Jedes Jahr frage ich mich: Warum tue ich mir das an? Und damit meine ich nicht den Eurovision Song Contest selbst, sondern das Vorereignis – das sogenannte deutsche Finale, also die Auswahl für den deutschen Beitrag.
Dabei hat sich in den letzten zwei Jahren durchaus etwas getan. Während der Vorentscheid früher gerne unter der Woche und nicht unbedingt zur Prime Time weggesendet wurde, kehrte er im letzten Jahr dank der RTL-Kollaboration zurück auf die große Bühne. Und das war insgesamt durchaus eine schöne Veranstaltung. Es gab zwar viele spitze Kommentare, aber die Teilnehmenden konnten singen, haben ihre Texte nicht vergessen (ja, das ist tatsächlich schon einmal passiert – 2022 Emily Roberts) und man hatte zumindest das Gefühl, zwischen Qualität wählen zu können.
Nun ist der Vorentscheid zurück in der ARD. Der große Samstagabend-Slot um 20:15 Uhr wurde beibehalten. Aber – und das ist ein großes Aber – das Teilnehmerniveau ist wieder auf das dunkle Level früherer ARD-Vorentscheide zurückgefallen.
Dem angepasst haben sich auch Hazel Brugger und Barbara Schöneberger. Auf gewohnt hohem Moderationsniveau lieferten sie ihren üblichen Standard ab. Vielleicht habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, aber man hat diese Art von Humor einfach schon zu oft gesehen. Flache Bahn-Jokes inklusive.
Die Teilnehmer
- BELA – „Herz“
- Dreamboys The Band – „Jeanie“
- MYLE – „A OK“
- RAGAZZKI – „Ciao Ragazzki“
- Laura Nahr – „Wonderland“
- Malou Lovis – „When I’m With You“
- wavvyboi – „Black Glitter“
- Sarah Engels – „Fire“
- Molly Sue – „Optimist (Ha Ha Ha)“
Einschätzung im Schnelldurchgang
BELA – „Herz“
Vor lauter Kuscheln war vom Text kaum etwas zu verstehen.
Dreamboys The Band – „Jeanie“
Wirkte wie der letzte Platz einer Schulband-AG: keine Bühnenpräsenz, schwache Stimmen.
MYLE – „A OK“
Hier konnte man sich ernsthaft fragen, ob jemand versehentlich im falschen Studio gelandet ist – beim Schiefsing-Wettbewerb vielleicht.
RAGAZZKI – „Ciao Ragazzki“
Einfach, aber unterhaltsam. Der typische Spaß-Track. Bis dahin tatsächlich noch das Beste des Abends.
Laura Nahr – „Wonderland“
Hängen geblieben ist vor allem der DDR-Gedächtnisanzug. Musikalisch leider kaum etwas.
Malou Lovis – „When I’m With You“
Sie konnte singen – immerhin. Aber der Song eignet sich bestenfalls als Hintergrundmusik in einer H&M-Umkleidekabine.
Die Finalisten im Zuschauervoting
Die letzten drei Songs qualifizierten sich für das Zuschauervoting. Zuvor hatte eine internationale Jury ausgesiebt. Wo diese Jury allerdings vor der Sendung war, bleibt fraglich – dann hätte man sich einige Ohrenschmerzen sparen können.
wavvyboi – „Black Glitter“
Bei dieser Entscheidung war ich voll dabei. Retro-Glitter-Rock, der die Bühne endlich ausfüllte. Vielleicht etwas zu komplex für einen Sieg, aber wenigstens ein Song, für den man sich nicht verstecken muss. Nebenbei: Der Mann könnte problemlos Werbung für 3 Wetter Taft machen – passt also perfekt zum ESC.
Molly Sue – „Optimist (Ha Ha Ha)“
ESC-Standardkost. Austauschbar. Nicht schlecht, aber leider meines Erachtens belanglos.
Sarah Engels – „Fire“
Sie füllte die Bühne – und man mag über sie denken, was man will, aber sie versteht ihr Handwerk. Der Song bringt starke „Waka Waka“-Vibes aus dem Jahr 2010 zurück. Meiner Meinung nach wirkt das allerdings etwas aus der Zeit gefallen.
Und dann …
Am Ende gewinnt Sarah Engels.
What?
Das ist ein ehrliches „What?“, denn ich schreibe diesen Text parallel zur Show und kann es kaum glauben. Wenn überhaupt, hätte wavvyboi gewinnen müssen. So sind die Null Punkte gefühlt schon vorprogrammiert.
Sarah Engels war die einzige wirklich bekannte Künstlerin im Feld – und das hat offenbar gereicht. Schade.
Fazit
Für mich bleibt „Ha Ha Ha“, aus dem Titel des Songs von Molly Sue, das passende Label für diesen Wettbewerb. Die ARD probiert es nicht wirklich. Stattdessen wirkt der Wettbewerb wie eine weitgehend aus Schülerbands zusammengewürfelte Veranstaltung. Dabei müsste man doch wissen, dass diese Qualität international nicht ausreicht.
Ha Ha Ha. Wir tun nur so, als würden wir eine Gewinnerin suchen.
Bilder: SWR/EBU

































Myle war vermutlich eine der besten Stimmen das abends… ;)
Meine Favoriten in Sachen ESC-Potenzial, wavvyboi und Molly Sue, haben es immerhin in die finale Auswahl geschafft. Meiner Meinung nach hätte man Sarah Engels aufgrund der großen Fanschaft aber bewusst nicht in die Top 3 lassen sollen, da gab es deutlich passendere Songs mMn (z.B. „Optimist“, der von der Struktur sehr originell war). Schade, so schwindet die geringe Lust auf den deutschen Auftritt mal wieder dahin… :/
Nee, er war nicht der schlechteste aber dieser hohe Part ab ~2:20 ist einfach nicht sauber.
Am Ende ist es einfach wie immer. Sowas wie Raggazzki wird durch Jury-Modus bewusst rausgekegelt, weil die sonst noch gewonnen hätten. Und das ist schlau, damit erspart man sich den Shitstorm wie damals bei Eskimo Callboy (oder wie hießen die?), die man einfach gar nicht teilnehmen hat lassen dürfen.
Und dann bleibt es bei der Bekanntheit und Sarah gewinnt. Wenn sie wenigstens einen coolen Song bekommen hätte… ach man.
Ich setze auf den letzten Platz.
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