Zwei Folgen „Der letzte Bulle“, natürlich wieder die „Simpsons“ und dann noch das Finale von „Cross“: Meine TV-Woche war diesmal eine Mischung aus verlässlicher Fernsehroutine, Ruhrpott-Charme und kontrolliertem Thriller-Unbehagen. Es gibt Serien, die schaut man nicht einfach nur. Die sind irgendwann Teil des Alltags. Man weiß, wie sie ticken, was sie können, wo ihre Macken liegen – und genau deshalb will man sie immer wieder sehen. In meiner TV-Woche war das diesmal besonders deutlich: mit einem alternden Ruhrpott-Polterer, einer gelben Institution und einem Serienkillerjäger, der einem den Abend nicht unbedingt leichter macht.
„Der letzte Bulle“
Ich habe zwei Folgen der aktuellen Staffel von „Der letzte Bulle“ gesehen, und was soll ich sagen: Mick Brisgau bleibt für mich ein dauerhafter, gern gesehener Alltagsbegleiter. Die Serie lief ursprünglich von 2010 bis 2014, ist dann aber tatsächlich mit einer sechsten Staffel zurückgekehrt – seit 31. Oktober 2025 bei Prime Video, kurz darauf auch im linearen TV bei Sat.1 ab 24. November 2025.
Und ja, Mick ist älter geworden. Sichtbar sogar. Aber gerade das macht den Reiz dieses Comebacks für mich aus. Henning Baum spielt diesen Typen noch immer mit derselben Mischung aus Brechstange, Bauchgefühl und entwaffnender Unverhandelbarkeit. Einer, der in jeden Raum geht, als müsse er ihn erstmal persönlich auf seine Tauglichkeit prüfen. Dass die neuen Folgen dabei nicht auf halber Strecke plötzlich elegant oder gar zeitgeistig werden wollen, ist eher ein Vorteil. Im Gegenteil: Schon die offizielle Inhaltsbeschreibung macht klar, dass die neue Staffel wieder genüsslich einen Schritt zu weit geht – mit Kannibalenfall, KI-Sexpuppen-Bordell und anderen Fällen, bei denen man Mick eigentlich beim Kopfschütteln zusehen möchte.
Vielleicht gefällt mir genau das so gut: „Der letzte Bulle“ will keine geschniegelt wichtige Serie sein. Keine, die ständig in den Spiegel schaut und sich fragt, ob sie noch relevant genug ist. Mick ist einfach da. Er poltert sich durch die Gegend, wirkt dabei angenehm aus der Zeit gefallen und bleibt trotzdem – oder gerade deshalb – jemand, den ich gern wiedersehe. Das hat fast etwas Tröstliches.
„The Simpsons“
Dann gab’s natürlich auch wieder die „Simpsons“. Wobei man da inzwischen eigentlich nicht mehr von einer Serie sprechen kann, sondern eher von einem Fernsehzustand. Springfield ist ja längst kein Ort mehr, den man besucht, sondern einer, der einfach immer da ist. Egal, wie viele Jahre vergehen, egal wie sehr sich Fernsehen verändert: Homer bleibt Homer, Bart bleibt Bart, und Lisa muss weiter für alle anderen mitdenken.
Und die Serie läuft eben nicht nur gefühlt ewig, sondern tatsächlich in absurden Dimensionen. Am 15. Februar 2026 zeigte FOX in den USA die 800. und 801. Episode als Finale der 37. Staffel; zugleich ist die Serie bereits bis Staffel 40 verlängert. Das ist nicht mehr einfach nur Langlebigkeit. Das ist popkulturelle Infrastruktur.
Klar: Die Simpsons sind nicht mehr permanent auf dem Niveau ihrer besten Jahre. Das erwartet vernünftigerweise auch niemand mehr. Aber sie haben etwas geschafft, was nur sehr wenige Serien schaffen: Sie funktionieren als Ritual. Man schaltet ein und ist sofort wieder in dieser Welt. Das ist fast weniger eine Qualitätsfrage im klassischen Sinn als eine Frage der Verlässlichkeit. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich sie nach wie vor so selbstverständlich mitnehme.
„Alex Cross“
Zum Abschluss meiner TV-Woche lief dann noch die letzte Folge der zweiten Staffel von „Cross“. Ein ziemlicher Kontrastprogramm-Wechsel, denn wo Mick rumpelt und Springfield dauerhaft flimmert, will „Cross“ einen eher nicht gemütlich in den Feierabend entlassen. Prime Video hat die Serie mit Aldis Hodge als Alex Cross am 18. März 2026 ins Staffelfinale geschickt – und direkt am selben Tag auch Staffel 3 bestellt. Mehrere Branchenmedien berichten übereinstimmend, dass die dritte Staffel wieder acht Episoden umfassen soll.
Ich mag an „Cross“, dass die Serie sich angenehm wenig Mühe gibt, gefällig zu sein. Sie bleibt düster, angespannt und trägt dieses latente Unbehagen ziemlich konsequent durch. Aldis Hodge hat genug Präsenz, um Alex Cross nicht bloß wie den nächsten TV-Ermittler mit Privatschaden wirken zu lassen. Das Staffelfinale hatte für mich jedenfalls genau die richtige Wirkung: Druck, Zuspitzung, ein bisschen Schwere – und danach diesen kurzen Moment, in dem man erstmal nicht sofort wieder irgendetwas Leichtes einschalten möchte.
Unterm Strich war das eine erstaunlich runde TV-Woche, obwohl diese drei Serien wirklich wenig gemeinsam haben. Mick Brisgau poltert weiter durch eine Welt, die ihm längst davongelaufen sein müsste. Die Simpsons bleiben die vermutlich gemütlichste Form von Fernseh-Ewigkeit. Und Alex Cross erinnert einen zum Schluss daran, dass gute Spannung eben nicht nett sein muss.
Vielleicht ist genau das ja das Schöne an solchen Wochen: Dass Fernsehen nicht aus einem Guss sein muss. Mal braucht es den vertrauten Polterer, mal die gelbe Dauerinstitution, mal das düstere Finale zum Runterziehen statt Runterkommen.
Und manchmal passt genau diese Mischung ziemlich gut zusammen.
Bilder: Amazon, Disney+, Joyn






































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