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Ermittlungen in Helsinki

Review: Netflix‘ „Deadwind“ (Karppi) – Staffel 1

Mini-Spoiler
Michael
07.02.21

Ich weiß nicht, ich bin gerade irgendwie in Thriller-Stimmung. Habe mir ja „Bodyguard“ aus dem Netflix-Archiv geholt und mir zudem „Deadwind“ vorgenommen, mehr Krimi als Thriller mutmaßlich, aber irgendwie erstmal ganz interessant auf den ersten Blick. Als „Twin Peaks“-Fan bin ich natürlich vor allem durch die Key Visuals angelockt worden („Wrapped in Plastic“), und der erste Eindruck liefert weitere Argumente, mit „Deadwind“ den richtigen Serientitel hervorgekramt zu haben. Dieser Vorspann… sieht einfach großartig aus, sicher mit das Beste, was man als Intro bislang so zu Gesicht bekommen hat – für sich schon ein Highlight.

Ansonsten dann mal rein in die Serie: Wir sind dabei wie Sofia Karppi und Sakari Nurmi einen kniffligen Fall lösen müssen. Klingen komisch, die Namen? Stimmt, für unsere Ohren auf jeden Fall. Der Krimi spielt nämlich im finnischen Helsinki, so dass wir uns an den Klang der Namen und Orte erstmal gewöhnen müssen. Im Original heißt die Serie übrigens auch Karppi, was schon ein bisschen darauf hindeutet, dass die Hauptfigur hier deutlich im Fokus steht, mehr noch als der Fall selbst. Die Optik ist stimmig: Alles ist in kühlen Farben gehalten, es ist winterlich kalt, oft dunkel – wir sind schließlich nicht so richtig weit vom Polarkreis entfernt. Sofia ist eine junge Ermittlerin, die gerade ihren Mann verloren hat und mit ihrem Sohn und Stieftochter versucht, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen. Nurmi wird ihr als junger Ermittler zugewiesen, was sie eher missmutig annimmt. Die Kollegen sind nicht sicher, ob Sofias Rückkehr nicht vielleicht zu früh kommt, was die Ermittlungen zu praktisch jederzeit begleitet.

Ansonsten gehen die Showrunner Rike Jokela, Kirsi Porkka und Jari Olavi Rantala recht sorgfältig vor, um die Figuren einzuführen und erste falsche Fährten hinsichtlich des Falls zu legen. Rike Jokela führt dabei Regie, derweil Kirsi Porkka und Jari Olavi Rantala hauptsächlich für das Storytelling verantwortlich sind. Nachdem man sich in der Serie so halbwegs eingefunden hat, muss man feststellen: Sofia Karppi muss man mögen -sonst wird’s mit dem wohlwollenden Konsum der Staffel schnell anstrengend. Denn selbiges ist sie leider – die auf ihren Job fokussierte Ermittlerin, die keine Rücksicht auf Familie, Verdächtige oder Kollegen nimmt. Das geht mir an einigen Stellen definitiv zu weit. Es wirkt ein bisschen abgeguckt bei der Netflix-Serie „Marcella“, aber immerhin konnte die britische Serie mit einem noch deutlich abgedrehteren und extrem interessanten Charakter aufwarten. Sofia Karppi überzeugt hier nicht – und wenn sie sich vom Dienst suspendiert Zuhause volllaufen lässt, erreichen sowohl sie als auch die Staffel ihren Tiefpunkt.

Hier passt für mich nicht so viel zusammen: Mal unterstützt sie das Team, mal wird ihr der Fall entzogen. Einerseits ist der junge Kollege schon fast so etwas wie ein Kontrahent, andererseits gerät sie beinahe (und sehr plötzlich) in eine Beziehung mit ihm. Das ist alles etwas anstrengend, zumal sich die Autoren dann auch noch in verschiedenen Nebenerzählungen verlieren. Die Beziehung Nurmis zu seiner Ex-Freundin, dann die verqueren Verbindungen unter den Verdächtigen, die etwas obskure und sektengeprägte Vergangenheit des Opfers – das passt alles irgendwie nicht so richtig zusammen. Dann haben wir da noch die Umweltaktivisten aus Deutschland samt verdächtigem Weltkonzern – klar, dass die Ermittlungen dafür auch noch einmal nach Deutschland führen müssen (gab’s zufällig ein bisschen Filmförderung?). Je mehr Folgen abgehakt sind, umso langatmiger und seichter wird es, und man ertappt sich dabei, nur noch zuzusehen, weil man wissen möchte, wie’s ausgeht. Leider auch nicht überzeugend übrigens – das Motiv und der Täter werden nicht wirklich sorgsam eingeführt oder in irgendeinerweise clever in der Serie platziert.

So bleibt am Ende ein durchschnittlicher Krimi, der gerne mit „The Killing“ oder „Die Brücke“ verglichen wird, aber nicht wirklich das hält, was Promomaterial und die ersten Minuten versprechen. So bleibt vor allem eines in Erinnerung: der wirklich großartige Vorspann.

Bilder: Netflix

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