Extraordinary but fairly known British TV shows worth seeing?

Serientest: Boys From The Blackstuff

Mini-Spoiler
Tobias
03.01.17

Ein neues Jahr, eine neue Reihe über britische Serien bei sAWE.tv. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im letzten Jahr lag der Schwerpunkt bzw. die Idee Euch Serien aus dem UK zu zeigen, die man in meinen Augen unbedingt mal gesehen haben sollte, im Wissen, dass dabei die ein oder andere Serie dabei sein dürfte, von der der 08/15 TV Zuschauer noch nie etwas gehört hat. Klar, jeder hat schon einmal von „Doctor Who“ gehört oder von „Sherlock“ aber Serien wie „Prisoners´Wives“ oder „Uncle“ dürften wohl eher nur den Seriennerds bekannt sein.

Irgendwann in den letzten Monaten hatte ich mich dann gefragt, wie diese Reihe in 2017 weitergehen soll – und ob sie das soll. Ich denke schon, dass ich auch in den kommenden zwölf Monaten noch interessante UK Serientipps gefunden hätte. Aber ich wollte einen neuen Reiz setzen, vor allem für mich.

Daher habe ich die Dachzeile zu meiner kleinen Reihe belassen aber mit einem anderen Satzzeichen versehen. Ich möchte nämlich mit Euch zusammen in zwölf neue und mir absolut unbekannte UK Serien eintauchen, also neu im Sinne von „noch nie gesehen“ und unbekannt im Sinne von „mehr als den Serientitel kannte ich bisher auch nicht“. Und dann mal schauen ob aus dem Serientest ein Serientipp wird, die Serie also „worth seing“ ist. Denn darum soll es auch weiterhin gehen.

Ich habe mich daher in den letzten Wochen durch diverse Bestenlisten an UK Seriencharts gewühlt und einige interessante Serienideen herausgepickt, bei denen ich denke, dass sie zumindest mir für eine Zeitlang Spaß machen könnten. Am Ende des Beitrages würde ich dann entweder eine Serienempfehlung aussprechen – oder eben auch mal nicht.

Ins neue Jahr und in die neue Reihe starten wir mit „Boys From The Blackstuff“, einer Dramaserie aus den frühen 80igern, die mit Bernard Hill (König Théoden von Rohan aus „Herr der Ringe“) und Julie Walters (Mrs. Weasley aus den „Harry Potter“ Filmen) zwei Darsteller aufbieten kann, mit denen auch wir heutzutage noch etwas anfangen können.

Seriensteckbrief

Name: Boys From The Blackstuff
Genre: Drama
Laufzeit: 65 Minuten
Folgen: 7
Ausstrahlung: 1980 – 1982 (BBC two)
Darsteller: Bernard Hill, Michael Angelis, Alan Igbon, Peter Kerrigan, Tom Georgeson, Julie Walters

Handlung

Im Mittelpunkt der Serie stehen fünf Männer in Liverpool, die mit Arbeitslosigkeit und dem anhaltenden wirtschaftlichen Niedergang der Stadt als auch der britischen Wirtschaft in den frühen 80iger Jahren zu kämpfen haben. Die Spaltung der britischen Gesellschaft und vor allem die allerseits umherwabernde Perspektivlosigkeit aus der Sicht des „einfachen“ Arbeiters, inkl. der Anschuldigung der herrschende Klasse nicht nur im Kopf sondern auch auf den Lippen und in den Fäusten, spiegelt sich in diesen Männern und ihren Familien bzw. Geschichten wider. Dabei fokussiert sich jeder der fünf Episoden auf eine der Hauptpersonen und auf die Nachwirkungen der Pilotfolge, am Ende derer sie nämlich von ihrer Firma entlassen werden.

„When youre riding in your motor car, and sailing through the shires, And the only sound you’re hearing is the humming of the tyres. If you’re riding nice and easy like a smile will be enough. Then dont forget the lads who laid the old black stuff.“

Yosser, Loggo, Chrissie, George und Dixie sind nämlich Straßenbauer (mit Black Stuff meint man umgangssprachlich das Rohmaterial beim Straßenbau) und befinden sich in der Pilotfolge auf einem Bau in Middlesbrough. Dixie ist sowas wie der Schichtleiter und Verantwortliche für die kleine Gruppe, bei der insbesondere Yosser (Bernard Hill) herausragt, einem unzufriedenen Mann, unverstanden, aggressiv, mit großen Träumen aber auch großen charakterlichen Problemen. Yosser ist es auch, der seine Kameraden (außer Dixie) dazu überredet, in Middlesbrough über Schwarzarbeit ein paar Pfund hinzuzuverdienen. Über zwei wenig Vertrauen erweckende Zigeuner nehmen sie den privaten Auftrag eines Farmers an, seinen Zufahrtsweg zu teeren. Das Geld für den Teer schmeißen sie zusammen, das Material und das Werkzeug „leihen“ sie sich von der Baustelle.

Natürlich läuft es am Ende darauf hinaus, dass die Jungs von den Zigeunern über den Tisch gezogen werden und nichts von dem versprochenen Geld sehen. Dazu kommt, dass ihr Firmenchef hinter die Schwarzarbeit kommt und alle (inkl. Dixie) feuert.

Auf diesem Schlussbild, also dass sich alle wieder auf dem Weg nach Liverpool befinden, entlassen und ohne Geld in der Hosentasche, perspektivlos, bauen sich dann die weiteren Folgen auf und verfolgen deren Geschichte (Arbeitssuche, Nebenjobs etc.) weiter, wie gesagt, in jeder der weiteren Folgen liegt mal der Schwerpunkt beim einen, dann wieder bei einem anderen Kumpel.

Julie Walters spielt im Übrigen die Frau von Chrissie und kommt als einzige weibliche Figur der Serie immer mal wieder vor, insbesondere natürlich in „Shop Thy Neighbour“, der Episode, in der Chrissie im Mittelpunkt steht.

Einordnung

Wer tolles Charakterspiel sucht, eine interessante Geschichte, Dramatik aber auch ein wenig Humor, der liegt bei „Boys From The Blackstuff“ bestimmt nicht verkehrt. Man muss aber auch die vielen Tiefschläge für die Männer als Spiegel der Zeit akzeptieren, die Bitterkeit und die Verzweiflung der Männer wird mehrmals spürbar. Insbesondere durch die Figur des Yosser und dem absolut überzeugenden Spiel Bernard Hills, den ich anfangs gar nicht erkannt habe. Aber er trägt einen tollen 80iger Schnauzbart – allein das ist ein Qualitätssiegel.

Die schauspielerische Leistung des Casts und die damit toll anzusehenden Geschichten dieser unterschiedlichen Figuren ist schon beeindruckend. Ich selbst bin noch nicht ganz durch, aber ich hatte schon diverse Male das Gefühl, dass sich die Geschichte etwas zu sehr zieht, die Monologe und Dialoge dann doch etwas zu lang sind. Manchmal kommt man sich wie auf einer Theaterbühne vor. Der dramatische Augenblick zählt und die Schauspieler und natürlich die Regie kosten dies durchaus aus. Da kommt dann manchmal doch etwas Langatmigkeit auf. Und das bei dem trockenen Thema.

„We laid it in the hollows and we laid it on the flat. If it doesnt last forever then I swear I’ll eat me hat. I’ve travelled up and down the world I’ve known the smooth and rough. But there’s not a surface equal to the old black stuff.“

Die behandelte Thematik ist nämlich harter Tobak (kein Teer) und die gesamte Serie atmet die Kritik an der britischen Regierung dieser Zeit, also an Margaret Thatcher und ihrem Thatcherismus, in vollen Zügen auch wenn der Autor der Serie, Alan Bleasdale, die meisten Folgen vor der Regierungsübernahme Margaret Thatchers erdacht und zusammengeschrieben hat. Dennoch steht Thatcher sinnbildlich für den wirtschaftlichen Niedergang ganzer Regionen Englands und einer noch nie dagewesenen Arbeits- und Perspektivlosigkeit in der britischen Gesellschaft. Und diese Serie spiegelt das Gefühl dieser Zeit, die Sorgen der Familien, die Probleme der Gesellschaft Englands sehr realistisch wider. Soweit ich das beurteilen kann.

„Boys From The Blackstuff“ ist daher mehr als nur eine Dramaserie, es ist ein Abziehbild dieser Ära und die Serie beschönigt dabei nichts. Das wird auch der Grund sein, warum die Serie in den Bestenlisten eigentlich immer unter den fünf besten UK Dramaserien of all times auftaucht. Durchaus zurecht. Aber da wir eher nur den Blick von außen kennen, keine persönliche Geschichte mit dieser Zeit verbinden, keine Eltern haben, die genau das so erlebt haben, fehlt uns natürlich der konkrete Bezugspunkt um die Serie in einem Rutsch durchschauen zu müssen. Was meines Erachtens aufgrund der Thematik und der Schwere der Story eh gar nicht wirklich geht.

Von daher würde ich abschließend die Serie schon als „worth seeing“ bezeichnen aber nicht als „muss man unbedingt mal gesehen haben“ einstufen. Wenn man wie ich ein absoluter Drama Fan ist, der einer Serie oder besser gesagt einer Geschichte Zeit gibt, die einem dazu auch noch anregt, auch mal neben der Serie Dinge rund um die Serie im Internet nachzulesen – und sei es nur der Wikipediaartikel zu Thatcherismus – der würde mit „The Boys From The Blackstuff“ eine faszinierende Serie vorfinden die aber einiges vom Zuschauer abverlangt.

Man muss der Serie mehr als nur Zeit und Aufmerksamkeit geben, dafür erhält man dann aber auch großartige Dramatik und Eindrücke dieser Zeit zurück. Und wird am Ende auch noch mit einer guten Unterhaltung belohnt.

Pilotfolge

Wer mal in die Pilotfolge reinschauen will, dank YouTube kann man dies auch ohne den Kauf der DVD mit allen sechs Folgen – die Folge „The Muscle Market“ gehört zwar auch zur Serie, steht aber alleine und losgelöst von den fünf Jungs und ihren Geschichten und ist nicht auf der DVD.

Dont forget the lads who laid the old black stuff

Zum Schluss lassen wir die Jungs vom Straßenbau noch einmal ihr Lied singen welches die Pilotfolge wunderbar einrahmt und hier im Clip die Folge abschließt. Und mir absolut im Ohr hängen geblieben ist.

Bilder: BBC

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