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Serie mit Kida Khodr Ramadan, Veysel, Frederick Lau und Mortel

Review: „TESTO“ (ARD Mini-Serie)

Mini-Spoiler
2. Februar 2024, 11:22 Uhr
Mini-Spoiler
Michael
02.02.24

Fünf Gangster, sechs Geiseln, eine Bank: Das ist – schnell zusammengefasst – die Ausgangslage der neuen ARD-Kollaboration mit Kida Ramadan, die als siebenteilige Mini-Serie „TESTO“ seit dem 2. Februar 2024 in der ARD Mediathek zu sehen ist. Die Infos zur Serie hatten wir hier im Blog schon zusammengefasst, jetzt gehen wir rein in die Serie. Viel Zeit bleibt uns dazu nicht – die sieben Folgen sind zwischen 12 und 19 Minuten lang, im Prinzip also wie ein zerstückelter Film, möchte man fast sagen. Immerhin stimmt die Musik (hier geht’s zur Playlist) und hat der Trailer viel versprochen, außerdem könnte das knappe Folgenformat für Tempo sorgen – und letztlich ist auch das alte „4BLOCKS“-Team zusammen, so dass eigentlich nicht viel schief gehen kann. Tut es dann aber leider doch.

Zunächst einmal fragt man sich natürlich, warum für „TESTO“ dieses Mini-Serienformat mit den kurzen Folgen gewählt worden ist. Ein 100-Minuten-Film stattdessen hätte es doch vermutlich auch getan. Liegt’s daran, dass heutzutage alles als Serie produziert werden muss? Egal – es ist einfach der alte Kampf ‚Film vs. Serie‘. Aber: Zumindest am Anfang funktioniert das Format auch. In der Auftaktfolge geht’s direkt rein in den Banküberfall, ohne langes Vorgeplänkel. Eine Polizeibeamtin streift durch die Bankfiliale, welche offensichtlich kurz vorher überfallen wurde. Dann geht’s in den Knast: Die fünf Hauptakteure werden zunächst über kurze Szenen und Standbilder Guy Ritchie-like inszeniert, und dann geht’s direkt in die Bank. Kida Ramadan, der die Serie zusammen mit Jonas Hartmann, Christoph Gampl und Olivia Retzer geschrieben hat, geht da stringent und ohne Umschweife vor. Allerdings baut er geschickt bereits die ersten Hinweise auf die Eigenarten der Figuren ein. Da ist Keko, der Kopf der Gruppe, beschreiben als „Genie & Wahnsinn“. Dann Stulle, „bipolar & guter Gangster“. Weiter geht’s mit Pepsi („Glaubt an das Paradies“), Barro („Unberechenbarer Pitbull“) und Kongo („Hat Angst vor dem Tod“). Die ersten Momente des Überfalls klappen auch gut aus Sicht der Freigänger, doch dann verfällt einer nach dem anderen in seine Eigenarten – die dazu führen, dass alles in einem Chaos zu enden droht.

Auch Folge 2 liefert Bonuspunkte für die Wahl des Formats ‚Serie‘ – zum Vorspann zeigt Ramadan Bilder der Freigänger im Kindesalter, wie sie zusammen Fußball spielen. Sie kennen sich also alle seit der Schulzeit. Er lässt sie erzählen, welche Wünsche sie haben, wenn sie mal erwachsen sind. Stulle möchte Pilot werden, Pepsi Architekt, Barro Tierarzt, Kongo Burgermeister – alles harmlos also, bis Keko dran ist – er will später eine Bank überfallen. Und damit sind wir wieder in der Jetzt-Zeit der Serie. Die Szenen in der Bank sind ganz interessant inszeniert – mal sieht man’s im real-Bild, mal aus der POV-Perspektive der Gangster, dann als qualitativ minderwertiges Bild einer Überwachungskamera. Das ist von der Idee ganz gut, wirkt nach einer Weile aber eher konzeptlos. Es wird nicht klar, warum wann welcher Effekt eingesetzt wird. Es wirkt fast schon so, als werde alles um der Effekte selbst genutzt.

Auch das Team in der Bank verzettelt sich beim Überfall, die Polizei rückt an – die Situation ist verfahren. Und das sowohl in der Bank als auch direkt davor. Die Polizeibeamtin, zufällig in der Nähe, wird von der Polizeipräsidentin (gespielt von der großen Katharina Thalbach) dazu angewiesen, die Leitung des Einsatzes zu übernehmen, was sie ziemlich überfordert. Überhaupt ist das Thema Polizei mal wieder der Schwachpunkt der Serie. Das ist schon alles ziemlich dilettantisch eingerichtet und erzählt, was in den Reihen der Polizei passiert – „der Polizist ist der Dumme“. Das ist wirklich schade, weil eine härtere, konsequentere und professionellere Haltung der Polizei der Serie definitiv gut getan hätte. So ärgert man sich die ganze Zeit über die erste offensichtliche Schwäche von „TESTO“. Das wird auch nicht besser, als der von den Gangstern angeforderte Kontaktmann bei der Polizei zum Tatort eilt – „Schweinebacke“.

Veysel, Kida Ramadan und Frederick Lau – „4BLOCKS“-Cast wiedervereint

Man wundert sich kurz, warum ausgerechnet er angefordert wird, und wieso er eigentlich vom Dienst suspendiert war, doch bevor man darüber weiter nachdenken und den Twist der Serie gleich bloßstellen kann, geht’s auch schon in der Bank weiter. Der Kontaktmann begibt sich in die Filiale und wird dort erstmal von den Freigängern malträtiert. Wobei gerade Frederick Lau als Stulle für einige durchaus komische Momente sorgt, wenn er wie wild auf „Schweinebacke“ einstürmt, im gelben BVB-Trikot, die ganze Zeit lauthals „Borussia, Borussia“ brüllend auf ihn einprügelt. Aus solchen Momenten zieht „TESTO“ seine Kraft – das gilt auch für praktisch jede Aktion von Veysel und Kida Ramadan, die einfach perfekt aufeinander eingespielt sind und für die alleine es sich schon lohnt, „TESTO“ zumindest einmal durchzuschauen.

Auch wenn es einem im Laufe der Zeit immer schwerer fällt, dabei zu bleiben, weil die Aktionen und Ideen einfach so abwegig und unrealistisch sind. Das Verhalten der Geiseln – eine dreht durch, die nächste will sich opfern, der nächste gleich die Seiten wechseln – das ist alles ziemlich dünn angelegt. Oder die die Besuche für die Geiselnehmer und die Geiseln, die munter ein- und ausspazieren inmitten des Tatortes – da geht’s schon ins Groteske.

Auch die Auflösung kommt dann extrem dünn und simpel daher – man weiß inzwischen schon lange, was passieren wird, wundert sich aber nochmals über die extrem schwache Umsetzung der Lösung und blickt dann fast schon fassungslos auf die letzten Minuten. Das ist so schade, dass aus „TESTO“ nicht mehr geworden ist, weil mit dem Cast und dem Setting im Prinzip nicht viel schiefgehen konnte. Aber wie gesagt – ist es leider doch.

Bilder: ARD

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