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Zwei zum Preis von einer

Review: American Horror Story – Staffel 10 („Double Feature“)

Mini-Spoiler
Maik
21.10.21

Lange mussten wir auf die große Jubiläumsstaffel von „American Horror Story“ warten. Knapp zwei Jahre sind seit dem Ende von Staffel Neun und „1984“ (Review) vergangen. In der Zwischenzeit gab es mit Sicherheit auch Pandemie-bedingte Verschiebungen, da hat die Welt ja quasi selbst Apokalypse gespielt. Außerdem haben die Macher der großen Anthologie-Serie mit „American Horror Stories“ noch eine kleine Variante produziert, die statt eine Geschichte pro Staffel eine pro Folge zeigt. Wobei, ganz so ist das bei Staffel Zehn ja leider auch nicht…

„Double Feature“ ist der Name der 10. Staffel „American Horror Story“, die Seit Ende August in den USA bei FX läuft und bei uns über Disney+ / ProSieben FUN zu sehen sein dürfte. Ich muss gestehen, mir zuvor nicht einmal den Trailer angeschaut zu haben. Gerade bei dieser Konzept-Aufteilung wollte ich überrascht werden. Leider fiel die Überraschung nicht wirklich positiv aus, denn statt DER großen Jubiläums-Geschichte gibt es eher zwei zu kurz geratene zu sehen. Statt doppeltem Vergnügen fühlt es sich wie B-Seiten-Recycling an. Als wären das zwei Ideen gewesen, die schon seit Jahren am Reißbrett hingen, aber es nie zur Staffel-Güte geschafft hatten. Und das, obwohl eigentlich alles recht vielversprechend anfängt…

Hälfte 1: „Red Tide“

Die ersten Folgen von „Red Tide“ sind stark, vor allem, was das Etablieren einer gewissen Atmosphäre anbelangt. Ein im Winter verlassenes Hafenstädtchen hat sein Geheimnis, das blutiger Natur ist. „American Horror Story“ schafft es hier, Gesellschaftskritik und Horror zu verbinden. Es geht um Stars, Talente und Vampire. Mehr möchte ich nicht vorweg nehmen. Mit dabei sind einige Leute des AHS-Stamm-Casts sowie ein herrlich aufgelegter Macaulay Culkin (der darf gerne öfter zum Cast gehören!).

Die Figuren sind gut gezeichnet und das Spiel mit der Moral wirkt eindringlicher als die blutigen Momente. Denn tatsächlicher Horror rückt hier leider schnell in den Hintergrund (die eingangs so interessant wirkenden Vampirfiguren verblassen immer mehr in ihrer Verharmlosung). Allgemein wird mir das Mysterium etwas zu schnell aufgelöst. Vermutlich muss das so sein, um den eigentlichen Familien-Strang der Geschichte fortführen zu können, aber für mich hat sich das vor allem in den ersten Folgen etwas gehetzt angefühlt. Kein Wunder, haben die Macher:innen für ihre Story ja lediglich sechs statt der üblichen zehn Episoden Platz. Das dürfte auch zumindest eine Ausrede für das eher vermasselte Ende gewesen sein. Da wollte man entweder zu viel oder hat zu wenig gegeben. Jedenfalls hatte die Geschichte insgesamt noch etwas mehr Potenzial – sowohl im Horror- als auch im Drama-Sektor. Eigentlich müsste ich deshalb auch auf 3,5 Kronen runtergehen, aber ich will den vorherigen Folgen Respekt zollen.

Dennoch war „Red Tide“ ein vor allem atmosphärisch und visuell einnehmendes Stück Erzählung. Das Pacing hat hier und da etwas gehinkt und auch die Tatsache, dass Folgen zwischen 37 und 61 Minuten hin und her sprangen, hat mich etwas gestört. Insgesamt war das aber zumindest bis Folge Fünf durchaus ordentliche Unterhaltung. Kein Jubiläums-Spektakel, aber es gab bereits weitaus schlechtere „American Horror Story“-Staffeln zu sehen. Womit wir bei Hälfte Zwei wären…

Hälfte 2: „Death Valley“

Zuerst dachte ich, dass man mittlerweile derart ideenlos geworden ist, dass man den „Wir starten eine neue Geschichte und alle schauen interessiert nach, welche Rollen unser bekannter Cast dieses Mal eingenommen hat“-Trick gleich zwei Mal anwendet. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn neben Sarah Paulson, Leslie Grossman, Angelica Ross und kurz Lily Rabe ist niemand der prominenten Namen und Gesichter in beiden Staffelhälften zu sehen. Mit Cody Fern taucht noch jemand Altbekanntes auf, ansonsten haben wir aber auch viele neue Gesichter dabei, unter anderem Neal McDonough, den ich persönlich unter anderem aus „Suits“ kenne.

McDonough spielt niemand geringeren als Dwight D. Eisenhower. Yep, den einstigen US-Präsidenten. Damit wären wir auch bereits bei einem Aspekt, der Stärke und Schwäche zugleich darstellt: Die Einbindung echter historischer Figuren. Im Jahr 1954 angefangen bekommen wir im Laufe der lediglich vier Folgen etliche Jahrzehnte zu sehen. Alles im letzten Jahrtausend in Schwarz-Weiß, plus eine 2021er Zeitebene in Farbe. Dabei bekommen wir verdammt viel aufgetischt. Allerlei Politiker:innen, Stars ihrer Zeit und vor allem Verschwörungstheorien. Was mit Aliens beginnt wird noch weitaus… fantasievoller.

Der Auftakt ist eigentlich noch ganz nett, versprüht er doch einen gewissen Horror-Charme früherer Film-Zeiten. Doch irgendwie fühlt es sich so an, als müsse man zu sehr auf die Tube drücken, um wirklich Atmosphäre aufbauen zu können. Leider bleibt auch die Story im Vergleich zur ersten Hälfte eher blass. Es gibt einige nette Momente und sogar ein paar sehr gelungene Dialogzeilen (das mit der „Beförderung“ habe ich sehr gefeiert), aber alles wirkt wir eine zwar hochwertig gemachte aber doch insgesamt eher simple Verschwörungs-Doku. Ja, alle vermeintlich doofen Gedanken sind eigentlich wahr, hängen zusammen und die Politik ist dafür verantwortlich. Das ist dann irgendwo ganz nett, vor allem wenn Marylin im Pool oder Steve in der Apple-Store-Cafeteria abhängt, aber so richtig schockt das nur selten. Auch hier gilt: Da war mehr drin. Zumal sich das Ende angefühlt hat, als würde noch mindestens eine Folge kommen (müssen!). Oder überrascht uns der Sender etwa nächste Woche einfach mit einer nicht-angekündigten Fortsetzung?!

„American Horror Story“ Staffel 10 Review

Insgesamt ergibt sich mir ein eher ernüchterndes Bild. Statt zur Jubiläumsstaffel groß aufzufahren hat man sich zweier Ideen bedient, die entweder nie komplette Staffelgröße haben erreichen können, oder traurigerweise klein gehalten wurden. Man merkt, dass an „Red Tide“ mehr geglaubt wurde, hat diese „Hälfte“ immerhin sechs der zehn Folgen sowie den Startplatz erhalten, aber dann hätte man es auch groß aufziehen können.

Insgesamt war das dann etwas viel für eine Staffel. Vampire und Aliens? Das passt nicht ganz. Wobei ich die Staffel-begleitenden Poster-Motive ja eigentlich ganz gelungen finde, da wird gut mit dem Kontrast der Fantasie-Figuren gespielt. Schade, dass das in der Staffel selbst nicht geklappt hat, denn auf den großen, Twist-bringenden Dreh, der beide Hälften verbindet, habe ich leider vergebens warten müssen.

„American Horror Story“ Staffel 11?

Wer beim Blick auf die Folgen und vor allem Quoten meint, „American Horror Story“ stünde vor dem Aus – weit gefehlt! Bereits im Frühjahr 2020 wurden drei weitere Staffeln geordert. 11, 12 und 13 dürften somit auch die folgenden Jahre für spannende Geschichten sorgen. Dann hoffentlich mit besseren Enden!

Bilder: FX

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