Absolutes Dramedy-Highlight

Review: Fleabag – Staffel 2

Mini-Spoiler
Michael
02.08.19

Fleabag ist zurück, und da der jungen Frau immer nur wenige Folgen bleiben, eine Geschichte zu erzählen, geht es in Staffel 2 auch direkt in die Vollen. Um es vorab zu sagen: Wie Staffel 1 (hier geht’s zum Serientipp) ist auch die Fortsetzung wieder ein großer Spaß. Die Sorge, dass Autorin Phoebe Waller-Bridge ihr Pulver möglicherweise schon mit der ersten Staffel verschossen haben könnte, kann man jedem Fan der Serie sofort nehmen.

Gleich zu Beginn der Staffel holt sich Fleabag eine blutige Nase. Wie es dazu kommt, erfahren wir zunächst nicht, die Staffel startet einfach mit dem Schocker und erzählt dann eine Folge lang ein Abendessen der Familie plus Pfarrer. Und hier kann sich die Autorin schon richtig austoben: Es ist einfach großartig, wie sie jede Figur, die wir aus Staffel 1 schon kennen, auf den Punkt nochmal schärfer charakterisiert. Jede Figur hat ganz bestimmte Eigenschaften, die die Autorin perfekt weiterentwickelt und in dieser Zusammenkunft der Familie unter den Figuren ausspielen lässt. Das sitzt jeder Kommentar, jede Spitze, jeder Blick. Überhaupt: Natürlich ist die dramaturgische Vorlage schon ein echtes Highlight, perfektioniert wird das die Folgen über aber von den wirklich großartigen Schauspielern, die absolut zu jedem Charakter passen.

Neu in diesem Zusammenhang ist der Pfarrer, gespielt von Andrew Scott (kennen wir aus „Sherlock“, und ja, wir haben ihn vermisst). Phoebe Waller-Bridge sagt, dass sie Scott erst gefragt hat, ob er bereit sei, die Rolle in ihrer Serie zu übernehmen, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben von Staffel 2 begonnen hat. Ohne ihn hätte sie die Serie nicht fortgesetzt. Und man kann es ihr sogar glauben, denn jede Aktion und jeder Satz des Charakters passt auch hier einfach perfekt.

So entwickelt sich über die sechs Folgen das bekannte Drama, wie wir es schon aus Staffel 1 kennen. Die Hassliebe zur Schwester, der schwermütige Vater, der einfach nicht aus seiner neuen Beziehung kann (und irgendwie auch nicht will), der Tod der besten Freundin, der Fleabag immer noch beschäftigt, und die diversen Männergeschichten, in die sie natürlich auch in Staffel 2 reinstürzt.

Arme Fleabag. Aber: Ich liebe diesen Charakter einfach. Von Zeit zu Zeit angezählt und fast gebrochen, aber immer ein Schmunzeln auf den Lippen oder einen kecken Blick in die Kamera parat. Die Distanzlosigkeit zum Publikum bleibt somit auch in Staffel 2 bestehen, wird in Dramaturgie und Schnitt noch perfektioniert. Manche Szenen sind so stakkatoartig aneinandergereiht, dass man sich schnell tief hineingezogen fühlt in die das Setting, unmittelbarer Teil des Spiels wird.

Autorin Phoebe Waller-Bridge hatte übrigens angekündigt, dass Staffel 2 auch schon die letzte Geschichte sein wird, die wir aus dem Leben von Fleabag erfahren. Es wäre natürlich zu wünschen, dass man vielleicht noch einmal in ein paar Jahren erfährt, wie es Fleabag denn so ergangen ist. Doch man kann es schon vermuten: Es wird tragisch sein, wie fast immer und wie auch am Ende von Staffel 2, wenn ihr der Pfarrer beichtet, dass es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Natürlich endet auch diese bittere Nachricht mit einem Witz, der die Situation einerseits rettet, irgendwie aber auch noch schmerzvoller macht. Und wie Fleabag dann die Bushaltestelle verlässt und vom Zuschauer davonläuft, da merken wir, dass die Trennung dann wohl tatsächlich endgültig sein wird.

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