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Spoilerarmer Serientipp

Review: Cowboy Bebop – Staffel 1 (Netflix-Serie)

Spoilerfrei
22. Dezember 2021, 11:55 Uhr
Spoilerfrei
Maik
22.12.21

Ich war bereits interessiert, als die ersten News zur Realfilm-Adaption des Anime-Klassikers „Cowboy Bebop“ aufgekommen waren. Nicht etwa, weil ich die animierte Vorlage gesehen hätte – dem war bis dato nicht der Fall – sondern, weil ich schlicht das Arrangement sehr reizvoll fand. Mit dem stilistisch cool gemachten Teaser-Trailer war ich dann fest entschlossen, einzuschalten! Wirklich schnell war ich zugegebenermaßen nicht – immerhin ist die Staffel bereits am 19. November auf Netflix erschienen. Aber mittlerweile bin ich durch und möchte ich im spoilerarmen Review aufzeigen, weshalb auch ihr einschalten solltet!

Gezeichnete Vorlage

1998 erschien „Cowboy Bebop“ (Originaltitel: カウボーイビバップ, Kaubōi Bibappu) in Japan – sowohl als animierte Anime-Fernsehserie mit 26 Folgen, als auch als Manga mit immerhin drei Ausgaben. Die Geschichte spielt im Jahr 2071, in dem einige Kopfgeldjäger, „Cowboys“ genannt, auf dem Raumschiff „Bebop“ unterwegs sind, um den nächsten Auftrag klarzumachen. Nein, die Figur im blauen Anzug mit dem schwarzen Wuschelkopf heißt nicht Cowboy Bebop, wie manch ein Idiot, wie ich es war, beim Anblick der Figuren glauben könnte… Mir war der Name der Reihe nämlich genauso bekannt, wie das ein oder andere Bild, aber so richtig hatte ich mich nie damit befasst. Das ist vielleicht auch gut so. Nicht etwas, weil die Serie schlecht sei – eher im Gegenteil, sondern, weil ich so ohne Vorbehalte an die Serie rangehen konnte. Die scheint nämlich an einigen Rädern gedreht zu haben. Und wie das bei allen Adaptionen so ist, sind viele Leute damit nicht einverstanden, wie es scheint. Ich habe bislang lediglich die erste Folge des Anime geschaut und fand die Unterschiede da noch hinnehmbar, auch wenn ich eine Abwandlung durchaus unnötig fand (Stichwort: Abschied). Ich meine, schaut euch mal die aktuellen Bewertungen auf IMDb an:

Weltraum-Coolness

Aber kommen wir zur Netflix-Serie! Die weiß mich vor allem mit zwei Dingen zu überzeugen: Coole Charaktere und schöne Szenerien! Die gezeigte Welt hält einen ganz besonderen Charme inne, der irgendwo zwischen Retro und Sci-Fi liegt. Die Figuren benutzen eher Pager-ähnliche Geräte denn Smartphones, die Bars haben eher einen 50er oder 60er Vibe und dann ertönt da noch ständig Jazz – großartig! Der Soundtrack ist einfach genial und stammt wie bei der Anime-Serie von Yōko Kanno.

Die Bilder sind auch auf sehr hohem Niveau geschossen. Einige der Aufnahmen dürften bewusst nah an der Anime-Version angedockt worden sein. Ich mochte das Spiel mit dynamischen Bildeinstellungen sehr. Lange Schatten, die sich diagonal über den Bildschirm wähnen, originelle Perspektiven und vor allem gutes Timing im Schnitt. Das war schon ziemlich schön anzuschauen!

In Sachen Coolness macht niemand Spike Spiegel etwas vor. So heißt übrigens der charismatische Ramen-Liebhaber im blauen Anzug. Stilistisch meiner Meinung nach sehr gut dargestellt wird er von John Cho („The Exorcist“, „Sleepy Hollow“). Auch Mustafa Shakir als Jett Black und Daniella Pineda als Faye Valentine haben mir gefallen. Die Chemie zwischen den dreien hat gut gepasst und vor allem hat mir gefallen, dass da aufeinander prallende Figuren nicht direkt beste Freunde sind, sondern erst mit der Zeit Nähe zulassen.

Das Problem mit der Coolness ist aber immer der schmale Grat hin zur Übertreibung. Bei einigen Szenen wirken Handlungen dann nicht mehr ganz nachvollziehbar, wenn kein logischer Sinn für die Handlung dahinter steckt, sondern lediglich der coole Spruch selbst das Ziel ist. Solche Momente haben eigentlich alle Figuren, aber vor allem Spike hat damit immer mal wieder Probleme. Bei ihm kann man noch dagegen halten, dass er eben ein etwas kurioser Typ ist, der mehrere Seiten besitzt. Geschenkt. Schlimmer wird es aber bei Vicious, dem großen Gegenspieler. Alex Hassell (Translucent in „The Boys“) dürfte man vor allem wegen des breiten Grinsens gecastet haben. Das passt zur Anime-Vorlage, würde ich meinen. Die weißen Haare und sonstige Aufmachung macht – vor allem in kirchlichen Bauten – eher einen „Game of Thrones“-Eindruck. Sein impulsives Gehabe nervt irgendwann nur noch. Zu Beginn hat da noch Elena Satine als Julia geholfen, in die sich vermutlich nicht nur so ziemlich alle Figuren in der Serie, sondern auch so ziemlich alle vor den Bildschirmen verliebt haben dürften. Was für eine Ausstrahlung! Aber auch diese Figur wird am Ende deutlich verwässert, schade.

Action mit Stärken und Schwächen

Die Handlung selbst liefert ein ganz gutes Pacing ab. Eingangs gibt es abwechslungsreiche Geschichten kleineren Ausmaßes, die aber alle in gewisser Weise auf den Haupt-Plot einspielen. Mit der Zeit verdichtet sich die Situation recht harmonisch und man bewegt sich auf ein zugespitztes Finale hin. Insgesamt gibt es da zwar wenig total Überraschendes zu sehen, aber die Erzählweise hat schon insgesamt ganz gut funktioniert, finde ich. Vor allem auch, weil wir die Vorgeschichte einiger Figuren nach und nach aufgerollt bekommen.

Ähnlich wie mit der zeitlichen Darstellung verhält es sich auch mit den Inhalten selbst. Es gibt ordentlich Action zu sehen, die aber eher elegant choreografierter Manier angehört, denn Hollywood-Explosionen á la Michael Bay. Hinzu gesellt sich etwas Drama und auch die ein oder andere Prise Humor, die vor allem im Zusammenspiel von Jett und Spike entstehen. Vor allem habe ich aber genossen, dass die Serie nicht ständig auf die Tube drückt, sondern auch die ruhigen und langsamen Momente zu spielen weiß. So entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, gepaart mit den tollen Weltraum-Szenerien, den gelungenen Spezialeffekten (okay, das eine Raumschiff nehme ich mal raus…), den starken Soundtrack und der interessanten Figuren.

Und doch fehlte da das ganz Große. Wirklich Angst um Figuren hatte man selten bis nie. Einige Stränge haben gefühlt keinen größeren Sinn ergeben, andere haben sich wie kleinere Wiederholungen angefühlt. Die zehn Folgen waren keinesfalls langatmig, eher im Gegenteil, aber da war gefühlt mehr drin, finde ich. Die wirkliche Substanz fehlte ein bisschen, man hatte das Gefühl, die ganze Drumherum-Inszenierung sei der eigentliche Star, nicht die Handlung selbst. Dennoch habe ich mich von „Cowboy Bebop“ sehr gut unterhalten gefühlt.

Wer die Anime-Serie mal gesehen hat, wird „Cowboy Bebop“ bestimmt bereits geschaut haben. Falls nicht: Tut es. Und schreibt mir am besten in die Kommentare, weshalb ihr die Realfilm-Variante doof fandet. Ich werde die animierte Fassung jetzt mal nachholen und werde vermutlich den anderen Tod sterben und die als weniger gut erachten, weil alt und eben für mich die zweite Variante.

„Cowboy Bebop“ hat mir Spaß bereitet und mich vor allem in eine ganz andere Welt entführt. Eine Welt voll cooler Charaktere, schöner Settings und vor allem toller Musik! Das hatte schon zwischenzeitlich etwas von Film Noir, was mich beim Anblick der schönsten Szenen aus der Anime-Vorlage kaum überrascht. Die Tempowechsel und Bildeinstellungen haben mir sehr gefallen, an einigen nicht ganz konsequenten Eckhandlungen hätte man noch genauso feilen müssen, wie an einzelnen Figuren, aber insgesamt war das schon außergewöhnliche Unterhaltung!

„Cowboy Bebop“ – 2. Staffel der Netflix-Serie?

Nach all der Euphorie folgt jetzt der Dämpfer: Netflix hat „Cowboy Bebop“ nach bereits einer Staffel und nicht einmal vier Wochen abgesetzt. Mir ist das absolut unbegreiflich. Klar, die Produktionskosten dürften enorm sein, aber inhaltlich hat man am Ende sowas von einen Stein ins Rollen gebracht, der eine zweite Staffel charakterlich ermöglicht hätte. Von der Vorlage gibt es ja auch noch genug Stoff. Und ja, es gibt etliche Meckerköpfe, aber das war ein Format mit Klasse und ganz besonderem Flaire. Vielleicht berappeln sich die Leute ja noch. Schickt ihnen am besten diesen Beitrag hier alle zu, damit sie es sich nochmal anders überlegen!

Bilder: GEOFFREY SHORT/NICOLA DOVE/NETFLIX

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