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Jede Menge Gaststars - und eine starke Erzählung

Review: Netflix‘ „The Kominsky Method“ – Staffel 2

Mini-Spoiler
Michael
23.01.21

Vor kurzem hatte ich erst noch einen Serientipp zu „The Kominsky Method“ mit Michael Douglas abgegeben, dann habe ich aber doch sehr schnell Staffel 2 nachgeschoben, bevor demnächst dann die (leider finale) Staffel 3 von Netflix veröffentlicht wird. Und Staffel 2 steht der Auftaktstaffel in nichts nach – für meinen Geschmack legt sie sogar an Humor und Dramatik noch zu – da hat Autor Chuck Lorre, der praktisch alle Folgen geschrieben hat, wirklich ganze Arbeit geleistet. Zudem präsentieren sich Michael Douglas und Alan Arkin in Höchstform. Garniert wird auch diese Staffel mit einigen Gaststars, die für diverse Highlights am Rande sorgen. Hier passt einfach praktisch alles – „großes Kino“, würde ich sagen, wenn wir nicht im Serienumfeld wären.

Aber der Reihe nach: Netflix hat Staffel 2 ein Jahr nach der ersten Staffel veröffentlicht, allerdings sind in der Serie nur einige Wochen seit dem Staffelende vergangen. Das passt auch, denn die erste Staffel hatte genug spannende Stories geboten, die man nahtlos weitererzählen konnte. Im Fokus sind natürlich weiterhin Sandy und Norman, der nach dem Tod seiner Frau weiterhin seine Lebenslust verloren hat und sinniert, wofür es sich denn überhaupt noch für ihn zu leben lohne. Auf einer Beerdigung treffen Norman und Sandy dann auf Madelyn, eine alte Freundin von Norman, die vor mehr als 50 Jahren mit ihm zusammen war – gespielt von der großartigen Jane Seymour („Dr. Quinn, Medicine Woman“). Das alte Feuer ist neu entfacht, und derweil Norman ab sofort auf Wole Sieben schwebt, muss Sandy die schlechte Nachricht hinnehmen, dass er an Krebs erkrankt ist. Bei aller Tragik gehört die Szene, in der Sandy die schlechte Nachricht überbracht bekommt, sicher zu den Highlights der Staffel. Dr. Shenckman, gespielt von Bob Odenkirk, hat selber diverse Probleme, und überlegt beim Blick in seine Schreibtischschublade, was ihm selbst weiterhelfen könnte – die Pistole oder der Alkohol. Toll gespielt und ebenso stark eingebaut in die Gesamtstory.

Zurück zu Norman: Alan Arkin ist hier wirklich großartig, wenn er den starken Kontrast vom niedergeschlagenen Witwer zum frisch verliebten Single spielt. Eine weitere Komponente kommt mit hinein, wenn es um seine weitere Familie geht – Tochter Phoebe zum Beispiel, die ihren nächsten Entzug überstanden hat und es jetzt in einem Laden für Frozen Joghurt probiert. Immer wieder kommt Norman vorbei, um sich ausgerechnet in der Umgebung zu entschuldigen, den Kontakt zu suchen, sich anzunähern. Toller Kontrast, auch dann, wenn Norman neben dem intimen Dialog immer weiter penibel darauf achtet, dass Phoebe seine Bestellung aber auch 1a anfertigt. Dann kommt noch Phoebes Sohn Robby vorbei, gespielt von Haley Joel Osment („The Sixth Sense“). Er gibt an, sich von den Zeugen Jehovas abgewendet zu haben, hat aber einerseits einiges mitgehen lassen und andererseits weiterhin die Ideologie der zeugen im Gepäck, mit der er Norman zu bearbeiten versucht – ebenso tolle Momente in der Staffel, wenndie beiden in einen Dialog einsteigen. Oder wenn Norman dann als alter Agenturchef versucht, die Sache mit einem Anruf bei „Tom“ (Cruise…) aus der Welt zu schaffen.

Das sind nur die Haupterzählstränge, die wir präsentiert bekommen. Chuck Lorre hat noch ganz viele kleine Highlights in die lediglich 8 x 25 Minuten gepackt. Alex zum Beispiel, der Mitarbeiter im Restaurant, der Norman ein Skript in die Hände drückt, in der Hoffnung, dass es verfilmt werden könnte. „Vielleicht mit Krik Douglas in der Hauptrolle“, wie er meint, aber keinesfalls mit „ihm“, derweil er auf Sandy zeigt, eben gespielt von Kirk Douglas‘ Sohn Michael. Oder Allison Janney, die sich selbst spielt und die Sandy in dessen Theater als Lehrkraft ersetzt – was Sandy natürlich spitz bekommt. Er stellt seine Schüler vor die Wahl, ob sie oder er weitermachen sollten; nach einem Schnitt sehen wir ihn im Auto sitzen – großartig!

Oder als letztes Beispiel der grandiose Auftritt von Paul Reiser als Martin Schneider, den neuen Freund von Sandys Tochter Mindy, gespielt von Sarah Baker. Die beiden verstehen sich prächtig, und es kommt immer wieder zu grotesken wie witzigen Begegnungen zwischen den beiden. Highlight für mich der Auftritt von Martin vor der Schauspielklasse, wenn er über sich und sein Leben erzählt – auch hier wieder toll erzählt von Chuck Lorre und brillant gespielt von Paul Reiser.

So bekommen wir mit Staffel 2 ein echtes Serien-Highlight präsentiert, dass gegenüber der eh schon tollen Staffel 1 nochmal eines drauf setzt. Da kann man sich schon auf Staffel 3 freuen, auch wenn es die letzte Staffel sein wird – und Alan Arkin leider nicht mit von der Partie sein wird. Aber: Kathleen Turner – in Staffel 2 mit einem Gastauftritt – hat angekündigt, eine größere Rolle einzunehmen, so dass wir hier sicher eine Menge von dem Paar Douglas/Turner erwarten dürfen. Ältere Zuschauer erinnern sich: Die beiden haben in den 80er Jahren mit Filmen wie „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“, „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ und natürlich vor allem mit dem Klassiker „Der Rosenkrieg“ (mit Regisseur Danny De Vito, der in Staffel 1 wiederum einen Gastauftritt hatte) für Furore gesorgt. Gerade mit „Der Rosenkrieg“ im Hinterkopf dürfen wir hier sicher einiges erwarten – ich bin gespannt.

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