Erfrischend normal.

Review: Black Summer S01E01 – Menschenfluss

SPOILER !!
Maik
12.04.19

Im März hatten wir euch noch den Trailer zum neuen Netflix-Original gezeigt, jetzt wurde die erste Staffel der neuen Zombie-Serie „Black Summer“ weltweit veröffentlicht. Wobei, ganz so neu ist die Serie ja nicht, stellt sie im Grunde genommen ein Prequel zur Syfy-Mutterserie „Z Nation“ dar. Und doch ist vieles neu, was bereits beim Anblick des Piloten ersichtlich wird. Ich habe mir erlaubt, einen Ersteindruck zur Serie auf Basis der ersten Episode „Menschenfluss“ („Human Flow“) nieder zu schreiben, ggf. wird es dann nochmal ein komplettes Staffelreview zu allen achte Episoden hier geben.

In der Ruhe liegt die Kraft

Eine Sirene durchbricht die Ruhe. Eine verlassene Straße, ein platter Autoraufen – alles schaut aus, wie ein normaler Sonntag in einem Berliner Vorort. Naja, okay, nicht ganz. Keine Menschen sind zu sehen, dafür gibt es umso mehr Atmosphäre aufzusaugen. Wie sich herausstellt, arbeitet die Pilotfolge von „Black Summer“ mit kapitelhaften Episoden, die uns Figuren der Reihe nach vorstellen.

Rose

Dass die Serie auch in puncto Cinematografie moderne Ansätze zu verfolgen versucht, bekommen wir direkt im ersten Mini-Kapitel zu sehen. Rose rennt mit ihrer Familie aus der Zuflucht eines fremden Hauses, um im (erstaunlich lockeren…) Sprint-Wettkampf mit anderen Anwärtern zu einem Militär-Aufnahme-Punkt zu gelangen. Dabei bekommen wir eine nette Kamerafahrt (oder besser, einen netten Kamerflug) geboten, der über die Gruppe eilender Menschen schwebt. Die visuelle Spielerei bringt der Familie wenig, denn nur das Töchterchen gelangt auf den heilversprechenden Wagen.

„Weapons? – „No, sir.“ – „Why not?“ (Soldat & Patrick)

Bei der Situation mit dem verletzten Vater und der scheinbar verzweifelten Mutter hat mir gefallen, wie viel Zeit man sich genommen hat. Wir Zombie-erprobte Zuschauer sind kaum mehr gewohnt, diese Anfänge zu sehen, in denen Angehörige noch hoffen, dass es ihren Liebsten auch mit Bisswunde schon nicht allzu schlecht ergehen wird. Von Draußen drängen die Geräusche von Schüssen und Explosionen ein, die den allgemein guten Spannungsaufbau nochmal untermalen. Klar ist nur – das wird nicht gut ausgehen.

Nach 14 Minuten ist erstmals ein Untoter zu hören – es klingt aggressiv und bedrohlich, kein „The Walking Dead“-esques Stöhnen. Dass die Zombies dynamisch sind, also rennen können, sehen wir kurz drauf, was allerdings für „Z Nation“-Zuschauer keine wirkliche Überraschung sein dürfte.

Ryan

Beim zunächst einfach nur geschockt wirkenden und sich später als taubstumm herausstellenden Ryan gefiel mit der Aspekt, dass er von einer (ihm fremden?) Frau auf Koreanisch angesprochen wurde und wir seine Situation in der Form teilen mussten, weil keine Untertitel zu sehen waren. Also außer, ihr versteht Koreanisch, versteht sich… Auch sehr interessant fand ich den pfeifenden Herren, der überraschend entspannt über die Straße flaniert ist.

Barbara

Eine der besten schauspielerischen Leistungen des Auftaktes erhalten wir beim Aufeinandertreffen von Barbara und dem Fremden Ben zu sehen. Eigentlich ist die erste Lektion der postapokalyptischen Welt ja „traue niemandem!“ und doch schafft die Inszenierung es, dass wir stets denken „Mach es nicht!“ und doch irgendwie hoffen, dass Ben sich als wohlwollend herausstellt, zumal wir ja noch recht nah am Beginn des Ausbruches sind.

„So, how old are your kids?“ – „Get out of the car!“ (Barbara & Ben)

Die zweite Lektion kommt direkt anschließend auf den Fahrersitz: „Wie gewonnen, so zerronnen“ – oder auch „Zu früh gefreut“.

Lance

Spätestens hier wird klar, dass wir kleine Zeitsprünge in den Kapiteln haben, die uns manche Situationen aus unterschiedlichen Sichtwinkeln erzählen. Dabei gefiel mir vor allem die Wandlungsszene der Dame, die von der Aufmachung her sehr an Rosita an „The Walking Dead“ erinnert hat, sowie die Tatsache, dass wir nicht nur mal eine orientierungslose Such-Phase eines Zombies hautnah miterleben können, sondern die rund dreiminütige Sequenz mit nur ganz wenigen Schnitten auskommt. Und dass eine der namensgebenden Kapitelfiguren erst beiläufig am Ende gezeigt werden, hatte ich mir von Anfang an gewünscht, sehr schön!

Spears

Bei Spears geht der „Kapitelnamen-Gag“ gar eine Stufe weiter, bekommen wir dadurch ja lediglich einen Toten zu sehen. Außer natürlich, der von der Armee gefangen genommene Herr nimmt den (Spitz)Namen für sich an, könnte ja sein (ich habe noch nicht weiter geschaut).

Besonders an diesem Kapitel gefiel mir mal wieder, wie gut mit Ruhe gespielt wird. Die Situation wirkt wie eine Art Kammerspiel, wir erhalten den Eindruck, als würden wir einer sehr langen, ungeschnittenen Konversation teilhaben. Aber wie so oft bei der Ruhe, folgt der Sturm…

The Checkpoint

Natürlich ist es klischeehaft, dass so ziemlich alle „unserer“ Figuren am Ende der Folge „zufällig“ zusammen kommen, aber im Gegensatz zu vor allem „Fear The Walking Dead“ ist hier der Dreh ja (noch) andersherum. Nicht die uns zuvor gezeigten Figuren finden zusammen, sondern die später zusammenfindenden Figuren werden uns mit ihrer Vorgeschichte gezeigt. Und jetzt kann es losgehen.

Das war erfrischend normal. Nicht nur im Vergleich zur abgedrehten und klamaukigen „Z Nation“-Vorlage, sondern auch im Vergleich zu der Genre-Primus-Reihe aus dem Hause Kirkman. Der aufgesplittete Aufbau und das Spiel mit den Kapitelnamen hat mir gefallen. Allgemein hätte ich sogar nichts dagegen gehabt, wenn wir gar keinen Zombie, oder nur einen ganz am Ende gesehen hätten, aber gerade die Wandlungsszene war richtig intensiv. Insgesamt hat der Wechsel zwischen ruhigen und dramatischeren Phasen sehr gut funktioniert.

Schade finde ich noch immer, dass wir (bislang?) so gar nichts vom Ausbruch des Virus zu sehen bekommen haben. Es war ja bekannt, wir uns geschichtlich etwa drei Monate weiter fortgeschritten bewegen, aber gerade diese ersten Momente der Verwirrung und der Anarchie bieten einfach so viel Potenzial, das so leider auf der Strecke bleibt. Aber ich freue mich sehr auf die nächsten Folgen und ob die komplette Staffel dem vielversprechenden Auftakt gerecht werden können wird. Weiter geht’s!

Bilder: Netflix

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