Roseanne hält die Zügel in der Hand

Review: Roseanne S10E03 – Roseanne gets the chair

08.04.18 11:11
ComedyReviewRoseanne
Mini-Spoiler
Michael
08.04.18

Eigentlich ist es gar nicht so leicht, ein Review über kurze Comedy-Folgen à la „Roseanne“ zu verfassen. Da bieten die klassischen 45-Minuten-Folgen in der Regel mehr Spielraum. Aber in den neuen „Roseanne“-Folgen passiert in kurzer Zeit so viel, dass sich das meiner Meinung nach doch lohnt.

Zumal der Auftakt des Revivals wirklich grandios war – die Doppelfolge war ein echtes Highlight, wie man im Review nachlesen kann. Jetzt kann man vermuten, dass Produzenten immer besonders viel Energie in die Auftaktfolge legen, um das Publikum zu locken. Hat bei „Roseanne“ auch funktioniert – über 18 Millionen Zuschauer haben in den USA eingeschaltet. Da fragt man sich: Würde eine ’normale‘ Folge dieses Niveau halten können? Um es vorweg zu nehmen: kann sie.

Immerhin 15 Millionen US-Zuschauer haben entsprechend diese Woche Folge 3 eingeschaltet, eine 11. Staffel ist längst bestellt (in Deutschland wird der Disney Channel die neuen Folgen übrigens zeigen – irgendwann), und viele dürften sich ähnlich amüsiert haben wie ich. Wir kennen Roseanne noch als Übermutter, die staffelweise versuchte, ihre Kinderbande nebst Mann zu bändigen, dazu auch immer ein offenes Ohr und einen bissigen Kommentar für Freunde und Arbeitskollegen zu haben. Jetzt hat sich eine Generation dazwischen geschoben: Roseanne bemüht sich, auch ihre Enkelkinder auf Spur zu bringen. In „Roseanne gets the chair“ konzentriert sie sich auf Darlenes Tochter Harris, die mitten in der Pubertät steckt und weder vor Darlene, noch vor Roseanne großen Respekt zeigt. Das ist natürlich DIE Herausforderung für Roseanne. Es ist großartig, wie Roseanne sich im Zwiegespräch mit Harris äußert, wie sie agiert und letztlich mit einer Hau-Ruck-Aktion für einen überraschenden wie prägenden Schlusspunkt sorgt. Dazwischen hängt immer Roseannes Schwester Jackie, die früher als Polizistin die „Recht und Ordnung“-Komponente besetzte, und jetzt mit ihren Lebensweisheiten als Coach immer für das i-Tüpfelchen einer Auseinandersetzung sorgt; auch eine tolle Idee!

Mir gefällt die Darstellung der grundsätzlich verschiedenen Einstellungen von Darlene und Roseanne, wie sich eine Mutter gegenüber ihrer Tochter zu verhalten habe. Es ist der Konflikt zwischen Respekt und Laissez-faire, wie wir ihn aktuell auch an vielen Stellen in der Gesellschaft beobachten können. Damit bleibt die Serie sich treu: Immer schon hat „Roseanne“ auch gesellschaftskritische Aspekte angesprochen, und das führt sie auch jetzt fort. Ernste Töne, in einer Sitcom verpackt – funktioniert immer noch perfekt.

Die Folge zeigt sehr schön, wie Roseanne nun praktisch zwei Generationen erziehen muss. Ihre Kinder benötigen immer noch ihren Ratschlag (und bekommen ihn auch dann, wenn sie ihn nicht hören wollen), und die Enkel eine entsprechende Führung. Dazu passt das wunderbare Bild gegen Ende der Folge, wenn Darlene in ihrem alten Kinderzimmer sitzt und gemeinsam mit ihren Eltern die Accounts ihrer Tochter durchgeht.

Zweiter Schwerpunkt der Folge ist das Älterwerden, das die Serie auch wieder auf witzige und geniale Weise platziert. Dan hat Roseanne einen Treppenlift besorgt, den sie aber trotz ihrer Knieprobleme nicht nutzen möchte, weil sie sich dann so alt fühlt. Irgendwann nutzt sie ihn doch, ausgerechnet im Konflikt mit Harris, was so ein wenig symbolisiert, dass Roseanne mit der Zeit irgendwie abgehängt wird, aber immer noch präsent ist. Auch wenn alles etwas umständlicher geworden ist und länger dauert: Auf Roseanne ist weiterhin Verlass. Das gilt für die Serie wie für die Hauptfigur.

Deine Meinung? 1 Krone2 Kronen3 Kronen4 Kronen5 Kronen

Kommentiere



Hinweis: Bei Kommentar-Abgabe werden angegebene Daten sowie IP-Adresse gespeichert und ein Cookie gesetzt (öffentlich einsehbar sind - so angegeben - nur Name, Website und Kommentar). Alle Datenschutz-Informationen dieser Website gibt es hier zu sehen.