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Nicht nur die Masken sind anders

Review: „Haus des Geldes: Korea“ – Teil 1

Mini-Spoiler
3. August 2022, 13:52 Uhr
Mini-Spoiler
Maik
03.08.22

Im Jahr 2018 hat eine spanische TV-Serie internationalen Hype ausgelöst als Netflix sich dazu entschlossen hat, „La Casa de Papel“ (in angepasster Schnittfassung) international zu übertragen und später in Eigenregie fortzuführen. Der Hype um das hierzulande unter dem Titel „Haus des Geldes“ laufende Format war leider so groß, dass ein recht überflüssiger zweiter Überfall durchgeführt wurde, der zumindest hinten heraus einiges von dem hat vermissen lassen, was das Format zu Beginn so besonders gemacht hatte. Entsprechend fraglich erfolgte dann die Ankündigung eines koreanischen Remakes. Muss das sein? Und ist das nicht vor allem viel zu früh nach dem Abschluss des Originales? Und wieso mimt man zwanghaft diese dämliche „Teil“-Systematik nach und veröffentlicht zunächst nur sechs Folgen der Staffel, ohne einen Termin für die zweite Hälfte bekannt zu geben? Mir schwant, dass wir diese vielleicht nie zu sehen bekommen werden, denn – um das schon einmal vorweg zu nehmen – so richtig Spaß macht das Spin-Off leider nicht.

Ein bisschen gleich…

Zunächst mal möchte ich dem deutschen Netflix danken, dass es eine Art Präzedenzfall geschaffen hat. „Haus des Geldes: Korea“ (HDGK) dürfte eines der wenigen Gegenbeispiele sein, bei denen eingedeutschte Titel ohne Beititel auskommen, obwohl das Original „Money Heist: Korea – Joint Economic Area“ einen mitbringt. Allerdings muss man auch gestehen, dass dieser Rückschlüsse auf den Inhalt liefert. HDGK ist nämlich keine 1:1-Kopie der spanischen Handlung sondern lässt durchaus eigene gesellschaftskulturelle Einflüsse aufkommen. Vor allem, was die Grundlage angeht, die in einer nahen Zukunft spielt, in der Nord- und Südkorea wieder zusammenfinden und eine gemeinsame Wirtschaftszone betreiben, in der auch eine neue Banknotendruckerei für die gemeinsame Einheitswährung steht. Das ist doch schon mal erfrischend anders!

Insgesamt ergibt sich ein surreal anfühlendes Gerüst aus Neugier, was Parallelen und Andersartigkeiten zwischen Spin-Off und Mutterserie anbelangt. Vor allem in der ersten Folge wird es reizvoll als uns die Hauptfiguren vorgestellt werden. Visuell wird größtenteils direkt klar, welcher Charakter welcher Vorlage entspricht, da wurde schon gutes Casting betrieben. Außerdem behilflich sind die deutschen Synchronstimmen, die zwar nicht die gleichen Sprecher:innen wie bei der spanischen Vorlage sind, jedoch stimmlich teils extrem nah dran sind. Allerdings wirkt die Synchro allgemein recht flach, was den Einbezug von Hintergrundgeräuschen anbelangt. Das wird schmerzhaft deutlich in einer Szene, in der Tupperbehälter aus Plastik auf den Tisch gestellt werden, das aber klingt als wären sie aus Glas. Und dass man Seon Woojin (Yunjin Kim aus „LOST“) beim ersten Auftritt doch wahrhaftig als „Inspectora“ anspricht, ist mal sowas von daneben…

Dafür hat mir die eingebaute Lache bei Denver gut gefallen und auch der Bankdirektor ist mindestens genauso nervig wie das spanische Pendant. Allerdings fühlen sich die Figuren bislang beinahe ausnahmslos als weniger tiefgängig an, als hätte man eindimensionale Abziehbilder der Originale vor sich. Natürlich ist es ungerecht, ausentwickelte Figuren, die einem über die Jahre ans Herz gewachsen sind, mit neu eingeführten Charakteren zu vergleichen, die ja auch durchaus anders sein dürfen, dennoch fehlt es mir allgemein an Sympathie in der Runde. Die Herzlichkeit und Lockerheit eines Helsinkis ist komplett verloren gegangen, Nairobi ist immerhin tough, aber eher auf eine billige denn charismatisch Weise, und bei Berlin ist die faszinierende Eloquenz leider komplett verloren gegangen. Letzter wird durch Park Hae-soo („Squid Game“) aber zumindest stark verkörpert, andere Darbietungen sind leider eher von durchschnittlicher Qualität.

Ein bisschen anders…

Einige Anpassungen haben mir aber auch gefallen. Die angepassten Masken, auf die inhaltlich jedoch leider nicht eingegangen wird, demonstrieren wohl am besten den „ähnlich aber nicht gleich“-Faktor der Adaption. Dass der Professor statt Origami direkt an seinem Papiermodell der Druckerei und Umgebung herumbastelt und zwischenzeitlich seine Pinzette fallen lässt, war ebenfalls eine gute Idee.

Eine Vielzahl an Aspekten hat mir aber nicht gefallen, zum Beispiel erfolgte der Einstieg in die Druckerei deutlich holpriger, das wirkte alles weniger elegant und souverän. Die Faszination ob der überlegenen Überlegtheit des Professors, dessen ausgetüftelter Plan perfekt durchgeführt wird, fehlt leider. Nervige Details haben auch die Glaubwürdigkeit der kompletten Unternehmung untergraben. Im folgenden Absatz werde ich dann doch etwas konkreter, was Spoiler angeht (überspringt den also am besten, solltet ihr die Folgen noch nicht gesehen haben, allgemein umschreibe ich dazu noch was im Fazit weiter unten).

Die wechselhafte Darstellung der „Inspictora“ ist zum Beispiel unglaubwürdig. Am zweiten Tag wirkt sie wie ausgewechselt und kommt plötzlich mit einem total souveränem Auftreten daher, dann ist sie wieder zurückhaltend. Recht plump wird in vielen Momenten angedeutet, dass sie extrem misstrauisch wird, vor allem, nachdem die Café-Tür einen Spalt offen blieb und sie die Handschellen demonstrativ auf den Tisch legt. Eine Szene später ist der Professor aber wieder fein raus. Auch das Gehabe der Geiseln im Gebäude ist oftmals extrem auffällig (vor allem beim Uhren-Versteck im Overall) – die Sicherheitskameras hätten sie sich komplett schenken können… Allgemein war ja bereits beim Original kompliziert zu etablieren, dass so wenige Leute eine derart große Location mit so vielen Geiseln im Schach halten können, hier funktioniert das aber überhaupt nicht. Und das, obwohl es aus mir unerfindlichen Gründen keinerlei Security vor Ort gibt. Der nordkoreanische Hauptmann spricht davon, medizinische Basisbegriffe zu kennen und weiß dann nicht, was ein Skalpell ist?! Und wie einfach kann der Professor bitte mit dem Auto vom Schrottplatz fliehen? Und wieso ist Tokio die prominente zu Beginn eingeführte zentrale Erzählstimme, aber die Figur, die am wenigsten macht? Puh, ne, da hat so einiges nicht gepasst.

Auch fernab teils unlogisch erscheinender Details macht die Serie in den ersten Folgen keinen guten Eindruck. Das fühlt sich trotz der reizvollen Vergleichssituation zäh und mühsam an. Und das, obwohl (oder vielleicht auch, weil?) man sich deutlich weniger Zeit für die Darstellung der Entwicklungen nimmt. Moderner koreanischer Edit, ja, aber so geht auch viel verloren. Es fehlen Spannung sowie die glaubhaft inszenierten Wendungen, alles wirkt billiger und simpler. Und alles geht schneller den Bach runter. Erst im letzten Drittel des Teiles kommt echte Spannung auf. Vor allem das Ende von Folge Fünf war gut, in Folge Sechs gibt es sogar so etwas wie einen Twist. Auch die Sache mit den Masken war eine angenehme Überraschung. Und gerade, wenn man sich doch in der Handlung beheimatet fühlt und wissen will, wie es weiter geht (so man überhaupt so weit gekommen ist), ist der Teil auch „schon“ vorbei. Was bleibt ist eine Ernüchterung ob eines Remakes, das rational gleich daher kommt, aber Herz und Seele vermissen lässt.

Remakes können es nie allen recht machen, das ist klar. Handelt es sich um eine exakte Kopie, gilt es als Ideenlos und unnötig, weicht man zu stark von der Vorlage ab, wird auch das bemängelt. „Haus des Geldes: Korea“ scheint jedoch einen besonderen Mittelweg gefunden zu haben, der es allen nicht recht macht. Zumindest lassen die eher schlechten Bewertungen allerorts darauf schließen. Mir hat die Mischung aus Übernahme und Neuerfindung dagegen grundsätzlich gefallen. Man hat einige kulturelle Annäherungen unternommen und auch versucht, die Geschichte ein bisschen anders und somit unvorhersehbarer verlaufen zu lassen, ohne dabei auf zentrale Elemente der Vorlage zu verzichten. Dieses Vorhaben führt aber auch dazu, dass eine souveräne und vor allem authentisch erzählte, vielschichtige Konstruktion zerrupft werden musste.

Das Problem ist folglich die Qualität der Geschichte selbst, die deutlich unter dem Original(-Auftakt) anzusiedeln ist. Konnte „Haus des Geldes“ einige fragwürdige Bestandteile noch glaubhaft vertuschen, taumelt „Haus des Geldes: Korea“ in etliche Fettnäpfchen. Dabei kann man der Produktion eigentlich keine fehlende Ambition vorwerfen. Die Cinematography ist jetzt nicht die geilste aber insgesamt haben wir es mit einer hochmodernen Aufmachung zu tun. Auch sind einige Entwicklungen durchaus auf Komplexität aus. Und doch ist vieles zu vorhersehbar und kurzgedacht. Klar, haben wir doch alle diesen Überfall bereits gesehen und wissen, was in etwa passieren wird. Entsprechend würde mich mal eine vergleichende Bewertung zwischen Gruppen interessieren, die die Vorlage gesehen oder eben nicht gesehen haben. Vermutlich liegt deren Bewertung dann doch etwas höher (dreieinhalb Kronen vielleicht?).

„Haus des Geldes: Korea“ hat kein leichtes Unterfangen auf sich genommen. Vielleicht hätte man mit der Veröffentlichung lieber noch ein, zwei Jahre warten sollen, um den Abstand zum Original-Release vergrößern und die Erinnerung daran verblassen lassen zu können. Etwas mehr Zeit für die Weiterentwicklung des Drehbuches hätte auch nicht schaden können. Dennoch ist das Remake jetzt auch kein kompletter Reinfall. Das Grundprinzip bleibt spannend und gerade die Beobachtung, welche Elemente gleich und welche anders umgesetzt worden sind, ist durchaus reizvoll.

2. Teil von „Haus des Geldes: Korea“?

Tatsächlich soll es aber doch weiter gehen, vermutlich, weil man die Folgen eh am Stück gedreht hat und lediglich an der Post Production hängt. Noch ist kein genauer Veröffentlichungs-Termin für den zweiten Teil der ersten Staffel von „Haus des Geldes: Korea“ bekannt gemacht worden, aber im letzten Quartal des Jahres 2022 sollen die neuen Folgen erscheinen. Hoffentlich bringen die dann wenigstens auch einen inhaltlichen Abschluss des Überfalles mit sich, so dass man sich eine zweite Staffel komplett sparen kann.

Bilder: Netflix / Jung Jaegu

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