Eine Folge ist vorbei, der Bildschirm wird schwarz – bis zur nächsten Folge dauert es mindestens ein paar Tage. Ich habe also Zeit, darüber nachzudenken, zu reflektieren, Vorfreude und Spannung zu empfinden und nichts machen zu können, als abzuwarten. Und das genieße ich gerade total, denn die Serie wird für mich über Wochen zum regelmäßigen Begleiter.
Raum für Diskurs
Es ist das ewige Diskussionsthema: Binge Watching oder Genuss in Häppchen? Auch hier im Blog haben wir in regelmäßigen Abständen darüber philosophiert, was besser ist: die Veröffentlichung aller Episoden einer Serie oder neuen Staffel an einem Stück oder in wöchentlichen Etappen. Und auch ich stehe dieser Frage gerade wieder gegenüber.
Stellt euch vor, die finale Staffel von „Stranger Things“ wäre in einem Rutsch veröffentlicht worden. Gut, einige meinen vielleicht, es wären uns allen damit zahlreiche Verschwörungstheorien zum (tatsächlichen) Ende der Serie erspart geblieben. Aber wie cool ist es denn, was für ein Diskurs daraus entstanden ist? Wie viele Leute sich ausgetauscht haben, wie viele coole Theorien ausgearbeitet wurden und wie viele Screenshots aus der Serie als vermeintliche Hinweise für oder wider der Idee, dass die Serie in Wirklichkeit noch gar nicht vorbei ist, dienten, wie viele Marken auf den Zug aufgesprungen sind und offensichtlich Teil dieses kulturellen Moments sein wollten. Herrlich! Natürlich wollte ich hier eigentlich auch immer sofort wissen, wie es weitergeht. Aber ich habe das Aushalten genossen.
Ich schaue aktuell die Reality-Spielshow „The Race“. Es läuft mittlerweile die dritte Staffel der Serie und neue Folgen erscheinen immer donnerstags und sonntags. Und ich hasse und liebe es! Hier kann ich nicht selbst kontrollieren, wie viele Episoden ich nun schaue, sondern habe eine natürliche Begrenzung für meinen Konsum. Und die Konsequenz? Die Serie begleitet mich nun seit einigen Wochen, an der Kaffeemaschine bei der Arbeit tausche ich mich über den aktuellen Stand der Show aus und am Ende jeder Folge bin ich traurig, dass es vorbei ist und ich warten muss – und gleichzeitig freue ich mich, dass sich das Erlebnis dadurch noch ein bisschen weiter streckt und ich noch ein bisschen länger mit den Protagonist:innen mitfiebern kann.
Natürlich könnte ich auch einfach warten bis alle Folgen veröffentlicht sind, um dann alles in einem Zuge zu schauen. Aber ich bin überzeugt, dass man Serien, die man binget, auch ganz anders schaut und anders – vielleicht sogar weniger – schätzt. Was mir an der etappenweisen Veröffentlichung besonders gut gefällt? Dass mir die Entscheidung abgenommen wird, wann und wie viele Episoden ich schaue – denn meistens gibt es sowieso nur eine weitere Folge, wenn ich weiterschaue. Und für weniger entscheidungsfreudige Menschen wie mich ist das genau das Richtige. Insbesondere, wenn im Alltag von morgens bis abends schon viele Entscheidungen getroffen werden müssen, entspannt es mich mehr, mich dann in der Freizeit ein bisschen treiben lassen zu können.
Momentaufnahme
Das ist eine Phase und ja auch gerade nur eine Serie, die das in meinem Leben betrifft. Es kommen auch wieder andere Zeiten und auch dann werde ich wöchentliche Episodenveröffentlichungen wieder verfluchen – vor allem den Faktor, dass ich nicht selbst bestimmen kann, ob ich weiterschaue oder nicht. Und bis dahin genieße ich den aktuellen Status. Denn vielleicht ist genau das der eigentliche Vorteil: nicht alles sofort haben zu können.
Wie der Zufall es allerdings so will, ist „The Race“ seit gestern vorbei und die finale Episode geschaut. Mist. Und jetzt?
In welchem Status befindet ihr euch gerade? Ist dieser an eine bestimmte Serie geknüpft, übertragt ihr eure Seh-Vorliebe einfach auf die Serien, die ihr gerne schaut oder lasst ihr euch treiben, wie es gerade passt?
Bilder: Das Cover-Bild wurde mithilfe von ChatGPT erstellt | Netflix | Fox




































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