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David Lynch nimmt sich Zeit

Review: Twin Peaks S03E12

ACHTUNG: SPOILER !!
1. August 2017, 10:10 Uhr
SPOILER !!
Michael
01.08.17

Zeit. Wenn David Lynch eines einsetzt, dann ist es Zeit. Schon beim ersten Erscheinen von „Twin Peaks“ 1990 hatte er sich Zeit genommen, die Wahrheit über den Mörder von Laura Palmer zu entfalten. Und man schenkte ihm eine Menge Sendezeit für eine langgezogene zweite Staffel, die so viel mehr erzählte als die reine Crimestory. Und er ließ sich 25 Jahre Zeit, diese Geschichte weiter zu spinnen – was er zweifellos vor 25 Jahren in der Serie selbst auch ankündigte. Man muss Geduld haben, wenn man sich mit dem Werk David Lynchs auseinandersetzt. Und man muss sich vor allem dann in Geduld üben, wenn David Lynch zu langen Erzählungen ausholt, wenn er zwei Personen sich lange Momente gegenüber stehen lässt, ohne dass eine Silbe fällt. Wenn Personen sich über Menschen unterhalten, die dem Zuschauer vollkommen fremd sind. Oder wenn sich eine Frau minutenlang Zeit nimmt, um sich von einem Mann zu verabschieden.

Wer Folge 12 gesehen hat, weiß, worauf hier angespielt wird: Folge 12 ist definitiv eine Folge, die sich Zeit nimmt. Die viel erzählt, Personen Zeit für scheinbar alltägliche Dinge überlässt, Beobachter rein alltäglicher Momente wird. So wie bei der lang erwarteten Rückkehr von Audrey Horne, die sich minutenlang mit ihrem Mann streitet, der selbst minutenlang für den Zuschauer praktisch nicht nachvollziehbar mit jemand anderem telefoniert. Oder die Gespräche im Roadhouse, von unbekannten Personen, die über unbekannte Menschen sprechen. Wir landen hier im einfachsten Alltag von Menschen wie Du und Ich. David Lynch bringt uns auf den Boden des Daseins zurück, auf die normalnivellierte Ebene menschlichen Daseins.

Dabei macht er auch vor sich selbst nicht Halt. Genüsslich gönnt er sich als Gordon Cole einen guten Wein, um Kollegin Tammy in das Projekt Blue Rose mit einzubeziehen. Wir erinnern uns an die Bezüge zum Twin Peaks-Film mit Agent Chester Desmond, der den unmissverständlichen „Let’s rock“-Hinweis auf ein Auto geschrieben vorfindet. Ein Zitat, das auch der Man from another Place in der Serie brachte. Und das jetzt von Diane kommt, die als Assistentin von Dale Cooper natürlich auch in das Projekt einbezogen war. „Let’s rock“, sagt sie, was hoffentlich auch ein Hinweis darauf ist, dass die Lösung alldessen kurz bevor steht.

Drei Momente müssen wieder hervorgehoben werden:

Da sind die Auftritte von Grace Zabriskie als Sarah Palmer, die mal wieder ihr besonderes Gespür für übernatürliche Dinge beweist. Sie sieht Männer kommen – ob es jene dunklen Männer aus dem Raum über dem „Convenience Store“ sind? Hawk nimmt sich der Sache an und beweist sich wieder einmal als feinfühliger Polizist und Freund.

Dann ist das Gordon Coles wunderbare Szene mit einer jungen Französin, mit der er eigentlich einen schönen Abend verbringen wollte. Doch Albert hat eine wichtige Information für Cole. Wie Cole dann seinen Gast hinauskomplimentiert, wie sich beide Zeit dabei lassen, und wie sie es spielen, ist einfach wunderbar (im Sinne von: Bitte einen ‚Nebendarsteller-Emmy‘ 2018 für David Lynch, wie gesagt).

Und dann ist da noch der nostalgische Moment von Ben Horne, der zunächst die erschütternden Nachrichten über seinen Enkel erfährt, dann sich selbst an seine Kindheit erinnert. An sein Fahrrad, das er von seinem Vater bekommen hat und das ihm so sehr gefallen hat. Eine sehr rührende Geschichte, für die sich David Lynch ebenfalls mal wieder die Zeit nimmt, die es braucht. Und ein toller Moment von Richard Beymer, den ich vor 25 Jahren schon zu den überzeugenden Schauspielern der ersten beiden Staffeln zählte. Wie er da hinter seinem hölzernen Ben-Schild sitzt und sinniert – das ist einfach großartig und das sind genau die Momente, auf die ich bei der Rückkehr nach Twin Peaks gehofft hatte.

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