Perlen aus der Vergangenheit - Ausgabe #45

Klassiker der Woche: Eine schrecklich nette Familie

Spoilerfrei
Maik
03.07.16

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Wir hatten irgendwann mal ein Bild in der Serienbilderparade, auf dem Al Bundy zu sehen war. Und der Satz: „Früher habe ich ihn als traurigen Loser wahrgenommen, der ich nie sein wollte, jetzt sehe ich ihn als Jemanden mit geregeltem Einkommen, einem sicheren Job, einem Haus und einer Familie“. Ein bisschen geht es mir auch so. Nicht unbedingt, dass ich den Lebensstandard der Bundys jetzt mehr befürworten würde als damals, mir geht es eher um den Humor, das Spiel, die Unterhaltung.

Peggy: „Did you miss me?“
Al: „With every bullet, so far.“

Frühe habe ich „Eine schrecklich nette Familie“ für plumpen Klamauk befunden. Viele der Witze hatte ich nicht recht verstanden, das war oft nach gleichem Muster, der Vater zu schädelig, aber immerhin gab es immer wieder hübsche Frauen zu sehen. Und auch wenn der Humor mit der Zeit jetzt nicht wirklich anspruchsvoller wurde – heute verstehe ich den Erfolg. Es war eben eine Visualisierung der damaligen Mittelklasse-Gesellschaft. Eine normale Familie mit normalen Problemen. Und wenn man dann plötzlich mal Folgen auf Englisch zu sehen bekommt, findet man es eh viel lustiger…

Seriensteckbrief

Name: Eine schrecklich nette Familie (Original: Married… with Children)
Genre: Sitcom
Laufzeit: 22 Minuten
Staffeln (Folgen): 11 (259)
Ausstrahlung: 1987-1997
Erstausstrahlung: 5.04.1987 (Fox) / 19.02.1992 (RTLplus)
Darsteller: Ed O’Neill, Christina Applegate, Katey Sagal, …

Und sorry für den Ohrwurm…

Darum ging es

Vater, Mutter, Tochter, Sohn, Hund. Die Bundys haben viele US-Klischees bedient und sie bewusst bespielt. Der vermeintliche Loser-Dad als chauvinistischer Schuhverkäufer, der dicke Frauen hasst und angeblich auch seine eigene, aber sie doch insgeheim liebt wie nichts Zweites. Die oberflächliche Hausfrau, die mehr Wert auf Dauerwelle und Nagellack als gehobene Kultur legt. Der dumm-coole Sohn, der nur von der „Dumpfbacke“ von Schwester untertroffen wird. Und ein Hund, der alles besser weiß. Stumpf ist Trumpf.

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Und dazu eben jede Menge Beziehungs-Humor, der Mario Barth geprägt haben dürfte. Schlechte, billige und gute Gags zum Thema Beziehung, Erziehung und Lottoziehung. „No Ma’am“-Aktionismus, der ebenso Kult wurde, wie die Figuren selbst. Allen voran natürlich Al Bundy als Sprachrohr einer Gesellschaft, der eigentlich eher eine ironische Überzeichnung und Parodie eben jener ist. Hier ein Best of von ihm (im englischen Original):

Schrecklich nette Trivia

Ed O’Neill hat einen Stern am Hollywood Boulevard. Direkt vor einem Schuhladen.

Die Autobahn-Szene aus dem Intro stammt aus dem Chevy Chase-Film
Die schrillen Vier auf Achse
.

Der Arbeitstitel der Serie war „Not The Cosbys“ und auch der Name der Figur Marcy D’Arcy war eine Anspielung auf den großen Comedy-Bruder und deren Produzentin Marcy Carsey.

Bis 2001 war die Serie die am längsten laufende ohne Emmy-Award. Dann wurde „Baywatch“ abgesetzt.

Roseanne Barr wurde die Rolle der Peggy Bundy zunächst angeboten. Skurril, hat sie doch ein Jahr später eine gar nicht so unähnliche Sendung begonnen…

In der Serie „Parker Lewis – Der Coole von der Schule“ (Folge 9, „Nicht die Nichte!“) tritt David Faustino in seiner Rolle als Bud auf. In der Serie „Nikki“ (Folge 23, „Technical Knockup“) treten Amanda Bearse und David Garrison in ihren Rollen als Marcy und Steve auf.

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Nochmal schauen?

Wer noch einmal auf den Nostalgie-Trip will, kann sich sämtliche 11 Staffeln bei Amazon, Maxdome oder iTunes anschauen. Viele der Folgen sind auch frei zugänglich komplett online zu sehen. Zum Beispiel auf YouTube, wenn auch teils etwas deformiert. Hier zum Beispiel die Pilotfolge der Serie aus dem Jahre 1987 mit deutscher Synchronisation

Kommt noch was?

Immer wieder ist von Comebacks oder Serienablegern die Rede. So sind ein Kelly Bundy- und ein NO MA’AM-Ableger am Interesse der Darsteller bzw. von FOX gescheitert. Zuletzt war ein Spin-Off angeblich in Planung, wirklich konkret wurde es jedoch nie. Ich bin mir sicher, dass da noch einmal irgendwann etwas kommen wird. Vermutlich nicht mit ganzem Cast, aber so ein paar Gastauftritte sollten schon drin sein. Denn kurioserweise sind ja eigentlich nur O’Neill und Sagal noch wirklich solide im Geschäft. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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Bilder: FOX

2 Kommentare

  • Das war eine Serie, die wirklich viel intelligenter war, als man meinen sollte. Ja, sie war hauptsächlich auf Slapstick und Stereotypen ausgelegt, aber es war auch ein „Equal Opportunity Offender“ der allerbesten Sorte. Vor allem wenn man sich die Folgen ansieht, in denen die „No Ma’am“ Höhlenmenschen mal wieder mit den männerhassenden Feministinnen aneinandergeraten, merkt man, wie prophetisch die Autoren oft waren (Sh. Gamergate und Co).

    Ich erinnere mich noch daran, wie ich so um die Jahrtausendwende herum im Arztwartezimmer den „Stern“ oder „Spiegel“ durchblätterte und dieses seriöse Politmagazin der Serie einen kleinen, aber überraschend positiven Beitrag widmete. Darin wurde sie u.a. (Zitat aus dem Gedächtnis) als „Grandiose Satire auf alle Gewaltfantasien der Amerikaner“ bezeichnet.

    Letztes Jahr war „Marcy“ Amanda Bearse übrigens, als weibliche Hauptdarstellerin des 80er Jahre Horrorkomödienklassikers „Fright Night“ (In dem sie übrigens eine Teenagerin spielt, obwohl der Film nur zwei Jahre vor „Eine schrecklich nette Familie“ entstand) auf der „Weekend Of Hell“ Convention in Oberhausen. Sie hat mein „Fright Night“ Poster mit sichtbarem Vergnügen unterschrieben und hat sich auch überraschend lange mit meiner Schwester und mir unterhalten. Sie ist definitiv eine der nettesten Promis, mit denen ich jemals ein paar Worte gewechselt habe.



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