Nicht lange nachdenken - rein ins Vergnügen

Review: Preacher S01E01 – Pilot

05.06.16 11:44
PreacherReview
SPOILER !!
Michael
05.06.16

Was haben ein frustrierter Prediger, ein unbekümmerter Vampir und eine skrupellose Draufgängerin gemeinsam? Offensichtlich einen Auftrag: Gott zur Rechenschaft zu ziehen für das, was auf der Welt und drumherum passiert. Davon ausgehend, entwickelt sich die Geschichte von „Preacher“, die in den 90er Jahren als Comic das Licht der Welt erblickte und jetzt als Serie für Aufmerksamkeit sorgt. Wer den Comic von Garth Ennis und Steve Dillon (beide haben auch bei Hellblazer und Punisher zusammengearbeitet) kennt, wird ins Grübeln gekommen sein, als die Nachricht kam, dass Preacher in Serie gehen würde. Der Comic ist nicht gerade zurückhaltend, wenn es um Darstellung von Gewalt und um das Hinterfragen von Religion und Moral geht. Nach dem Piloten kann man Fans gegenüber Entwarnung geben: Evan Goldberg, Seth Rogen und Sam Catlin als Showrunner setzen die Serie zwar nicht originalgetreu, aber durchaus ebenso blutig, schwarzhumorig und respektlos um, wie es die Comicvorlage bietet. Entsprechend schräg geht’s auch direkt rein ins Vergnügen.

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Wir bekommen zunächst eine durchaus B-Movie-artige Weltraumszene vorgesetzt, die in einem Dorf in Afrika mündet. Ein mutmaßlich außerirdisches Wesen ergreift Besitz eines Predigers, und ohne lange Vorrede gibt’s gleich reichlich Action, ehe wir nach Texas versetzt werden, wohin Jesse Custer (gespielt von Dominic Cooper) als Prediger zurückgekehrt ist. Wir erkennen schnell, dass das Predigen nicht Jesses wahre Profession ist. Er stottert eine Predigt zusammen, hat maximal ein halbes Ohr für die Sorgen der nervenden Gemeindemitglieder und nimmt lieber einen Schluck Alkohol mehr als weniger.

Zwischenzeitlich dürfen wir immer wieder einen Blick in verschiedene Ecken der Welt werfen (immer angekündigt in bildschirmfüllenden Lettern), wo weiterhin Vertreter unterschiedlichster Religionen explodieren – sehr witzig ist dabei eine Nachrichtensendung im Hintergrund, die vermeldet, dass Scientologe Tom Cruise explodiert sein soll. Warum das alles geschieht, erfahren wir noch nicht.

Ebenso wenig wird klar, welche Rolle Cassidy spielen wird – offensichtlich ein Vampir, gespielt von Joseph Gilgun. Er hat einen sehr blutigen Erstauftritt, auch hier garniert mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor. Merkmale wie Weihwasser, Männer des Glaubens oder Kreuze können diesem Vampir nichts anhaben, und mit dem Tageslicht spielt er allenfalls.

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Dann ist da noch Tulip, gespielt von Ruth Negga, die nicht weniger behutsam eingeführt wird. Sie erledigt gleich zu Beginn ihre Verfolger, baut mit Kindern eine Bazooka und lässt diese dann im Schutzkeller warten, derweil sie mal eben einen Helikopter vom Himmel holt. Man bekommt es nur aus dem Keller heraus mit, aus der Perspektive der Kinder. Wir lernen, dass es sich um die Ex-Freundin des Predigers handelt, und wenig später kreuzen sich natürlich ihre und seine Wege – und die von Cassidy.

Zum Schluss ergreift die fremde Macht Besitz von Jesse, der sich jetzt doch zum Prediger berufen fühlt – die nächsten Aufgaben und damit die nächsten Folgen können kommen.

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Jede Menge Action bekommen wir also in der ersten Folge präsentiert. Die Serie entscheidet sich auch die ganze Zeit nicht, in welche Schublade sie gesteckt werden sollte. Sie bedient sich vieler Genres, was für einen recht ungewöhnlichen und interessanten Ansatz sorgt. Fühlt sich ein bisschen an wie ein Roadmovie in Serie, und ich bin schon gespannt, wie’s weitergeht. Immerhin hält die Comicvorlage weitere dramaturgische Herausforderungen parat.

Mir gefällt eigentlich ziemlich viel an „Preacher“: Die Figuren sind klasse angelegt, Setting und Musik sind stimmig, Dramaturgie und Dialog passen auch („Du machst jetzt mit!“ – „Sonst was?“ – „Sonst… irgendwas.“). Man ist im Prinzip durchgehend gut unterhalten, und man weiß nicht, was wohl als nächstes kommen mag. Das kann natürlich ein Vorteil eines Serienpiloten an sich sein, und es bleibt abzuwarten, wie sich das in den nächsten Folgen fortsetzt. Ich bin allerdings guter Hoffnung.

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Ein Kommentar

  • Fand den Auftakt auch sehr stark! Originelle Figuren, tolle Inszenierung und wie du schreibst ein action- und temporeicher Einstieg. Vor allem die visuelle Darstellung mit all den kleinen, Comic-Schriften und schnellen Kamera-Schwenks fand ich sehr gelungen.



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