Euer nächster Serienfreund?

Review: Happy! Staffel 1

Spoilerfrei
Maik
01.02.18

In der Nacht zu Heute hat die erste Staffel der neuen SyFy-Serie „Happy!“ ihr Ende gefunden. Nach acht Folgen kann man durchaus mal ein Resümee darüber ziehen, ob sich ein Blick lohnt. Ohne auf Detail-Spoiler der Handlung einzugehen, möchte ich euch meine Meinung schildern. Soviel vorab: Die Serie ist besonders und lohnt sich – aber nicht für jeden!

Comic-Vorlage

Die Serie basiert auf der vierteiligen Comicbuch-Reihe gleichen Namens von Grant Morrison und Darick Robertson, die 2012/13 auf den Markt kam. Ich muss gestehen, die Bücher bislang weder gekannt, noch gelesen zu haben. Ich weiß nur, dass ein Twist, der am Ende der Pilotfolge zu sehen ist, in den Comics deutlich später erfolgt.

Was ich erzählen kann, ist das Grundsetting: Nick Sax (Christopher Meloni) war mal Polizist und ist jetzt Auftragskiller. Ein abgehalfterter, verwaschener und kratzbürstiger Charakter, der jeder Fliege was zu Leide tun würde. Und mehr. Als stets optimistisch-fröhliches Pendant erscheint ihm nach einer Reihe von Umständen das blaue Pferdchen Happy (gesprochen von Patton Oswalt, nachdem zunächst übrigens Bobby Moynihan im Pilot übernahm) als imaginärer Freund. Es ergibt sich eine gewalt(tät)ige Krimi-Jagd mit Glücksspiel, Striptease-Schuppen, Drogen und Todesfällen, die die bisherige Zuckerwattewelt des imaginären Pferdchens auf den Kopf stellt.

„What kind of monster are you?!“ – „I’m an imaginery friend.“ (Happy)

Happy! Serie Trailer

Happy! Staffel 1 Eindruck

Nach der ersten Episode wusste ich noch nicht so ganz, ob ich weiterschauen wollte, hatte aber ehrlich gesagt gerade so ein kleines Serienloch und habe einfach mal noch zwei Episoden Chance zugestanden. Zum Glück. Denn „Happy!“ ist wohl eine der originellsten Serien der letzten Zeit, weil sie einfach Charakter und Fantasie eint. Dabei kommt Nick Sax mit ordentlich John McClane’sche Natur daher und weiß mit gekonntem Timing nicht nur lauter Badass-Sprüche, sondern auch komische Elemente abzulassen. Das Drastische einer Comic-Vorlage kommt auch immer mal durch, sei es in völlig abstrusen Gewalttaten oder „fantasiereichen“ Aktionen Happys.

Hervorheben möchte ich die Figuren. Alle haben sie Ecken, Kanten und Ebenen, auch wenn sie recht stereotypisch positioniert werden. Dabei ist neben Haupt-Gegenspieler Francisco „Blue“ Scaramucci vor allem Handlanger „Smoothie“ zu erwöhnen, der von Patrick Fischler („Mad Men“, „LOST“, …) auf eine psychosisch-souveräne Art verkörpert wird, die mich an Burton aus „Banshee“ erinnert hat. Leider ergeben sich gerade zu Beginn der Staffel im Spiel mit bzw. gegen Sax einige Logiklücken, die auf das klassische „töte ich dich heute nicht, töte ich dich morgen“-Schema zurückfallen.

Ebenso missfiel mir in der ersten Folge noch die Stimmung. Man muss sich erst an die dreckige Welt gewöhnen, in der selbst ein lustig-buntes Entertainment-Programm für Kinder Gefahren, wie einen entführenden Weihnachtsmann, aufbieten. Einige übernatürlich angehauchte Entwicklungen passen allgemein nicht so recht rein und die scheinbare Handlungsunfähigkeit mancher eigentlich so einflussreich dargestellter Figuren passt nicht ganz ins Bild. Über die schiere Unsterblichkeit Sax‘ will ich gar nicht erst reden…

Aber storytechnisch wird vieles richtig gemacht. Die Dramaturgie funktioniert, so dass sich uns nicht nur nach und nach viele Zusammenhänge aufgeklärt, sondern auch Vorgeschichten der Figuren erzählt werden, so dass wir nachempfinden, weshalb der eine so ist oder die andere so agiert.

„Let me be happy.“ (Nick)

Sicherlich ist „Happy!“ kein Kandidat auf den Award der besten Serie des Jahres, aber puncto Originalität dürfte sie einen Platz auf der Shortlist inne haben. Das Thema „Comic“ trieft aus jeder Episode, so dass nur wirklich unterhaltsam findet, wer einen Nerv für akzentuierte Gewalt und dieses typische „Drübersein“ in Geschichte und Dramatik hat. Wer sich da drauf einlässt, erhält einen unterhaltsamen und vielseitigen Entführungsthriller mit einer gewissen Coolness, die ich seit einer Weile nicht mehr im Fernsehen zu sehen bekommen habe. Und eine zweite Staffel wurde bereits geordert – yay!

Bilder: SyFy

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