Kira regt sich auf

Mein TV-Aufreger der Woche: Mieses Soundbalancing

Spoilerfrei
Kira
14.11.20

Ich habe es schon häufig mal fallen lassen: Ich bin absolute Verfechterin des Originaltons. Für mich gewinnt eine Serie oder ein Film einfach ganz viel, wenn man die Schauspieler*innen mit ihrer eigenen Stimme sprechen hört und die Witze und Konversationen in der Art und Weise wiedergegeben werden, in der die Autor*innen sich dies ursprünglich überlegt haben. Das trifft natürlich in erster Linie auf die Originalvertonung in Englisch zu, aber auch Filme wie „Parasite“ waren für mich insbesondere aufgrund der koreanischen Sprache so einnehmend und haben mich dadurch viel stärker berührt als eine Synchronisation dies bei mir erreichen kann. Ich kann dennoch auch total verstehen, wenn man die Synchronisation bevorzugt – und zwar nicht nur, weil es „entspannter“ ist, Serien und Filme in der eigenen Muttersprache zu sehen (und hören), sondern auch, weil mich das Soundbalancing in so vielen Serien einfach völlig kirre macht.

Wer kennt das nicht aus alten Zeiten, als das lineare Fernsehen noch das Nonplusultra war: Man hat gemütlich einen Film geschaut, war so richtig drin in der Story und plötzlich klingelten einem die Ohren, weil Werbung kam und der Ton automatisch in die Höhe schoss. War das ein mieser Trick, um alle Eingeschlafenen zumindest für die Werbung wieder wachzubekommen? Ein anderes gängiges Beispiel sind Actionfilme: Um die Dialoge verstehen zu können, ist die Lautstärke auf „normalem“ Level eingestellt bis plötzlich die Action beginnt, Autos explodieren und Schusswechsel stattfinden und man schnell Sorge hat, dass die Nachbar*innen denken, der Streit in der Wohnung über ihnen eskaliere und sie sollten besser mal die Polizei rufen. Gut, bei Actionfilmen kann ich plötzlich eintretende Dynamik und laute Effekte dann auch irgendwie noch so im Ansatz nachvollziehen, aber auch hier kann man die Fernbedienung eigentlich nicht aus den Augen lassen und der Finger zur Lautstärkeregelung ist am Ende des Films oder der Serie definitiv trainiert.

Was mich allerdings noch viel mehr stört, ist, dass auch bei gängigen Serien das Soundbalancing einfach nervt, weil es gefühlt überhaupt nicht existiert. Um die gesprochenen Dialoge zu verstehen, muss man zum Teil die Lautstärke fast bis zum Anschlag aufdrehen – und selbst dann, sollte man nebenbei besser keinen Salat, kein Knäckebrot und keine Chips essen. Dabei noch irgendetwas zu verstehen, ist damit nämlich völlig ausgeschlossen. Dadurch, dass ich tatsächlich recht häufig beim Essen Serien schaue, habe ich mir schon länger angewöhnt, den Originaluntertitel einzuschalten (nur bei Englisch, bei anderen Sprachen wähle ich den deutschen Untertitel), um auch beim Knuspern nebenbei der Konversation folgen zu können. Aber auch ohne eigens verursachte Nebengeräusche verstehe ich nicht, warum die Musik und der Sound in Serien zum Teil so laut ist, während die Dialoge völlig auf der Strecke bleiben. Bei nuschelnden Darsteller*innen ist die einzige Rettung dann wirklich nur noch das mitlesende Auge, das den Untertitel verfolgt. Ich habe das Gefühl, dass vor allem bei deutschen Produktionen der Ton immer relativ gleichlaut ist oder der Dynamikumfang zumindest in einer kleineren Range liegt. Liegt das daran, dass hier die gleiche Tonspur für Hintergrundgeräusche und Stimmen genutzt wird?

Wie kommt dieses Phänomen zustande? Geht es nur mir so, dass das ständige lauter und leiser Schalten das Seherlebnis stört? Ist das tatsächlich so gewollt oder hab ich einfach nicht die richtige Soundeinstellung am Fernseher aktiviert? Oder ist das hier bei US-amerikanischen Serien auf die Vorliebe für laute Effekte zurückzuführen? Bei für das Kino produzierten Actionfilmen könnte ich das ja verstehen, aber bei Serien, die in der Regel für das Heimkino produziert werden, ergibt das irgendwie nicht wirklich Sinn. Solltet ihr eine Erklärung oder einen Tipp dafür haben: Ich bin ganz Ohr ;) Ansonsten muss wohl einfach doch der eigene Kinosaal her.

Bild: HBO

2 Kommentare

  • Sehr gutes Thema. ;-)
    Stimme Dir vollkommen zu – früher hat mich dieses laut/leise zwischen TV-Programm und Werbeunterbrechung genervt, kommt mangels Konsum linearen Fernsehens nicht mehr vor. Jetzt nervt aber allein schon das Wechseln von Netflix zu Disney oder Amazon – da scheint jeder Streamingdienst mit einem eigenen Lautstärke-Level unterwegs zu sein.

  • Stimme dir voll zu. Gerade deutsche Serien sind teilweise schwer verständlich, wenn z.B bei Dark fast jede Szene noch mit lauten unheilsschwangeren Geräuschen unterlegt ist. Und die Darsteller nuscheln.
    Vielleicht sind wir aber auch zu alt und die Ohren machns’s nicht mehr so…


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