La bella vita?

Review: Master of None Staffel 2

Mini-Spoiler
Maik
20.05.17

Vor fast anderthalb Jahren hatte ich euch „Master of None“ ans Herz gelegt. Vor etwa einer Woche ist endlich die zweite Staffel der Netflix-Comedy von und mit Aziz Ansari veröffentlicht worden und binnen weniger Tage haben meine Freundin und ich die Folgen durchgeschaut. Zeit für eine Einordnung dieser so oft schweren zweiten Staffel…

Der Einstieg ist zäh und anders, in einem verkünstelt schwarz-weiß gehaltenen Italien, mit einem erstaunlich gut Italienisch sprechenden Dev und Untertiteln. Ich verstehe die Idee dahinter und doch will dieser erzählerische Exkurs nicht bei mir zünden. Das Pacing passt nicht, die rechte Stimmung will nicht aufkommen und es werden lose Fäden generiert, die nie wieder (zumindest bis Staffelende) aufgenommen werden. Eine zweite Sache, die schnell auffällt: die unterschiedlichen Laufzeiten. Die Episodendauern variieren zwischen 21 und 58(!) Minuten. Ich heiße die durch Streamin dazugewonnene Flexibilität durchaus gut, so dass Momente eben die Zeit erhalten, die sie brauchen und nicht künstlich aufgebläht werden – aber fast das Dreifache?! Zumal es sich inhaltlich dann doch hier und da nach Längen oder Gedrungenheit anfühlt.

Inhaltlich wurden wieder gekonnt kleine und große Themen des Alltags aufgegriffen. Die eingefahrene Dating-Routine oder auch das religiöse (Nicht-)Schweinefleisch-Essen fand ich ebenso gelungen, wie die thanksgiving’sche Aufwachs-Periode, in der wir nicht nur Klein(er)-Dev sehen, sondern auch etwas in Sachen Toleranz lernen. Hier hat mir nur die Besetzung des zweitjüngsten Dev so gar nicht gefallen. Ebenso kamen gefühlt die Freunde von Dev deutlich kürzer als in Staffel eins, bis auf Arnold, der immer mal seine Momente hatte, aber auch eher als Beilage fungierte. Vor allem bei Brian wirkte es mehr oder weniger komplett von der Haupthandlung abgekapselt.

Eigentlich wollte ich den Vergleich gar nicht anstellen, obwohl er auf der Hand liegt, aber in einer Folge gibt es tatsächlich einen recht abgedrehten und über-dramatisierten „Man Seeking Woman“-Moment. Da merkt man dann doch recht schnell, dass beide Serien das gleiche Feld beackern. Anders und doch irgendwie gleich. Am Ende hängt es an den Hauptfiguren und am Grad des Humors. MSW ist eher pubertär und Haudrauf während MoN es eleganter versucht, stets an der Schwelle des Erwachsenseins und Niederlassens. Da wird teure Pasta gegessen und noch teurerer Wein getrunken, die Kreise, in denen Dev sich bewegt, werden elitärer, am Ende steht gar eine gigantische Fernsehshow.

Und Francesca.

Beim Hauptteil der Staffel tue ich mich etwas schwer. Sicherlich ist die verzwickte Situation, in denen sich die beiden befinden, lebensnah erzählt (war nie in ihr und will es nie sein, aber es kommt glaubhaft rüber), und doch wirken einige Handlungen der Serienstruktur geschuldet. Darstellerin Alessandra Mastronardi ist ungemein süß und charmant und besitzt eine klasse Chemie mit Ansari, was man gerade in den vielen länger laufenden Kameraeinstellungen (und vermuteter Improvisation) merkt. Mehr möchte ich gar nicht drauf eingehen, solltet ihr die Staffel noch nicht gesehen haben, nur noch eine Frage für das Ende: Ist es ein Traum oder Gedankenspiel, das sich während der Blizzardnacht ereignet hat, oder ein nach Vorne ausgerichteter Realitätssprung? Anscheinend Letzteres, denn die Shirts sind andere und ein Stück Schmuck ist verschwunden. Grundlage für Spekulationen für und Vorfreude auf Staffel 3 sind gegeben!

Es bleibt ein lebensnahes Format, das auf originelle und doch authentische Art und Weise Randthemen aufnimmt und verarbeitet. Dazu der gewohnte Aziz-Charme und das ein oder andere Experiment, das leider nicht immer wirklich zündet. Dazu waren mir ein paar grundlegende Dinge dann doch zu vorhersehbar (Francesca? Chef Jeff?!). So bleibt es eine Serie, die es schafft, dem eingefahrenen Anstoßen das vorherige Tisch-Absetzen voranzuführen. Nicht spektakulär, aber irgendwie eine kleine, feine Note, die das Erlebnis ein bisschen schöner und persönlicher werden lässt. Im Vergleich zur ersten Staffel fehlte mir aber etwas die Leichtigkeit, der Humor und die Stringenz. Hier waren dann doch mehr Irrläufer zu sehen in Sachen Folgen und Ideen.

Dennoch bleibt „Master of None“ ein absolut empfehlenswertes Format. Zumindest für Leute, die Aziz Ansari mögen. Oder das Leben. Oder die Liebe. Den Trailer zur Staffel könnt ihr hier sehen.

Bilder: Netflix

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