Serien Reviews Trailer Programm Über uns
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Teilen abbrechen... Auf Pinterest teilen In Pocket speichern Per Mail versenden
Beitrag teilenBeitrag teilen
WERBUNG

KI als Thema, als KI noch kein Thema war

Rewatch-Review: „Person of Interest“ S01E01 – Pilot / Reese & Finch

19. Juli 2026, 20:55 Uhr

Am 22. September 2011 hatte eine Serie in den USA Premiere, die nicht nur aufgrund des Premierendatums eine Nähe zum 11. September aufweist, sondern die auch als Ausgangspunkt die Terroranschläge vom 11. September 2001 aufnimmt. Im Fokus von „Person of Interest“ steht eine USA-weites Überwachungssystem, das die US-Bürger über Telefone, Videoanlagen im öffentlichen Raum oder in Gebäuden sowie sonstige Anlagen nahezu vollständig überwachen kann. Dieses Überwachungssystem, „die Maschine“, wurde im Auftrag der US-Regierung nach den Terroranschlägen entwickelt, um in Zukunft geplante Terroranschläge vorab zu erkennen und zu vereiteln. Im deutschen Free-TV hatte die Serie nochmal ein Jahr später, am 13. September 2012, Premiere, und im Zuge der immer größer werdenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz habe ich mir die Serie jetzt – eine knappe Dekade später – nochmal vorgenommen, weil ich wissen wollte, wie KI in dieser Serie gut zehn Jahre vor der heutigen KI-Welle thematisiert wurde.

Person-of-Interest-KI-Serie-Rewatch-Review-Nolan-Abrams-1

KI ist hier nur „die Maschine“

Mein erster Eindruck – nicht übermäßig stark. Ich könnte mir vorstellen, dass heute gerade der KI-Hintergrund „der Maschine“ in den Fokus gerückt würde, einfach weil KI heute in vielen gesellschaftlichen Diskussionen ständig an der Tagesordnung ist und viel über ethische, moralische und technische Dimensionen gesprochen wird. In „Person of Interest“ ist das anders – hier wird noch nicht einmal von einer künstlichen Intelligenz gesprochen, sondern es geht um einen Supercomputer, gefühlt sogar etwas despektierlich nur „die Maschine“ genannt, der die Bürger überwacht. Was gesellschaftlich in der Serie übrigens auch kaum eine Rolle spielt, weil die Regierung nach den Terroranschlägen wenig Überzeugungsarbeit leisten musste, um das System durchzusetzen.

PERSON OF INTEREST - Die komplette 1. Staffel - Offizieller Trailer Deutsch HD

Das besondere an dem Setting ist vielmehr, dass die Maschine praktisch schon zu viel erkennt: Harold Finch (gespielt von Michael Emerson, bekannt aus „LOST“ und Emmy-Preisträger für „Practice – Die Anwälte“), der die Maschine zusammen mit Nathan C. Ingram gebaut hat, erklärt schon recht früh in der Serie, dass man durch die Maschine seit dem Bau schon mehrere Dutzend potenzielle Terroranschläge vereiteln konnte, dass die Maschine aber auch „irrelevante“ Fälle auswirft – Verbrechen, die nicht zu einer terrorartigen Gefahr führen würden, bei denen aber trotzdem Menschen zu Opfern werden. Diese Fälle gibt die Maschine nicht an die US-Regierung weiter, sondern wirft sie separat aus – was zu Gewissensbissen bei Harold Finch führt, weil er weiß, dass es Opfer geben wird, er diese sogar kennt, er aber nichts für sie tun kann.

Person-of-Interest-KI-Serie-Rewatch-Review-Nolan-Abrams-2

An der Stelle kommt die zweite Hauptfigur ins Spiel – John Reese (gespielt von Jim Caviezel), ein ehemaliger Soldat der United States Army Special Forces und späterer Mitarbeiter des National Clandestine Service sowie Operator der Special Activities Division, der nach einer Operation in Ordos für tot gehalten wird. In der Pilotfolge ist er als Obdachloser unterwegs, der sich nach dem Tod seiner Freundin aufgegeben hat. Über die Maschine wird Harold Finch auf ihn aufmerksam und bietet ihm einen Job an. Nach und nach weiht er Reese in die Potenziale der Maschine ein, und nach einigem Widerwillen sagt Reese zu, Finch zu unterstützen. Die Maschine wirft Sozialversicherungsnummern aus von Menschen, die in ein Verbrechen involviert sind – ob Täter oder Opfer, kann die Maschine nicht erkennen.

Person-of-Interest-KI-Serie-Rewatch-Review-Nolan-Abrams-5

Gleich in der Pilotfolge lösen Finch und Reese auch ihren ersten Fall – übrigens ziemlich spektakulär, sowohl auf Seiten der Inszenierung als auch aus dramaturgischer Sicht. Es gibt jede Menge Action, aber auch clevere Wendungen. Hier profitiert die Episode definitiv davon, dass sich Serienschöpfer Jonathan Nolan („Memento“, „Interstellar“, „Westworld“, Batman-Reboot) selbst an das Schreiben der Folge gesetzt hat. Sie ist sehr dicht erzählt, entwickelt sehr schön die ersten übergeordneten Handlungsstränge, führt in die relevanten Charaktere ein und sorgt dafür, dass man als Zuschauer:in sehr schnell eine Bindung zu „Person of Interest“ findet. Das Setting stimmt, die Charaktere wirken überzeugend und für das frühe Stadium der Serie schon recht vertraut, und auch der einzelne Fall hat wie gesagt in sich schon mehrere Wendungen – man wundert sich, was Jonathan Nolan alles in die knapp 45 Minuten reinbekommen hat. Am Ende erkennt John Reese, dass er mit dem Job Gutes tun kann – und vor allem auch das machen kann, was er sich beim Tod seiner Freundin selbst vorwirft – eben dass er deren Tod nicht vereiteln konnte. Heißt auch: Der Pfad für weitere Fälle ist gelegt.

Person-of-Interest-KI-Serie-Rewatch-Review-Nolan-Abrams-4

Prominent besetzt: Jonathan Nolan schreibt, J.J Abrams produziert, Michael Emerson spielt

Jonathan Nolan bleibt als Produzent an Bord, übrigens neben J.J. Abrams („LOST“, Star Trek-Reboot, Star Wars-Filme der neuen Trilogie), der bei der Serie auch seine Finger im Spiel hat, und wir beschäftigen uns in den weiteren Folgen mit jeweils einem Fall pro Episode – es wird also schön altmodisch vertikal weitererzählt, sogar im klassischen 22-Folgen-pro-Staffel-Setting. Dabei bleiben Erzählweise und Inszenierung durchaus hochwertig, zumal die Autor:innen bereits nach einigen Folgen damit beginnen, weitere horizontale Erzählebenen einzuziehen. Es gibt Rückblicke in die Vergangenheit der Hauptfiguren, wir bekommen neue Charaktere dazu, die regelmäßig auftauchen, sei es Polizist Lionel Fusco, der zu einem wichtigen Helfer wird, oder auch Ermittlerin Joss Carter, die im laufe der Serie auch noch eine interessante Wandlung vornehmen wird, oder Elias, der mit seiner Untergrund-Organisation zu einem Gegenspieler von Reese wird. Das runde Bild ergibt sich auch durch den Score von Ramin Djawadi, der ja auch für die Musik zu „Game of Thrones“ verantwortlich war.

Person-of-Interest-KI-Serie-Rewatch-Review-Nolan-Abrams-3

Nach zehn Jahren nochmal in die Serie einzutauchen, macht schnell wieder großen Spaß; einmal, weil die Serie einfach gut gealtert ist (sie ist in Sachen Inszenierung und Cinematographie immer mindestens auf einem soliden Niveau und die optischen Effekte, mit denen die Überwachung visualisiert wird, sind ebenfalls noch zeitgemäß) und dann, weil es einfach sehr angenehm ist, eine Serie zu schauen, die sich zwar mit den Auswirkungen von KI beschäftigt, aber nicht ständig die KI selbst zum Mittelpunkt hat. KI ist hier nur „die Maschine“; im Mittelpunkt stehen vielmehr die Menschen, die mit der KI arbeiten oder für die diese KI arbeitet. Es wird nicht ständig über KI an sich geredet, noch finden sich hier Wertungen, Hysterien oder Einordnungen, wie mit der KI umzugehen sein sollte. Das ist wirklich sehr angenehm und macht „Person of Interest“ auch im Rewatch nach zehn Jahren nochmal zu einem Serien-Highlight, das man sich gönnen sollte. Die Gelegenheit ist da – Netflix hat die Serie mit allen 5 Staffeln und 103 Folgen ins Programm genommen.

Bilder: CBS

Deine Wertung?
Beitrag von:
Sonntag, 19. Juli 2026, 20:55 Uhr
ReviewSciFantasy
Beitrag teilenBeitrag teilen

Kommentiere

Verfasse einen neuen Kommentar


Abo ohne Kommentar

Hinweis: Bei Kommentar-Abgabe werden angegebene Daten sowie IP-Adresse gespeichert und ein Cookie gesetzt (öffentlich einsehbar sind - so angegeben - nur Name, Website und Kommentar). Alle Datenschutz-Informationen dieser Website gibt es hier zu sehen.