Netflix-Comedy von und mit Aziz Ansari

Serien-Tipp: Master of None

Spoilerfrei
Maik
21.01.16

Master-of-None

Im der etwas TV-trägen Zeit des Neujahrsschlafes gibt es mal ein wenig die Möglichkeit, Liegengebliebenes aufzuholen oder neue Formate anzutesten. So geschehen bei mir letzte Woche, als ich endlich mal in „Master of None“ rein geschaut habe. Und was soll ich sagen – zwei Tage später war die Staffel des Netflix-Originals auch schon verschlungen. Dabei ist „Master of None“ wahrlich kein Meister eines bestimmten Fachs. Für eine Comedy ist sie eigentlich nicht lustig genug und sogar hier und da durchaus tragisch unterwegs, für ein Drama ist es deutlich zu unspektakulär und irgendwie passt die Serie eh in keine Schublade. Und genau das ist ihre Stärke! Sie ist im Mix sehr besonders und vermutlich doch der Meister in einer Sache: Authentizität.

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Das ist nicht an den Haaren herbei gezogen, sondern eine kleine, überschaubare Geschichte aus dem Leben eines kleinen, überschaubaren Mannes gegriffen. Und einfach herzlich und lebensnah erzählt.

Darum geht es

Aziz Ansari spielt Dev, einen 30-jährigen New Yorker, der irgendwo an der Schwelle des Erwachsenseins hängt. Eigentlich noch zu cool und lebendig für Familie und Kinder und doch mit den ersten Gedanken in diese Richtung. Mit indischem Migrationshintergrund hat er mit Vorurteilen zu kämpfen, will sich als bisheriger Werbespot-Darsteller auch im Filmbereich als Schauspieler einbringen und versucht vor allem sein Liebesleben in die richtige Bahn zu lenken. Familie, Job, Selbsterfüllung – eben eine Serie über das Leben.

Dabei bekommen wir zwar stets Dev zu sehen, aber auch einen kleinen Freundeskreis und jede Folge ein bestimmtes Thema. Von „alten Leuten“ über „Inder im TV“ bis hin zu „Eltern“ ist der jeweilige Fokus einer Folge auf eine bestimmte Sache im Leben bezogen. Dabei ändert sich auch immer wieder die Aufmachung der Folge, die gerne mit konzeptionellen Strukturen spielt und so zwar immer mal wirklich starke und eher schwache Momente hervor bringt, aber eben auch überraschend und abwechslungsreich ist, ohne dabei die grundlegende Tonalität zu verlassen. Unkonventionell ist die Serie bereits am Aufbau. Ein 30 Minuten-Format, bei dem gerne mal nach sechs Minuten die Credits laufen. Quasi als „Intro“. Oder mal nach zur Hälfte der Folge, oder direkt zu Beginn.

Deshalb solltet ihr einschalten

Man wird gut unterhalten. Und denkt tatsächlich über das eine oder andere im Leben nach. Ein bisschen Selbstreflektion mit der einen oder anderen Ansari-Masche. Etwas komisch ist es schon, ihn in einer zwar durchaus lebhaften aber doch mit deutlich mehr gesundem Menschenverstand ausgestatteten Rolle als in „Parks & Recreation“ zu sehen. Zu Beginn kann man dem noch nicht trauen, am Ende ist Dev aber wie die meisten Charaktere mit verdammt viel Logik und Ernsthaftigkeit dabei. In seltenen Momenten, in denen man fehlende Logik oder falsches Charakter-Verhalten anmahnen möchte, folgt auch schon der entsprechende Dialog, der genau das Thema aufnimmt. Es wirkt alles realistisch und doch wie eine Erzählung.

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Der Cast ist wie die Serie – unspektakulär aber gelungen. Ansari war als bester Schauspieler in einem Comedy-Format für einen Golden Globe nominiert, musste sich aber leider „Mozart in the Jungle“s Gael Garcia Bernal geschlagen geben. Ansonsten gibt es viele eher unbekannte Darsteller, aus denen vor allem Noël Wells positiv heraus sticht. Dazu den einen oder anderen Gastauftritt, wie bspw. von „Homeland“-Star Claire Danes.

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Wie hoch wohl die Prozentzahl des Fits zwischen dieser Sendung und mir ist? Vermutlich so 70 Prozent.

Das Leben. Nicht übertrieben lustig, nicht übertrieben dramatisch – aber eben echt. Ein bisschen wie „Girls“ nur eben in gut und nicht so abgefucked. Ich fand die Serie originell und eine ungemein angenehme Abwechslung zu all dem „höher, schneller, weiter“-Drama in der Serienlandschaft. Eben wie der Blick in das Leben einer Person, die so alt ist wie ich und sich ähnliche Gedanken macht, auch wenn er am anderen Ende der Welt indischer Schauspielstar werden will. Dazu gibt es durchaus einige Szenen zum Schmunzeln, bitterböse Momente und viele gute und schön-traurige Gefühle.

Der Titel der Sendung stammt übrigens vom englischen Sprichwort „Jack of all trades, master of none„, das beschreibt wie eine Person in möglichst vielen Feldern versucht, etwas zu lernen und zu erreichen, so aber keines wirklich meistern und Expertise darin aufbauen kann. Kenne ich irgendwo her…

Hier der Trailer zur Serie, damit ihr einen ersten Eindruck erhaltet:

Hooked? Dann zieht euch die Serie bei Netflix rein. Sind leider nur zehn Folgen bislang, die habt ihr an maximal zwei Tagen durch. Und dann fragt ihr euch, wieso ihr das nun gerade so gut fandet und welche Aspekte der Figuren und Handlungen ihr in eurem eigenen Leben wieder findet.

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Bilder: Netflix

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