El Dorado

Review: Undercover – Staffel 2

23.11.20 15:58
Review
Mini-Spoiler
Fabio
23.11.20

Undercover Season 2 Bob

Der belgische Undercover Cop Bob ermittelt wieder in einem brisanten Fall. Zuletzt hatte er mit seiner Partnerin Kim für die Verhaftung des Mafiabosses Ferry Bouman gesorgt. Zwischenzeitlich hat Kim ihrem Dasein als Polizistin den Rücken gekehrt und ist als investigative Journalistin tätig. Als solche stößt sie auf zwielichtige Waffenhändler auf einer Pferderanch. Als sie in lebensbedrohliche Gefahr gerät, ruft dies Bob und sein Team auf den Plan. Damit beginnt ein neuer verdeckter Einsatz für den abgehalfterten Ermittler.

Gleich zu Beginn der zweiten Staffel wird der Zuschauer durch einen Angriff auf Kim überrascht. Brillierte sie noch in der ersten Season als taffe Polizisten an Bobs Seite, wird sie nun kurzerhand aus dem Drehbuch geschrieben. Stattdessen rückt Bob in den Fokus des Geschehens. Auf den Spuren von Kims Angreifern landet er auf der Ranch „El Dorado“, die von den Gebrüdern Berger mit einem gewissen Faible für die amerikanischen Südstaaten geführt wird, sodass man bisweilen auch mal vergisst, dass man in Belgien ist und nicht in Texas. Vom Cowboyhut tragenden Laurent und seinem verschwiegenen Bruder Jean-Pierre, kurz JP, geht aber leider kaum eine echte Bedrohung aus. Vereinte Ferry Bouman noch den sympathisch, geselligen Camping-Typ mit einer brutalen Gangsterpersona miteinander, wirken die Bergers einseitig und dämlich. Laurent ist der trottelige Kerl mit der großen Klappe, der laut um sich schlägt und schreit, wenn er mit einer Situation überfordert ist. JP hingegen ist der clevere Planer, der mit seiner ernsten Mine immerhin eine gewisse Unberechenbarkeit vermittelt.

Undercover Season 2 Berger

Dafür, dass die beiden Brüder als internationale Waffenhändler tätig sind, kommen Pistolen und Gewehre eher selten zum Einsatz. Stattdessen setzt die neue Staffel auf Melodrama. Besonders wird dies in der Figur der ehemals drogensüchtigen Nathalie deutlich. Sie lebt mit ihrem 7-jährigen Sohn auf der Ranch und gerät unfreiwillig zwischen die Fronten. Wie sie feststellen muss ist Laurent, der Vater des Jungen, ebenfalls in die Waffengeschäfte involviert. Als Bob, getarnt als Steve, auf dem Gutshof aufschlägt, bahnt sich schon bald eine Romanze zwischen den beiden an. Über die Liebelei hinaus kann Bob sie aber auch für seine Ermittlungszwecke gewinnen, da er ihr und ihrem Sohn eine Zukunft in der Legalität und Unabhängigkeit verspricht. Völlig vergessen bleibt der kurze Einsatz der neuen Undercover-Kollegin Lisa, die so profillos und blass daherkommt, dass man sie nach der Hälfte der Laufzeit einfach aufs Abstellgleis gesetzt hat.

„Du glaubst ja gar nicht, was hier so los ist. Darüber könnte man einen Film drehen, was hier passiert. Das ist schlimmer als eine Seifenoper.“

Während es der ersten Staffel gelang, ein hohes Maß an Spannung zu halten, schwankt diese in der zweiten deutlich. Da zählt Boumans Vorgehen gegen Bob aus dem Gefängnis heraus als Highlight, obwohl es sich bei seinem Racheplan eigentlich um einen Nebenschauplatz handelt. Um am Ende doch noch an Fahrt aufzunehmen, lässt man die Figuren hektisch und unlogisch handeln. JP, der einem Waffendeal mit Steve beziehungsweise Bob, von vornherein skeptisch gegenüber steht, entscheidet sich doch für den Handel, nur um dann kurz vorher wieder die Reißleine zu ziehen. Unglücklicherweise wirkt auch der Showdown am Schluss relativ unspektakulär und hastig zusammengeschustert. Schade, denn eigentlich war insbesondere die erste Staffel eine wahre Überraschung. Zur Fortsetzung konnte ich hingegen keine echte Verbindung aufbauen. Das liegt größtenteils an dem uninspirierten Ortswechsel, der Abwesenheit von Kim und den einseitigen Schurken. Da hilft es auch nicht, dass man JP eine verborgene Homosexualität andichtet, um ihn scheinbar facettenreicher und angreifbarer zu machen.

Undercover Season 2 JP

Was man der neuen Staffel aber zugutehalten muss ist, dass die Grenze zwischen Gut und Böse diesmal noch mehr verschwimmt und man sich als Zuschauer selbst fragen muss, auf welcher Seite man eigentlich steht. Und obwohl Bob das Gesetz mehrmals übertritt, gönnt man ihm das wohlverdiente Happy End.

Fazit

Nach einer starken ersten Staffel, fällt die zweite in puncto Spannung und Action leider deutlich ab und verkommt zu herkömmlicher Krimikost.

„Undercover“ ist auf Netflix verfügbar.

Bilder: Netflix

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