staffel „DAVE“ sehr unterhaltsam und eine willkommene Abwechslung im Dramedy-Bereich!

Bilder: FXX / BYRON COHEN

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