Blau, blau, blau blüht die Kriminologie

Serientipp: Blue Bloods

Spoilerfrei
Tobias
23.06.16

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Ich hatte in den letzten Monatsrückblicken auf eine neue, heiße Serie hingewiesen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt. Gewiss keine neue Serie, gewiss kein Serienhighlight, welches man mal gesehen haben muss. Aber auch keine Serie, die ich in die guilty pleasure Ecke stellen würde. Dafür ist sie doch zu hochwertig und mit Anspruch produziert und hält tolle Schauspieler parat. Die Rede ist wenig überraschend von „Blue Bloods“. Nicht unbedingt die neueste Serie im Crime-Drama Bereich. Aber wirklich auf die Serie gestoßen bin ich erst vor kurzem. Wobei das auch nicht ganz stimmt.

Als meine letzte Serie ihr Ende fand habe ich meine Mediathek nach einer neuen Begleitung neben den aktuellen Serien durchsucht und bin bei Tom Sellecks Schnäuzer hängengeblieben. Ich hatte scheinbar mal die ersten drei Staffeln aufgezeichnet aber nie reingeschaut. Nach den ersten Episoden der ersten Staffel habe ich mich in der Tat gefragt, warum. Und weil ich mir vorstellen kann, dass diese wirklich gut gemachte und unterhaltsame Serie auch bei anderen, gegenüber proceduralen Crimeserien („Fall der Woche“) eher abgeneigten Serienguckern einen ähnlichen Stand haben könnte, wie bei mir, lag die Idee nah einen kleinen Serientipp zu schreiben. Einfach mal so.

Seriensteckbrief

Name: Blue Bloods
Genre: Drama/Krimi
Laufzeit: 45 Minuten
Staffeln (Folgen): 6+ (133)
Ausstrahlung: seit 24.September 2010
Darsteller: Tom Selleck, Donnie Wahlberg, Bridget Moynahan, Will Estes, Len Cariou u.vm.

Handlung

Blaues Blut muss nicht immer einen Hinweis auf eine adlige Abstammung sein, wenn man in New York lebt, kann dies auch bedeuten, dass man sich dem NYPD verschrieben hat. Die Boys und Girls in Blue bewachen die Stadt, seine Einwohner und durchstreifen die Stadt in ihren schnieken Uniformen, immer auf der Lauer, immer etwas schlauer. Ganz oben werden die Detectives und Officers vom Police Comissioner geführt, der neben der Führung der Polizeibehörde auch noch politische Kämpfe auszufechten hat. Neben der Polizei hätten wir dann noch die Staatsanwaltschaft, die gemeinsamen mit dem NYPD das Verbrechen der Stadt im Visier haben.

Und mitten drin anstatt nur dabei hätten wir die Familie Reagan. Ab so richtig mittendrin. Frank Reagan ist der amtierende Chef der New Yorker Polizei und hat damit seinen Vater Henry, der Familientradition folgend beerbt, wenn auch nicht direkt. Seine drei Jungs sind Vollblutpolizisten, seine einzige Tochter Erin ist Staatsanwältin. Eine gefährliche Familie, leider aber auch ein gefährliches Geschäft, in welches die Reagans da involviert sind. So musste Frank und die gesamte Familie den schmerzlichen Verlust des mittleren Sohnes, Joe, verkraften, der in Ausübung seines Berufs umgekommen war.

Danny Reagan ist der älteste Sohn von Frank und leidenschaftlicher Detective, der im Grunde auch in jedem Fall der Woche verwickelt ist, die er zumeist auf eine ganz eigene Art löst: bezeichnen wir seine Vorgehensweise mal als überdurchschnittlich hart. Genau dann kommt Erin ins Spiel, die versuchen muss, die Fälle juristisch so zu retten, so dass die Anklage aufrechterhalten werden kann. Manchmal ist es aber auch andersherum dass Erin ihren Bruder bittet, ihr bei ihrem Fall zu helfen und weitere Beweise zu finden. Familie eben, man kennt sich, man hilft sich.

Die Familie steht über allem

Jamie Reagan ist der jüngste Spross der blauen Familienbande. Zunächst hatte er nach der Schule einen ganz anderen Weg einschlagen wollen, er studierte Jura in Harvard, allerdings erkannte er durch den Tod seines Bruders, dass er mehr tun will als nur Paragraphen zu reiten und unter Umständen den Falschen vor Gericht aus der Bredouille zu helfen. Sein Ernennung zum Police Officer und seinen Abschluss an der Polizeiakademie ist der Beginn der Serie. Jamie wird einem erfahrenen Cop als Partner zur Seite gestellt um mit ihm die Straßen New Yorks kennenzulernen und sich die ersten Sporen zu verdienen.

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Über Jamie verfolgt die Serie ihren serialen Charakter. Denn neben dem Fall der Woche haben wir – zumindest in den ersten beiden Staffeln – auch einen übergeordneten Handlungsfaden. In der ersten Staffel unternimmt Jamie eigene Ermittlungen, wie es zum Tode seines Bruders kommen konnte. Wie Jamie herausfinden wird, ermittelte Joe nämlich im Auftrag des FBI gegen korrupte Polizisten und der Verdacht steht im Raum, dass sein tödlicher Unfall gar keiner war.

In der zweiten Staffel fungiert Jamie als Undercover Cop – nebenbei – in einer Mafiafamilie, dem Sohn konnte er nämlich in einer Bar das Leben retten. Drogen und so.

Über all dem thront Frank, der Polizeichef der Stadt und das moralische Zentrum der Familie, der mit seinem Vater zusammen im elterlichen Haus wohnt und neben den Fällen seiner Kinder und vor allem den medialen Auswirkungen der Reagan Dynastie auch noch im politischen Ringelpiez mit und ohne anfassen munter mitmischen muss. Auch wenn ihm das überhaupt nicht behagt, denn für ihn zählt nur die reine Polizeiarbeit, die er gelegentlich vermisst.

Meinung und Einschätzung

Die einzelnen Folgen haben einen recht ähnlichen und genretypischen Aufbau, der Fall der Woche wird eingeführt und Danny übernimmt die Ermittlungen. Meist fungiert Erin auch als zuständige Staatsanwältin, die dann immer wieder ein netteres Vorgehen bei ihrem Bruder anmahnen muss. Die Fälle selbst waren bislang allesamt gut aufgebaut und spannend erzählt. Und natürlich macht es Spaß, den „Straßencop“ Danny bei der Arbeit zuzuschauen, der auch mal einen harten Spruch bringt, meist die richtigen Entscheidungen trifft und eine gute Nase hat. Daddy Frank mischt auch meist mit, da Sohnemann Danny weniger den Taschendiebstählen nachgeht sondern den großen, medial aufmerksamen Verbrechen. Manchmal erteilt Frank aber auch nur hilfreiche Hinweise, wenn seine Kinder mal nicht weiter wissen, sei es dienstlich oder eben auch mal privat.

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Neben dem übergeordneten Handlungsplot über Jamie, wobei in der ersten Staffel das Ganze noch etwas unglaubwürdig daher kam – Jamie ist gerade mal von der Polizeiakademie runter – bilden die sonntäglichen Familientreffen bei Frank einen großen Schwerpunkt jeder Folge. Am Tisch sitzen dann neben Frank, seinem Vater Henry und den Kindern Danny, Erin und Jamie noch Dannys Frau und seine beiden Söhne sowie Erins Tochter. Und man diskutiert dabei sowohl über die aktuellen Fälle (meist recht lustig verklausuliert, da Dannys Söhne und Erins Tochter noch recht jung sind) aber auch grundsätzlich über moralische Fragen, die meist mit dem Fall oder mit privaten Ereignissen zu tun haben.

All das wird sehr familiär abgehalten, meist mit einem Schuss Humor und sehr glaubwürdig. Ich denke auch, dass durch diese Familienbande „Blue Bloods“ einen ganz anderen Charme versprüht als andere Crime Procedural Serien, da hier viel mehr als in anderen Serien die Familie im Mittelpunkt steht, der Fall der Woche bzw. der übergeordnete Handlungsfaden passen sich da gut ein und führen zu familiären Reaktionen, die einem die einzelnen Familienmitglieder wieder aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernen lassen.

„Blue Bloods“ ist mehr als eine reine Procedural Serie

Zum anderen ist „Blue Bloods“ auch wirklich eine Familienserie über eine sehr sympathische Familie. Viele interne Probleme, die man diskutiert, die man erlebt, könnten so auch in jeder anderen Familienvorabendserie auftreten. Die Kinder und die Frau werden aufgrund des Jobs vernachlässigt, der Ehekrach wirkt sich auch mal auf die Arbeit aus und jeden Sonntag macht man dieselben Witze (die gesamte Serie hat sehr viel Humor), man erinnert sich an früher, an die verstorbene Mutter bzw. Oma und natürlich darf auch der amerikanische Pathos nicht fehlen, wir sind hier ja bei einer amerikanischen Vorzeigefamilie zu Gast. Aber sie halten sich mit Star-Spangled Banner Szenen zurück, der militärische Gruß wird auch nicht überstrapaziert. Alles recht angenehm. Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist der katholische Glauben, die Reagans sind irisch stämmig und da geht man in die Kirche und betet recht häufig. Wir sehen das aber nur bei den gemeinsamen sonntäglichen Essen. Also auch hier wird nicht übertrieben, es schließt eben einen Kreis, der dazu führt, dass man der Familie ihr Familiending abnimmt.

Schauspielerisch muss man Donnie Wahlberg als Danny und natürlich Tom Selleck als Frank Reagan hervor heben. Vor allem Selleck beherrscht in seinen Szenen die Szenerie, seine ruhige tiefe Stimme tut dabei sein Übriges. Wahlberg ist jetzt nicht unbedingt der Überperformer, der nachdenkliche, der sprachgewandte Schauspieler, aber seine Rolle als harter Hund und guter Polizist passt auf seine Person wie die Unterwäschewerbung einst zu seinem Bruder. Also dem echten.

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Alles in allem ist „Blue Bloods“ eine tolle und unterhaltsame Serie, die ihre spannenden wie emotionalen Momente hat, das Thema Polizei/USA/Ehrgefühl/Pflichtbewusstsein nicht überreizt sondern dosiert einsetzt und durch das Thema Familie zu überzeugen weiß. Außerdem trägt Tom Selleck immer noch einen Schnäuzer. Und Serien mit Schnäuzer sind immer zu empfehlen.

Samstags bei Kabel Eins

Ich hatte bereits in einem meiner DDWM Beiträgen darauf hingewiesen, dass derzeit ganz frisch bei Kabel Eins die vierte Staffel ausgestrahlt wird. Jeden Samstag kann man sich also aktuell eine bisschen Reagan Familie nach Hause holen und nach meinem Dafürhalten, kann man auch jederzeit in die Serie einsteigen. Lasst euch also nicht abschrecken vom Proceduralcharakter, die Serie hat deutlich mehr zu bieten. Aber auch Fans von Procedurals kommen bei den Fällen der Woche auf ihre Kosten.

Bilder: CBS

4 Kommentare

  • Mir gefällt die Serie auch sehr, auch wenn ich ein paar Staffeln hinterher hinke. Was mich überzeugt hat, ist das „old school“ Feeling. Kein flashy high concept, keine stylische Inszenierung, keine übersadistischen Morde, nur eine Familie von Gesetzeshütern, die jede Woche einen neuen Fall und ihre privaten Probleme löst. Würden ARD und ZDF noch wie damals in den 80ern US-Serien im Vorabendprogramm zeigen, wäre dies ein Top Kandidat (Und das meine ich im positiven Sinne!).

    Das Einzige, das mir hin und wieder etwas sauer aufstößt, ist dass die Polizei dort immer recht hat. Ich bin keiner von diesen Wutbürgern, der sofort über Faschismus, Korruption und Polizeistaat jammert, wenn die Polizisten z.B. bei einer gewalttätigen Demo tatsächlich zurückschlagen, aber es ist schon merkwürdig, wie oft in dieser Serie das Fazit am Ende lautet: „Der Polizist hat korrekt gehandelt“. Immerhin: Man kann davon ausgehen, dass mindestens bei der wöchtentlichen Familiendinnerszene das Für und Wieder diskutiert wurden.

    • .. das mit dem „old school“ feeling stimmt absolut, hatte ich jetzt bewusst gar nicht vor Augen. Das mit dem „Polizei hat immer recht“ aber auch nicht. Erst recht wenn man an den Handlungsbogen mit Jamie und seinen Nachforschungen zu den „Blauen Templern“ in der ersten Staffel denkt, würde ich das jetzt nicht unbedingt so unterschreiben. Mir würde da noch eine weitere Szene einfallen, als Frank einem seiner Chiefs klipp und klar sagt, dass er lieber seinen Hut nehmen soll (Statistikfälschungen) als dass er ihn feuern muss.

      Aber die u.U. unmoralischen Handlungen werden ja, wie von dir auch gesagt, beim Familiendinner nochmals diskutiert. Und hier hört man auch mal kritische Kommentare zum Polizeibenehmen.

      Schön, dass nicht nur ich die Qualitäten dieser Serie zu schätzen weiß.

      • Naja, ich sage ja nicht, dass alle Cops dort grundsätzlich als Heilige dargestellt werden, aber die Serie bemüht sich oft viel zu sehr, Gesetzeshüter in einem unfehlbar positiven Licht zu zeigen.

        Aber auch das finde ich, wie ich zugeben muss, gar nicht mal so schlecht. In einer Zeit, in der es scheinbar nur noch Antihelden im Fernsehen gibt und „ACAB“ vom Randgruppenslogan zur scheinbar populären Meinung wurde, ist es dann doch wieder schön eine Serie zu haben, die sich hinstellt und sagt: „Hey, ohne Polizei wärt ihr aufgeschmissen! Die tun auch nur ihre Pflicht, egal ob es euch gefällt oder nicht!“

  • … also grds. sind wir schon einer Meinung .. aber das mit “ unfehlbar positiven Licht “ würde ich dennoch nicht unterschreiben. Ich erkenne in der Serie immer wieder auch – vor allem in den Dinnerdiskussionen – kritische Töne zur Polizeiarbeit, erst recht wenn die beiden älteren Herren in die Vergangenheit schauen.

    Den letzten Satz würde ich dagegen ohne Beanstandung unterschreiben.

    ;o)



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