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Kurzweilige Unterhaltung zwischen Empowerment und Dreiecksdrama

(Re)Watch-Review: „Younger“ (Staffel 1-7)

22. März 2026, 17:07 Uhr
Younger_Liza_Kelsey

Genau genommen ist dieses Rewatch Review für mich ein ganz normales Review. Denn auch wenn „Younger“ bereits 2015 erschienen ist und über sieben Staffeln bis 2021 lief, habe ich erst kürzlich das erste Mal in das Feel-Good-Comedy-Drama reingeschaut – und großen Gefallen daran gefunden. 2018 hat Maik euch die Serie schon mal als Serientipp vorgestellt. Ich tauche jetzt nochmal in die Serie ab – so spoilerarm wie möglich.

YOUNGER -Trailer Season 1

Die Handlung

Liza Miller ist 40 Jahre alt, als sie wieder in ihren alten Job im Verlagswesen einsteigen will. Fast 20 Jahre lang hat sie den Job nicht mehr ausgeübt, da sie ihre Tochter Caitlin, zum Teil alleine, großgezogen hat. Von ihrem Mann lebt sie mittlerweile getrennt, denn der ist so tief in seine Spielsucht versunken, dass er Liza fast mit in den Ruin getrieben hat. Doch als Liza ihren Bewerbungslauf startet, merkt sie, dass es für eine Frau in ihrem Alter mit der langen Arbeitspause keinen Platz in der Arbeitswelt zu geben scheint. Sie steckt eine Absage nach der anderen ein.

An einem Abend, den sie mit ihrer Freundin und Künstlerin Maggie Amato in einer Bar verbringt, wird sie von dem 26-jährigen Josh ebenfalls für 26 Jahre gehalten – und korrigiert ihn nicht. In der Tat bringt sie das sogar auf eine bahnbrechende, aber auch verheerende Idee: sich generell für jünger ausgeben, um einen Job zu finden. Und das klappt: Wenig später startet sie bei Empirical Press als Assistentin von Diana Trout und lernt auch ihre Kollegin Kelsey Peters sowie ihren Chef Charles Brooks kennen. Je tiefer die Beziehungen in ihrem Umfeld werden, desto schwieriger wird es für Liza, ihre Lüge aufrecht zu erhalten.

Die Charaktere

Was mir an der Darstellung der Charaktere in „Younger“ gut gefällt, ist, dass die Altersdarstellung überwiegend sehr akkurat und real ist. Sutton Fuster beispielsweise war zum Zeitpunkt der ersten Staffel 40 Jahre alt, als sie Liza Miller, ebenfalls 40 Jahre alt, verkörpert hat. Hilary Duff, die Kelsey Peters spielt, und Nico Tortoretta, der Josh verkörpert, sind fast gleichaltrig und spielen in der Serie beide Ende 20-Jährige, ebenfalls übereinstimmend mit ihrem damaligen Alter. Das hat sehr viel zur Glaubwürdigkeit (des Alters und der Altersunterschiede) beigetragen.

Liza Miller ist eine lebensfrohe und offene Frau, der nichts wichtiger ist, als ihre Tochter versorgen und unterstützen zu können. Dieser Grund treibt sie in ihre Lüge. Als sie in die Wohnung ihrer besten Freundin Maggie (Debi Mazar) zieht, natürlich in ein großes cooles Loft mitten in New York City, erhält das Thema WG-Leben ganz neuen Charme. Vor allem, weil Maggie ihre Kunst in erster Linie dort auslebt.

Maggie ist in „Younger“ wirklich eine der spannendsten Figuren: sie ist laut, selbstbewusst, steht zu ihrem Alter und ihrer Sexualität und sie ist allem voran eine wirklich gute Freundin und bringt mich mit ihrem stumpfen Humor so manches Mal zum Lachen. Das toppen kann da nur Diana Trout (Miriam Shor), Lizas abgehobene, strenge Chefin, die wirklich keinen Finger krümmt, wenn nicht auch Liza diese Aufgabe für sie übernehmen könnte. Egal ob es der Kaffee am Morgen, eine tatsächlich arbeitsbezogene Aufgabe ist oder aber nur die Hose aus der Wäscherei abgeholt werden muss: Liza macht das schon. Dianas Figur ist sehr unterhaltsam gezeichnet, unbeholfen komisch, in Kommunikation und Erwartungshaltung an ihr Umfeld, eine Diva durch und durch und gleichzeitig irgendwie auch liebevoll. Zudem macht ihre Figur die meiste Entwicklung in der Serie durch.

The Journey of Diana | Younger

Die Highlights und Lowlights

Die Serie lebt von den Generationsunterschieden, die dadurch, dass wir Zuschauer:innen häufig mehr wissen als die Charaktere in der Serie, nämlich eben, dass Liza nicht zu den Millenials gehört, einige Male Komik mit sich bringen und einige Male auch echt irgendwie flach wirken. Hier wird schon auch viel mit Klischees gearbeitet. Das ist manchmal ganz witzig, wenn Liza mal wieder nicht weiß, was gerade in den Sozialen Netzwerken trendet oder wie man die überhaupt so richtig bedient. Häufig wird die Millenial-Darstellung gerade an den Stellen auch ein bisschen übertrieben, ja fast schon ins Lächerliche gezogen.

Apropos übertrieben: Das Kostüm-Department hat bei dieser Serie wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Wahl der Outfits für die Charaktere ist oft wirklich fragwürdig und kann ich mir nur so erklären, dass da mitunter auch mit einem dicken Augenzwinkern drauf geschaut wurde. Vor allem Dianas Ketten sind der Wahnsinn: von riesengroßen Schleifen und Schmetterlingen bis hin zu Schwänen ist hier im Grunde alles dabei. Devise: je größer und auffälliger desto besser. Und das allein hat schon Unterhaltungswert.

Younger_Diana

Auch spannend finde ich, dass mit dem Fokus auf dem Verlagswesen und den (sicherlich nicht immer naturgetreuen) Einblicken in den Alltag eines Publishing Unternehmens mal ein ganz anderes Thema aufgemacht wird und sich viel um Bücher dreht – und Stories, die erzählt und vermarktet werden sollen. Das fand ich erfrischend und auch, dass um den Medienwandel und die Abkehr von analogen Inhalten hin zu digitalen Formaten, kein Bogen gemacht, sondern dies als reale Bedrohung des Verlagswesen behandelt wurde.

Und dann wäre da noch das ganze Thema Empowerment: „Younger“ schafft es, viele relevante, ja ich behaupte mal „woke“ Themen zu platzieren, Frauen in den Mittelpunkt zu rücken und ihre Freundschaften und ihre Karriere zu fokussieren. Das ist immer wieder schön anzusehen, hier und da auch edukativ, aber verliert über den Verlauf der Serie ein bisschen an Kraft. Hier frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, der Serie nur vier oder fünf Staffeln zu schenken als sieben. Ich habe mich zwar bis zum Ende unterhalten gefühlt, aber nicht nur die Liebesbeziehungen der Protagonistin, sondern vor allem von Kelsey wirkten irgendwann sehr konstruiert. Ihre Stories haben sich irgendwann fast ausschließlich um die Männer gedreht, was dem starken Start der Serie und dem ursprünglichen Weg aus meiner Sicht irgendwann nicht mehr ganz gerecht wurde.

Ich hatte zum Ende hin immer häufiger das Gefühl, dass sich die Geschichten immer weniger natürlich anfühlten und dadurch vieles an Logik (und Charakterentwicklung) eingebüßt haben. Gerade Lizas Lüge hat die Geschichte lange getragen, sie war der Motor der Handlung, hätte aber für mich insgesamt schneller aufgelöst werden können, um der Serie nochmal einen kleinen positiven Schwung zu geben, statt so lange mit denselben Mitteln überzeugen zu wollen.

Fazit

Auch wenn vieles übertrieben und überzogen wirkt, so schafft „Younger“ es doch, auch ernste Themen zu platzieren. Für kurzweilige Unterhaltung zwischendurch (oder einfach viele kurze Folgen am Stück) eignet sich die Serie ganz hervorragend. Sie bringt zum Lachen, sie ist was fürs Auge, wenn die Charaktere durch New York City strollen, sie lässt uns fühlen und irgendwie vermittelt sie häufig einfach ein gutes Gefühl.

Younger_Liza_Josh

Schade finde ich, dass die Serie absolut empowernd begann, was sie im Verlauf der Staffeln ein wenig verloren hat. Hier stand dann nach einer Weile doch zu sehr die Dreiecksbeziehung zwischen Liza, Josh und Charles im Fokus, die aus meiner Sicht insgesamt hätte weniger Raum einnehmen dürfen. Vor allem aber hat mich die fehlende Charakterentwicklung von Kelsey gestört, die zum Ende hin immer stärker über ihre Beziehungen definiert wurde. Anstelle dessen hätte ihre Figur auch anders wachsen können. Wenn ich so darüber nachdenke, merke ich, dass sich meine Sympathie über den Verlauf der Staffeln gegenüber Diana, Maggie und Josh gesteigert, während sie sich gegenüber den Figuren von Liza, Kelsey und Charles etwas zurückentwickelt hat.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich auf jeden Fall, sich selbst ein Bild davon zu machen. Alle sieben Staffeln von „Younger“ stehen aktuell bei Netflix zum Abruf bereit.

Bilder: Netflix

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Sonntag, 22. März 2026, 17:07 Uhr
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