Wir kriegen die schon groß!

AWESOME 5: Die besten Erziehungsratgeber

Spoilerfrei
Susanne
29.05.20

Ich habe den Artikel „Awesome 5 – Die besten Serien für werdende Eltern“ mit großer Freude gelesen und ich hatte mehr als einen Flashback. Gehen wir aber jetzt die Storyline mal weiter. Angenommen, Kind Nummer Eins und vielleicht sogar schon Nummer Zwei sind da – wo bekommt man sinnvolle und umsetzbare Hilfestellungen? Ja, Ratschläge bekommt man auch weiterhin von all‘ den gut meinenden Menschen um einen herum. Aber neuer Input ist auch wirklich elementar, um das Abenteuer “Kinderchaos” zu überleben. Möglichst unbeschadet! Oft steht man vor Situationen, in denen man sich fragt: “Hä? Und nu?”. Schauen wir auf die unendlichen Weiten der TV-Shows: Serien wie “The Bill Cosby Show”, “7th Heaven” oder “Full House” helfen einem da oft nicht weiter. Zu geschmeidig. Zu schnuffituffi. Zu konventionell. Oft sind es die untypischen Familienshows, die zu den wirklichen Erleuchtungen führen. Doch welche helfen einem am besten dabei, die Kinder gesund und munter ins Erwachsenenleben zu schubsen, ohne selbst dabei den Verstand oder die eigene Identität zu verlieren? Mein All-Time-Favorit „Titus“ ist ein Quell von ungeahnten Einsichten in die Erziehungsarbeit. Aber da ich ihm schon einen eigenen Artikel gewidmet habe, komme ich zu den fünf nächstbesten:

1. „Married…with Children“

Welche Serie kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man an die typischen Anti-Helden der Elternschaft denkt? Klar: “Eine schrecklich nette Familie”! Eine Serie, die elf Staffeln vorweisen kann, verspricht schon Qualität. Wenn die Hauptfigur dann auch noch vier Touchdowns in einem Spiel geschafft hat, dann kann man nichts mehr falsch machen. Diese Serie ist ein Klassiker und sollte von jedem Elternteil mindestens einmal gesehen werden. Notizen machen ist angebracht. Gut, geschlechtsbezogene Klischees sollte man vielleicht auslassen. Und das Thema Verhütung sollte hinterher noch einmal separat angegangen werden. Auch die Beziehung zwischen Vater und Mutter ist eher nicht so harmonisch. Aber wo ist das schon immer der Fall? Okay, vielleicht ist nicht alles vorbildlich. Man muss halt zwischen den Zeilen schauen. Al ist ein beschützender Papa. Eine Reihe von durch die Tür fliegende Typen, die an die Wäsche seiner Tochter wollten, können das bestätigen. Und er sorgt sich sehr darum, dass sein Sohn nicht die selben Fehler macht, wie er. Man lernt in der Serie auf jeden Fall, wie man sein Kind liebt, wenn es eher nicht der Überflieger ist. Auch die Dynamik zwischen den Geschwistern spielt eine große Rolle. Eigentlich sollte die Serie “Not the Cosbys” heißen. Das wurde auf jeden Fall umgesetzt und vielleicht einigen wir uns einfach darauf, dass auch ein Negativ-Beispiel hilfreich sein kann.

Al: „I don’t want more people in this house. I want less. I want my life back, dammit. I want my youth. I want my hair. I want… this room. It’s really nice… Are you thinking of moving out, son?“
Bud: „No, Dad. “
Al: „Damn. Well, it doesn’t hurt to ask.“

2. „Roseanne“

Auch das dürfte wohl niemanden erstaunen. Diese Serie verarbeitet wohl alle Probleme, denen man begegnen kann: Arbeitslosigkeit der Eltern, Scheidung, Gewalt in der Ehe, ungewollte Schwangerschaften, Alkoholismus, Coming-Out, Teenager-Probleme, Geschwister-Streitigkeiten, schulische Leistungen, erste Liebschaften, und vieles mehr. Mit all‘ diesen widrigen Umständen geht Familie Conner auf ihre ganz eigene Art und Weise um. Mit viel Humor, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass diese Probleme wirkliche Stolpersteine sind. Nichts, was man einfach weglachen kann. Galgenhumor vom Feinsten. Aber auch ohne diese großen und kleinen Hindernisse haben die Familienmitglieder einen frechen Umgangston, ohne verletzend zu werden. Es ist nicht immer alles wie aus dem Ei gepellt. Und es wird viel mit den Kindern direkt besprochen, wenn man sich zum Beispiel mal etwas nicht leisten kann. Es ist nichts perfekt in der „Roseanne“-Welt und doch kann man sich oft in sie hineinfühlen. Oder gerade deswegen!

3. „Still Standing“

Kommen wir zu einer Serie, die nicht ganz so bekannt ist und oft im Wust der größeren TV-Shows untergeht. Bill ist, ganz bodenständig, ein Sanitärfachverkäufer mit dem Schwerpunkt auf Toiletten und Judy ist eine Zahnarzthelferin. Die beiden sind ein zufriedenes Pärchen mit drei adretten Kindern. Sie kennen und lieben sich schon seit der Highschool und haben früh geheiratet, weil Kind Nummer Eins überraschend auf dem Weg war. Was im ersten Moment wie eine normale Familienshow wirkt, hat ein paar interessante Aspekte. In vielen Dingen sind Bill und Judy nämlich jugendlicher als ihre Kinder. Brian, der älteste, ist ein Bücherwurm, schlau und auch recht ernst, weswegen sein kindsköpfiger Vater oft das Gefühl hat, keinen Zugang zu ihm zu finden. Tochter Lauren ist eine Drama-Queen, die gerne schon älter wäre und Dinge möchte, für die sie noch zu jung ist. Ihre Mutter Judy kommt dabei manchmal in Konflikte, denn es sind Dinge, die sie als Jugendliche auch gerne gehabt hätte, aber wegen ihrer Teenager-Schwangerschaft nicht haben konnte. Und eigentlich ist sie jetzt auch noch nicht zu alt dafür. Aber wie kann sie es ihrer Tochter dann verbieten? Kind Nummer Drei ist der Nesthaken und fällt eigentlich nur durch ihre altkluge Art auf. Was ich an der Serie persönlich sehr gerne mag, ist, dass Bill und Judy zwar durch ihre frühe Elternschaft auf einiges in ihrer Jugend verzichtet haben, aber sie das nicht negativ behaften. Sie haben einfach noch mehr Lust auf jugendliche Dinge, als andere in ihrem Alter in der Serie. Und auch einige Entwicklungsschritte fehlen ihnen, die ihre Kinder gerade gemacht haben und ihnen so einen Schritt voraus sind. Dabei wird aber auch sichtbar, dass sie sich bei all‘ dem Chaos einfach lieb haben. Und diesen Kuschelfaktor sollte man sich zwischendurch auch einmal gönnen.

Bill: „So son, why didn’t you join the football team?“
Brian: „Well, it was getting in the way of my debate team practices.“
Bill: „You never told me you were on the debate team!“
Brian: „Yes, I did.“
Bill: „No, you didn’t.“
Brian: „Yes, I did.“
Bill: „Damn, you’re good.“

4. „3rd Rock from the Sun“

And now to something completely different… Ja, die Serie „Hinterm Mond gleich links“ ist wirklich eine sehr untypische Familiensendung. Was ich von all‘ den ratgebenden Serien erwarte, ist ein Perspektivenwechsel, der einen einfach mal aus der Reserve lockt. Das ist bei dieser Show einfach auf so vielen Ebenen gegeben. Die vier Außerirdischen, die auf der Erde landeten, sind natürlich keine Menschen, aber jeder von ihnen wird in einen menschlichen Körper gestopft, der so gar nicht zum ursprünglichen Leben passt. Das Verabschieden von der Comfort Zone ist allumfassend. So entdecken sie nicht nur das Menschenleben, sondern auch die Jugend, das Alter, das Männliche, das Weibliche und vor allem die Verbindungen dazwischen. Natürlich muss erst der Weg in einen Alltag gefunden werden und es kommt zu absurden Situationen. Aber gerade die machen es ja so spannend, weil einem alltägliche Begebenheiten vorgespielt werden und man merkt “oh, ist ja eigentlich schon komisch”. Doch nicht nur äußerliche Geschehnisse machen ihnen zu schaffen, sondern auch körperliche, wie Hormone und spätestens da kann sich jeder hineinversetzen, der seine Pubertät nicht verschlafen hat. Zum Schluss jeder Folge sitzt die Familie gemeinschaftlich auf dem Dach, schaut in den Sternenhimmel und bespricht den Tag. Wenn das nicht die perfekte Idylle ist.

Tommy: „I am now the coolest punk in school.“
Dick: „Well, congratulations. What did you do?“
Tommy: „I got suspended for setting off the fire alarm.“
Dick: „They suspended you? You saved hundreds of lives!“
Tommy: „That’s the best part; there was no fire.“
Dick: „Tommy, this is outrageous! The next time you set off the fire alarm, you’d damn well better start a fire first.“

5. „Unhappily Ever After“

Last, but not least… Diese Serie erscheint auf den ersten Blick wie ein Abklatsch von „Married…with Children“, aber wenn man genau hinschaut, hat sie Aspekte, die dem ganzen eine andere Stimmung verpasst. Denn wo Al und Peggy sich stoisch ihrer Lebenssituation ergeben und das beste daraus machen, leidet hier der Vater Jack sehr unter dem Stress von schlecht bezahlter Arbeit als Gebrauchtwagenhändler und der Scheidung. Er kompensiert das auf eine etwas ungewöhnliche Art und Weise: Er redet mit seinem Alter Ego Mr. Fluffy, einem flauschigen Stoffhasen. Alles, was Jack nicht rauslassen kann, macht dann halt die Hasenhandpuppe. So ist Mr. Fluffy ein chauvinistischer Macho, mit Hang zum Drogenkonsum und einem losen Mundwerk. Anders als in den anderen Serien sind Mutter und Vater hier tatsächlich getrennt und man kann sehen, wie die Kinder sich in dieser Extremsituation in verschiedene Richtungen entwickeln. Wo bei „Still Standing“ das erste Kind als Überraschung bezeichnet wird (wie übrigens auch bei „Roseanne“), wird hier der Erstgeborene immer wieder daran erinnert, dass er ein Unfall gewesen und somit ungewollt ist. Dementsprechend ist bei dem bildungsfernen Dumbatz das Selbswertgefühl auch eher schwach ausgeprägt. Seine Schwester Tiffany, das Vorzeigekind, erinnert vom Kleidungsstil her an Kelly Bundy, aber das war es dann auch schon. Sie ist smart, zielbewusst und will Jungfrau bleiben, solange es nur geht, damit sie nie wie ihre Eltern endet. Das dritte Kind läuft wieder nur nebenher. Das wird hier aber thematisiert und so fängt der Bengel irgendwann an, für Aufmerksamkeit die Umgebung anzuzünden.

Honorable Mentions

Natürlich sind dies nur ein paar Vorschläge, denn im Prinzip kann man aus allen Serien etwas Vernünftiges für sich herausziehen oder Ideen mitnehmen. Wer wissen möchte, wie man es nicht macht, könnte zum Beispiel „Game of Thrones“ oder „The Umbrella Academy“ schauen. Eine 1:1-Umsetzung könnte zu interessanten Ergebnissen führen. Also Obacht! Die Beziehung von Jake Peralta zu seinem Chef Captain Holt in „Brooklyn Nine-Nine“ beinhaltet viele gute Tipps, wenn man das Kind zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erziehen möchte. „Wer ist hier der Boss“ und „The Fresh Prince of Bel-Air“ lehren uns, dass eine Familie nicht immer einer klassischen Struktur bedarf, um wirklichen Zusammenhalt zu entwickeln. Und „Supernatural“ hat gute Tipps auf Lager, wenn man die Kinder mal alleine lassen muss. Will man dann sehen, was am Ende bei dem ganzen Erziehungsgetüdel rauskommt, schaut man „Arrested Development“ oder die „Golden Girls“. In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Vermehrung!

Ein Kommentar

  • „Malcolm in the Middle“ nicht zu vergessen. Mein all time Favorit was Erziehungs- und Familienleben angeht


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