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Midge-reißendes Ende

Review: The Marvelous Mrs. Maisel – Staffel 5 (Serienfinale)

ACHTUNG: SPOILER !!
1. August 2023, 16:26 Uhr
SPOILER !!
Maik
01.08.23

Mitte April lief die fünfte Staffel von „The Marvelours Mrs. Maisel“ (Trailer) bei Amazon Prime Video an, Ende Mai folgte dann die insgesamt 43. und letzte Episode der Serie. Wie es bei so ziemlich allen vorherigen Staffeln war, habe ich die Folgen bereitliegen und zunächst keine wirkliche Lust gehabt, rein zu starten. Beginnt man dann aber mit der ersten Episode, sind die weiteren acht zeitnah auch Geschichte. Die erzählte Geschichte konnte durchaus zufriedenstellend beendet werden, auch wenn es einige Abzüge in der Orchestrierung des Ganzen von mir gibt. Da es dann doch zu viele konkrete Dinge gibt, über die ich schreiben möchte, muss die Spoiler-Ampel auf „Rot“ stehen.

Im TV(-Business)

Herrschte in der vierten Staffel für Midge noch größtenteils turbulentes Auf-der-Stelle-Stehen, kommt ihre Karriere in Staffel Fünf direkt in Bewegung. Ein neuer Job bringt sie ins Fernsehen. Naja, ins Fernseh-Business, als Gag-Autorin für das Late-Night-Format „The Gordon Ford Show“. Dass sie dabei mehrfach betont als „Ladies Writer“ betitelt wird, ist nur eine von vielen gekonnten Darstellungen des Frauenbildes in Männer-getriebenen Arbeitsumfeldern. Allgemein hat der Szenerie-Wechsel mit einigen neuen Figuren der Serie gut getan. Ich war lediglich stets verwirrt, wenn der mir aus „Only Murders in the Building“ als homosexueller, einsamer Katzen-Halter bekannte Michael Cyril Creighton als hoch-stimmiger Frauenheld dargestellt worden ist. Ne, das passte nicht…

Reid Scott spielt dagegen äußerst passend und auf hervorragende Art und Weise den äußerst charmanten Show Host Gordon Ford. Ihn und die Sendung selbst gab es im echten Leben übrigens nicht. Also, nicht ganz. Von 1956 bis 1961 wurde „The Ford Show“ mit Tennessee Ernie Ford produziert, ebenfalls ein Unterhaltungs-Programm mit wechselnden Gästen. Das passt also schon irgendwie.

Totaler Müll!

Aber das ist nicht alles für Midge! Absoluter Müll und doch ein Highlight der Staffel stellt ein Auftritt von ihr im Zuge einer Müllgewerbe-Show auf einer Industrie-Messe dar. Ja, richtig gelesen. Gefühlt ist hier diese Staffel das komplette Budget für Irrsinn und Choreografie-Arbeit geflossen. Ein herrlich absurder Exkurs, der eine wundervolle Abwechslung hat bieten können. Auch wenn inhaltlich vor allem an dieser Stelle einige Fragezeichen bezüglich der Handlungsmotivation einzelner Figuren aufploppen. Das wirkte leider nicht gänzlich konsequent und mitunter sehr launisch ins Extrem gezogen und hätte meiner Meinung nach besser ausbalanciert werden können.

Teils seltsam anmutende Entscheidungsfindungen von Figuren wirken immer wieder offenkundig konstruiert, um ein nächstes Nebenkapitel einleiten zu können. Vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass es sich um die abschließende Staffel handelt, wirkt das schade. Als hätte man die offenen Enden nur mit ein paar losen Überbrückungs-Tricks zusammengebunden bekommen.

Wir haben doch keine Zeit…

Mein größtes Problem mit dieser Staffel sind die Zeitsprünge. An sich ist der Einsatz von Rück- und Ausblenden extrem sinnvoll, vor allem, was das weitere Leben von Midge anbelangt. Aber mir wird zu viel in alle Richtungen gesprungen. Da geht zwischenzeitlich schon einmal die Orientierung flöten, was unnötig ist, da einige Szenen meiner Meinung nach komplett entbehrlich sind. Oder man hätte das Konstrukt anderweitig aufziehen sollen.

Besonders enttäuscht war ich von der Tatsache, dass man extrem früh in der Staffel (ich meine in der zweiten Folge?) bereits erfährt, ob Midge erfolgreich wird oder nicht. Auf die Beantwortung dieser Frage hatte in meinen Gedanken die komplette Staffel hinführen sollen, so wusste man bereits Bescheid und es war nur noch eine Frage der Umstände. Klar, damit gibt es auch genug Spielraum, aber die ganz große Spannung und Überraschung ist weg. Vielleicht hätte man das lösen können, indem man die Zeitsprünge als Exkurs gesammelt in die vorletzte Folge packt. Oder komplett (und stark abgespeckt!) in den Abspann.

Später in der Staffel gibt es eine Szene, in der Suzie und Midge haarklein das geplante Set durchgehen und die Reihenfolge der Gags penibel aufeinander abstimmen. Genau diese Liebe für das Arrangement hätte ich mir auch vom Drehbuch-Team erwartet. Ich frage mich, ob es unterschiedliche Gedankenspiele ob des inhaltlichen Aufbaus gab und ob zwischenzeitlich andere Varianten denkbar gewesen sind.

Leider fühle ich mich auch inhaltlich nicht wirklich von den Ausblicken abgeholt. Midge kommt in einer frühen Zeitsprung-Szene ungewohnt schroff rüber, was überhaupt nicht zu ihr passt (und vielleicht nur eine schlechte Finte darstellen sollte?). Die Zukunft ihrer Kinder wird kurz aber mehr oder wenig belanglos offenbart und das Schicksal von Lenny Bruce ist alles andere als befriedigend dargestellt worden. Lediglich ein Ausblick auf die berufliche Zukunft von Susie konnte punkten – unter anderem auch mit einigen Gaststars.

Abschied von Freunden

Es gab aber auch richtig viel Tolles und vor allem Amüsantes zu sehen! Tony Shalhoub in seiner Rolle als Abe Weissman werde ich sehr vermissen. Aber auch Joel hatte seine Momente (auch wenn er ein sehr drastisches Beispiel dafür ist, wie Charakter-Geschichten brachial umgelenkt werden…). Allgemein sind die Dialoge mal wieder auf den Punkt geschrieben und schaffen es dieses Mal noch besser denn je, nicht zu hektisch und utopisch schlagfertig zu wirken (wobei das Schlagfertigkeits-Niveau allgemein extrem hoch angelegt bleibt).

Allgemein widmet man sich den meisten Figuren der Serie, um ihnen noch einmal Aufmerksamkeit oder gar einen eigenen „Abschluss“ zu bieten. Da kommen zwar auch einige seltsame Situationen bei herum (Alfie, WTF?!), aber das nehme ich eher als inszenierte Abschiedsrunde wahr, das geht in Ordnung.

Der finale Akt

Und dann war da das eigentliche Finale. Die letzte Folge der Serie (S05E09 – „Four Minutes“) ist wirklich gelungen. Trotz der vermeintlichen Sicherheit, zu wissen, was passiert, gelingt es, gehörig Spannung aufzubauen. Man fiebert richtig mit Midge mit. Und dann gibt es sogar noch einen gelungenen Bezug zum Titel der Serie. Das wäre dann eigentlich der ideale Moment gewesen, die Serie zu beenden. Cut, Abspann, und von mir aus einige Zeitungsartikel oder Videoaufnahmen-Ausschnitte, die die weitere Zukunft der Personen aufzeigt.

Stattdessen bekommen wir einen weiteren Zeitsprung zu sehen – den weitesten überhaupt, der erstmals in unser laufendes Jahrtausend reicht. Ein menschlicher Moment, ja. Es geht um Freundschaft und das Lachen. Nett. Meiner Meinung nach aber unnötig an dieser Stelle. Aber so möchte man wohl deutlich machen, was wirklich wichtig im Leben ist. Lektion verstanden. Dennoch finde ich, dass man das besser als Post Credit Scene hätte einsetzen sollen.

Auch die letzte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ konnte wieder mit ihrer ganz eigenen Mischung überzeugen. Viele Gags sind lustig, die Figuren sind charmant und doch schrobig-eigen, der Retro-Stil kommt gewohnt stark herüber und man schafft es, Alltags-Komik mit Gesellschafts-Kritik (die nicht nur das Früher, sondern auch erschreckend oft das Heute referenziert) zu einen. Ein bisschen mehr hatte ich mir doch erhofft – insgesamt gesehen gab es bereits stärkere Folgen und Staffeln.

Das war vermutlich nicht DAS Traumende, das sich viele vorgestellt haben, aber die letzte Folge hatte einiges zu bieten, was die Geschichte der Midge Maisel anbelangt, und einen passenden Moment für ihr eigentliches Ende ausgewählt. Eine allgemein auf dem hohen Niveau agierende Staffel, die sich zum Ende hin nochmal auf ein Extrem steigert, hat man jedoch leider nicht liefern können. Vor allem die Zeitsprünge sowie einige unnötige Ausflüge haben dem im Wege gestanden. Dennoch ist das Meckern auf recht hohem Niveau und wer die vorherigen Staffeln mochte, findet auch im Abschluss der Serie eine ähnliche Qualität vor. Kein super-geniales Must-See-Fernsehen, aber überdurchschnittlich aufbereitete Unterhaltung, die vor allem durch ihren Originalitätsgrad punkten kann.

Und jetzt? Wer nicht genug von dieser Art der Serien-Unterhaltung bekommen kann, findet bei uns eine Liste mit ähnlichen Serien wie „The Marvelous Mrs. Maisel“. Das dürfte die Zeit überbrücken, bis man den ersten Rewatch des Originals angeht.

Bilder: Prime Video / Amazon Studios

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