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Stranger Things: Tales from ’85

Kommentar: Wenn Stimmen plötzlich fremd klingen

29. April 2026, 10:58 Uhr
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Während sich der Frühling hier gerade von seiner besten Seite zeigt, herrscht im kleinen US-Örtchen Hawkins tiefer Winter. In der schneebedeckten Landschaft tauchen plötzlich neue, unheimliche Kreaturen auf, was natürlich die Nerd-Freunde aus „Stranger Things“ auf den Plan ruft. Mit „Stranger Things: Tales from ’85“ erweitert Netflix sein Erfolgsuniversum um eine Animationsserie. Eigentlich eine gute Idee, denn der Schritt ins Zeichentrickformat eröffnet neue erzählerische Freiheiten und bietet gleichzeitig die Chance, bekannte Figuren in einem neuen Stil weiterzuerzählen. Ich habe in die ersten Folgen reingeschaut: Das Ganze sieht ordentlich aus. Ein klassischer Animationsstil wie bei „The Real Ghostbusters“ hätte zur Serie allerdings besser gepasst. Vermutlich wollte man junge Zuschauer:innen aber nicht verprellen und setzt daher eher auf einen angesagten Look à la „Arcane“. Aber auch so ist die neue Animationsserie gespickt mit Referenzen, Soundbites und Songs aus den 1980er Jahren. Doch ausgerechnet bei einem zentralen Element hakt es bei der Serie gewaltig: den Stimmen.

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Anstatt auf die etablierten deutschen Synchronstimmen der Originalserie zurückzugreifen, scheint man hier neue Stimmen ausgewählt zu haben. Das Ergebnis ist irritierend. Figuren, die man über Jahre hinweg mit bestimmten Klangfarben, Betonungen und Eigenheiten verknüpft hat, wirken plötzlich seltsam entkoppelt von ihren Figuren. Gerade auf dem deutschen Markt ist Synchronisation mehr als eine reine Übersetzung. Stimmen sind ein Wiedererkennungsmerkmal und oft ein entscheidender Teil der Charaktere. Wenn Dustin, Max oder Hopper plötzlich anders klingen, entsteht erst einmal Distanz. Ich habe mich zumindest erst nach drei Episoden an die neuen Stimmen gewöhnt. Ein Blick auf andere Produktionen zeigt, wie wichtig die Stimmen sein können. Bei der Trickserie „Avengers: Gemeinsam unbesiegbar!” hat man sich im Deutschen bewusst für die bekannten Stimmen aus den Kinofilmen entschieden und der Serie so einen Mehrwert gegenüber dem US-Original geboten.

Warum klingen die Stimmen in „Stranger Things: Tales from ’85“ anders?

Gerade bei der Synchronisation des ersten Ablegers der Erfolgsserie will der Streamingriese Netflix offenbar Kosten sparen. Die bisher bekannten Sprecher:innen sollten ihre Stimmen vertraglich für KI-Schulungszwecke zur Verfügung stellen, damit sie bei zukünftigen Projekten möglicherweise nicht mehr benötigt werden. Die Sprecher:innen haben dem verständlicherweise widersprochen, woraufhin sie letztlich durch neue Stimmen ersetzt wurden. Zukünftig darf damit gerechnet werden, dass die KI-Synchronisation dauerhaft zum Einsatz kommt. Klar, sie ist schneller und günstiger. Wenn Stimmen jedoch als Datensätze behandelt werden, gerät schnell aus dem Blick, dass sie das Ergebnis von Erfahrung, Schauspiel- und Regiearbeit sind. Serien leben von Pausen, Betonungen und kleinen Nuancen. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Entscheidung, ob KI-Stimmen zum Einsatz kommen sollen oder nicht, sollte nicht den Zuschauer:innen überlassen werden. Nicht jede:r erkennt sofort, ob mit KI gearbeitet wurde, und noch weniger können überprüfen, wie die Synchronfassung entstanden ist. Transparenz wäre hier eigentlich Pflicht.

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Gerade für eine weltweit erfolgreiche Serie wie „Stranger Things“ ist das ein nicht nachvollziehbarer Schritt. „Stranger Things: Tales from ’85“ zeigt exemplarisch, welchen Einfluss die Synchronisation auf das Seherlebnis haben kann. Zwar sparen Streamingdienste hier kurzfristig Geld, riskieren aber langfristig die Bindung ihres Publikums.

Bilder: Netflix

Beitrag von:
Mittwoch, 29. April 2026, 10:58 Uhr
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Ein Kommentar

  • Lümmel

    Ich find’s gut, dass klar wird, wer hier der Buhmann ist. Die meisten Zuschauer lassen sich, zum Glück, immer noch von Geschichten begeistern, in denen echte Menschen agieren. Der Versuch, von Konzernen wie Netflix, den Erfolg solcher Serien maximal „abzumelken“, ohne die Menschen, die erst zu diesem Erfolg geführt haben, gerecht daran zu beteiligen, ist verachtenswert. Wenn ich die Wahl hätte, ob sich irgendein unkreativer COE oder ein talentierter Schauspieler von meinem Geld einen Pool in seinen Garten baut, würd’ ich mich schon eher für den Darsteller entscheiden, auch wenn dessen Reichtum genau so schnell pervers werden kann…

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