Soundtrack der Woche-Special mit dem Komponisten von Deutschland 83, Helix und Deadwood

Grimme-Preisträger Reinhold Heil im Interview

Mini-Spoiler
Michael
02.05.16

reinholdheil

Deutschland 83 war in vielerlei Hinsicht eine Überraschung: Das ambitionierte Serienprojekt von UFA und RTL war international erfolgreich, bevor es überhaupt in Deutschland gezeigt wurde. Die Serie lief im US-Fernsehen in deutscher Sprache – ein Novum. In Deutschland selbst blieb sie hinter den Erwartungen zurück, obwohl sie bei Kritikern äußerst beliebt war und räumte zahlreiche Preise abräumte – zuletzt den Grimme-Preis, unter anderem auch für den Komponisten des Scores, Reinhold Heil. Das ist auch eher die Ausnahme, dass Komponisten den begehrten deutschen Medienpreis bekommen.

Wie klingt der Score? Das haben wir in unserer regelmäßigen Soundtrack-Reihe ja schon untersucht und vorgestellt. Zu den Hintergründen der Produktion, der Entstehung des Scores und zu Besonderheiten der Musik in anderen Serien haben wir mit Reinhold Heil gesprochen. Da er mitten in neuen Projekten steckt, konnte er nicht bei der Grimme-Preisverleihung in Marl sein, so dass wir ihn in seinem Studio in Los Angeles erreicht haben.

Im lockeren Gespräch erzählte Reinhold Heil über seinen ersten Kontakt zum Produktionsteam und zu seinem Verhältnis zu Deutschland 83. Immerhin war der Komponist in den 80er Jahren in Deutschland extrem erfolgreich, hat unter anderem Nenas Hit 99 Luftballons produziert und spielte in der Nina Hagen-Band. Die Kommunikation zwischen Berlin und Los Angeles sei etwas mühsam gewesen, bei einer zweiten Staffel würde Reinhold Heil definitiv früher nach Deutschland kommen, um näher am Entstehungsprozess zu sein. Überhaupt, eine zweite Staffel: Ein Unding sei es, dass die Serie immer noch nicht verlängert sei. In den USA wäre die Serie schon nach den ersten Folgen verlängert worden. Je länger man warte, umso schwieriger werde es mit einer Umsetzung.

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Sein anderes Serienprojekt aus letzter Zeit, Helix, war nach 2 Staffeln abgesetzt worden. das hätte vor allem mit den Strukturen zwischen den Sendern und Studios zu tun gehabt, sagt Reinhold Heil. Im Gespräch legt er anschaulich die Mechanismen bei einer Serienproduktion wie Helix offen.

Grundsätzlich sieht Reinhold Heil beim aktuellen Serienboom gute Chancen für weitere Projektbeteiligungen. Auch der Dokubereich erfahre aktuell einen Aufschwung. Dokuserien, zum Beispiel bei National Geographic, würden immer professioneller produziert – auch mit professionellem Score.

Die Liste der Serien, die er aktuell schaut, sind sehr lang. Fear the Walking Dead schaut er zum Beispiel, weil hier auch sein Freund Paul Haslinger als Komponist beteiligt ist. Bei Klassikern nennt er sofort Breaking Bad, sowohl aus dramaturgischer als auch aus musikalischer Sicht. Und dann läuft bei ihn noch Vinyl. Die interessiere ihn schon deswegen, weil er mit der Musik aus der Zeit groß geworden ist. Und: Sein erster Plattenvertrag stammt aus dieser Zeit, wie er zum Schluss lachend anmerkte.

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