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Vier Geschichten zur Pandemie

Serientipp: Liebe in Zeiten von Corona (LOVE in the Time of Corona)

22.03.21 21:49
Serien
Mini-Spoiler
Michael
22.03.21

Zum ersten Mal seit drei Monaten sind heute meine beiden Kinder gleichzeitig zur Schule gegangen. Das heißt – kein Homeschooling, und auch nicht arbeiten, denn für den ersten Vormittag seit drei Monaten ohne elterliche Pflichten haben sich meine Frau und ich kurzerhand frei genommen. Und was macht man mit knapp drei Stunden Zeit trauter Zweisamkeit? In unserem Fall: „Liebe in Zeiten von Corona“. So heißt eine Miniserie aus dem letzten Jahr, die im August 2020 in den USA bei Freeform gelaufen ist, bisher aber keinen deutschen Sender oder Streamingdienst gefunden hatte. Jetzt hat Disney+ sich der vier halbstündigen Folgen angenommen.

Worum geht’s? Vier Folgen lang folgen wir vier verschiedenen Geschichten rund um Corona. Ursprünglich hatte ich gedacht, pro Geschichte würde es eine Folge geben, aber tatsächlich vermischen sich die vier Geschichten über die gesamte Mini-Serie hinweg. Man fühlt sich ein wenig an „Modern Love“ erinnert, die 2019 auf Amazon Prime lief. Oder auch an den Film „Tatsächlich… Liebe“. In allen vier Geschichten geht es – wie der Titel vermuten lässt – um die Auswirkungen von Corona auf das soziale Leben von Familien, Freunden und Bekannten. Alle leben im Lockdown und versuchen, mit dieser Situation zurecht zu kommen.

Jetzt muss man aber keine Angst haben, dass die Pandemie-Situation, wie wir sie heute ja immer noch selbst erleben, lediglich gespiegelt wird, sondern jede Storyline bekommt einen weiteren Aspekt dazu, so dass die vier Folgen bei aller Kürze recht vielschichtig werden. Bei der Geschichte von Nada, Paul und Ava – prominent besetzt mit Gil Bellows, seiner Frau und seiner Tochter aus dem wahren Leben – geht es neben der Corona-Pandemie auch um Achtsamkeit seiner Nächsten gegenüber, um Verständnis, Vertrauen und Rücksicht. Bei Oscar und Elle geht es neben Corona auch um Partnerschaft, Freundschaften und sexuelle Orientierung. Bei Sade und James geht es um Rassismus und willkürliche Gewalt, bei James‘ Eltern Nanda und Charles um Pflege von Angehörigen.

Das macht’s dann definitiv auch interessanter, als wenn sich Showrunnerin Joanna Johnson nur auf das Thema Corona fokussiert hätte. Sie inszeniert auch alle vier Folgen, die ein bisschen unter der Bedienung diverser Klischees leiden. Manche Sachen wirken einfach zu gewollte, gerade wenn es um die Berücksichtigung verschiedener sozialer oder Kommunikationsmedien geht. Das hätte man sich sparen können. Dafür leben alle vier Folgen extrem vom fast durchweg sehr gut agierenden Cast.

Ansonsten ist es ein recht kurzweiliger Umgang mit dem derzeit alles beherrschenden Thema, das am Ende uns Zuschauer sogar ein wenig rührt. Von daher kann man sich die etwas mehr als zwei Stunden durchaus einmal Zeit nehmen – und wenn’s die einzigen freien Stunden des Tages sind.

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