Der Ausweg aus dem Zombie-Dilemma

Kommentar: Bringt The Walking Dead vernünftig zu einem Ende

Mini-Spoiler
Michael
21.06.19

„The Walking Dead“ im Überfluss: Dank des Spin-Offs „Fear The Walking Dead“ wird das TWD-Universum fast zum wöchentlichen Alltag. Jetzt gibt es ja auch Menschen, die hat man immer um sich, und es nervt irgendwann, und bei anderen freut man sich, wenn man sie alle paar Wochen einmal sieht – vielleicht auch gerade deswegen, WEIL man sich nicht ständig sieht.

Mir geht es beim TWD-Universum so. Irgendwie ist alle paar Tage irgendwas mit Daryl, Michonne, Morgan oder Alicia an der Reihe, und was sie so zu erzählen haben oder erleben, ist eigentlich genauso Alltag wie das Leben von Mutter Beimer, Gaby Zenker & Co. Man streitet sich mit anderen, hilft sich unter Freunden, erlebt und überlebt Schicksalsschläge – okay, und Morgan MUSS etwas tun.

TWD und FTWD sind so belanglos geworden, dass man eigentlich keine rechte Lust hat, sich noch mit ihnen zu beschäftigen. Was waren das für aufregende Zeiten, als man sich auf den Staffelstart von „The Walking Dead“ freute, nach einem großen Cliffhanger in einer gut erzählten Vorgängerstaffel. Okay, das ist jetzt auch schon jahre her, aber man erinnert sich.

Ich habe mir letztens nochmal die allererste TWD-Folge angesehen, um sie zu reviewen, und es war wirklich eine Freude. Gut inszeniert, solide gespielt, packend geschrieben. Natürlich kann eine Serie nicht großartige Folgen am laufenden Band raushauen (außer „Twin Peaks“, sorry…), aber ein solides Niveau darf schon gehalten werden. Das hat „The Walking Dead“ leider nicht geschafft.

Warum eigentlich? Ich glaube, es hängt mit dem oben genannten Dilemma zusammen, dass man mancher Sachen bei großen Mengen einfach überdrüssig wird. TWD hatte Erfolg, und damit möchte man als verantwortlicher Sender oder Produzent dann natürlich auch Geld machen, schon klar. Und das TWD-Universum lässt sich ja jetzt auch schon seit Jahren serientechnisch vortrefflich ausschlachten. Aber: unterhaltsam ist es wahrlich nicht mehr. Man schaut zu, weil man noch so eben wissen möchte, wie es eigentlich weiter geht – und selbst diese Motivation ist bei mir fast nicht mehr vorhanden.

Dabei hatte „The Walking Dead“ eine klasse Ausgangslage mit einer soliden literarischen Basis. Die Comics von Robert Kirkman sind auf einem hohen Niveau erzählt, bis heute, über mehr als 150 Ausgaben hinweg. Irgendwann hat sich die Mutterserie von der Vorlage gelöst – und hat dann meiner Meinung nach ein paar Fehler gemacht, die der Serie einfach geschadet haben. Inkonsequente Story-Entwicklung, miese Dialoge, billig(st)e Effekteund dann gingen ihr auch noch die besten Charaktere aus. Die Serie lief irgendwann nur noch nach dem Motto „Mit möglichst wenig Aufwand viel(e Zuschauer) erreichen.“

Oder das Spin-Off, „Fear the Walking Dead“. Erstmal eine okaye Idee, so etwas anzugehen, dann sogar mit einem tollen Ansatz, direkt das Ausbrechen der Epidemie zu zeigen. Die ersten Momente waren auch wirklich packend, doch irgendwann infizierte sich auch FTWD mit dem Virus, den die Mutterserie ereilt hat. Ich hätte mir noch andere Umsetzungen vorstellen können, zum Beispiel eine Mini-Serie, die das Ausbrechen und die Auswirkungen auf anderen Kontinenten zeigt. Oder genau das Ausbrechen, die allererste Infizierung.

All das hat FTWD nicht gemacht. Und auch kein anderer Ansatz aus dem Universum. Der Worst case war natürlich, bei der Serie einfach vorzuspulen und sie in die Jetzt-Zeit von TWD zu versetzen. Damit konnte man zwar Darsteller unter den Serien tauschen, aber natürlich hätte man auch in der Vergangenheit die Spuren von Morgan oder Abraham aufnehmen können, um sie zu erzählen. Das hätte mich inhaltlich auch deutlich mehr interessiert als die Heiliger-Samariter-Idee, der Morgan seit ein paar Folgen mit John & Co. nachläuft.

Mein Wunsch ist, dass man einen letzten guten Willen hinsichtlich der Story zeigt und das TWD-Universum zu einem guten Serienende bringt. Führt TWD und FTWD einfach wieder zusammen, lasst, Rick nochmal zurückkehren und erzählt dann nochmal eine richtig gute Story – den nachhaltigen Aufbau einer neuen Zivilisation zum Beispiel, oder das Finden eines Heilmittels – oder einfach die Zerstörung jeglichen menschlichen Lebens. Selbst diese apokalyptische Endzeitstimmung wäre für die Serien eine Erlösung – leider.

Ein Kommentar



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