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Vom Rundfunkbeitrag und der Serienoffensive von ARD, ZDF und Co.

Was bieten die Öffentlich-Rechtlichen für Serienfans?

Spoilerfrei
Fabio
16.12.20

Kommentar Öffentlich-Rechtliche

Seit im Herbst die Historienserie „Shadowplay – Schatten der Mörder“ an den Start ging, habe ich sie auf meiner Watchlist, aber bislang noch nicht geschaut. Das liegt gar nicht am Inhalt, denn der klingt vielversprechend. In der Serie reist ein New Yorker Polizist nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in das amerikanisch besetzte Berlin, um dort eine Polizeieinheit aufzubauen. In den Hauptrollen glänzen Taylor Kitsch (aus „True Detective“, Staffel 2) und Nina Hoss („Homeland“). Bei dem Staraufgebot mag man glauben, dass die Krimiserie auf Sky läuft, aber nein, sie ist in der ZDF Mediathek verfügbar. Und hier ertappe ich mich, wie ich mich lieber für eine Alternative auf Netflix und Co. entscheide, anstatt mich auf diesen Krimi einzulassen. Schließlich bezahle ich monatlich für all die Streamingdienste. Völlig ignorierend, dass ich mit meinem Rundfunkbeitrag auch das Serienangebot der Öffentlich-Rechtlichen mitfinanziere.

Im September 2020 starteten die Rundfunkanstalten eine groß angelegte Serienoffensive. Fortan sollen Serien noch vor TV-Ausstrahlung online abrufbar und in manchen Fällen sogar ausschließlich im Netz zu sehen sein. Darüber hinaus werden zukünftig zusätzliche Genres, wie Science-Fiction und Mystery bedient. Dafür haben die Rundfunksender 20 Millionen Euro in die Hand genommen. Was sich zunächst nach einer stattlichen Summe anhört, verpufft im Verhältnis zu über 8,6 Milliarden Euro, die an Beiträgen im Jahr in die Kassen fließen. Zum Vergleich: Die ProSiebenSat.1 Media hat im vergangenen Jahr 4,14 Milliarden Euro umgesetzt.

Die Höhe des Rundfunkbeitrags

Der Pflichtbeitrag liegt derzeit noch bei 17,50 Euro im Monat pro Haushalt. Nun soll der Beitrag im nächsten Jahr um 0,86 Euro angehoben werden. Das mag nicht nach viel klingen, aber bei über 40 Millionen Haushalten geht es um zusätzliche Einnahmen in Höhe von 400 Millionen Euro. Um eine Anpassung vorzunehmen, müssen allerdings alle Bundesländer zustimmen und momentan sieht es so aus, als gäbe es da ein unbeugsames Örtchen, das nicht aufhört Widerstand zu leisten – Sachsen-Anhalt. Aber anstatt nachzufragen, warum das Land der Erhöhung nicht zustimmt, wird ihnen vorgeworfen sie würden sich der AfD anbiedern, die sich ebenfalls gegen eine Erhöhung aussprechen. Natürlich möchte die AfD keine Beitragsanpassung, denn schließlich kommen sie bei den Öffentlich-Rechtlichen kaum zu Wort. Das mag man persönlich gut finden, entspricht aber eigentlich nicht der im Staatsvertrag festgeschriebenen Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit. Die Einwände von Sachsen-Anhalt halte ich für durchaus berechtigt. In Krisenzeiten wie diesen, wären Reformen angebracht. Brauchen wir wirklich über 100 Radiosender und sollte die Übertragung von Sportevents nicht lieber dem Privatsektor überlassen werden? Denn innerhalb des Fernsehsegments bilden Sportübertragungsrechte den größten Kostenblock. Darüber hinaus ist eine abnehmende Akzeptanz bei jungen Menschen festzustellen. Das Alter der meisten Zuschauer liegt bei über 70 Jahren. Das Durchschnittsalter unserer Bevölkerung liegt aber bei 44 Jahren. Dennoch werden weiterhin Formate, die an der Allgemeinheit vorbei gehen, produziert und ausgestrahlt. Die Anstalten empfinden jedoch jede Kritik als Angriff. Der ARD-Chef Tom Buhrow, der ganz nebenbei erwähnt mehr verdient als Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat versprochen vor das Landesgericht zu ziehen. Schon 2005 waren sich die Länder über eine Preisanpassung uneinig und die Rundfunkanstalten haben dagegen Verfassungsklage erhoben und man einigte sich auf eine niedrigere Erhöhung.

Schaut mehr Serien in den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen

Uns Serienfans bleibt wohl nichts anderes übrig als sich diese Politdiskussion anzusehen und vielleicht das zu tun, was wir am liebsten machen: Serien schauen. Nur wenn die Serieninhalte, die von den Rundfunksendern angeboten auch konsumiert werden, können auch in Zukunft weitere Formate hinzukommen. Neben bekannten Serien wie „Babylon Berlin“ lohnt sich auch ein Blick auf die anderen Serien im Angebot.

ARD Mediathek

Da wäre beispielsweise die Miniserie „Das Geheimnis des Totenwaldes“. Über sechs Folgen hinweg erzählt der Krimi von einer Mordserie an jungen Liebespaaren in einem Naherholungsgebiet im Jahr 1989. Oder der dramatische Thriller „Kampf um den Halbmond“ in der ARTE Mediathek. Hier steht die Reise eines Franzosen nach Syrien im Mittelpunkt. Er hofft in dem Kriegsgebiet seine tot geglaubte Schwester wiederzufinden. Weitere nennenswerte Neuheiten in der ARTE Mediathek hatte Michael hier zusammengetragen, darunter das heitere „A Young Doctor’s Notebook“ mit „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe. In der ZDF Mediathek finden sich unter anderem Lizenz-Titel aus England und Skandinavien wie zum Beispiel der Psychothriller „Killing Mike“ oder das Tech-Drama „Breaking Even“. Des weiteren befindet sich derzeit eine Adaption des SciFi-Romans „Der Schwarm“ von Autor Frank Schätzing über eine Bedrohung aus dem Meer in Produktion. Das Angebot ist vielfältig, wir sollten es jetzt nur noch nutzen, denn gemäß Rundfunkstaatsvertrag darf ein Großteil der Serien lediglich drei bis sechs Monate in den Mediatheken bleiben. Also, am besten gleich reinschauen!

Bilder: ZDF, ARD

2 Kommentare

  • FastRene

    Hallo Fabio,

    ich hätte eine Bitte für Beiträge wie diesen. Könntest du an den entsprechenden Stellen im Text auf die Quellen verweisen, auf die du dich beziehst? Z.B. wenn du das durchschnittliche Alter der Zuschauer nennst. Das hast du bestimmt recherchiert.

    Ansonsten ein guter Beitrag. Ich hätte erwartet, dass sich zu diesem Thema eine lebhafte Diskussion entwickelt.

    VG
    FastRene

    • Hallo FastRene,
      freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Zukünftig kann ich Quellenangaben zu Zahlen angeben. Die Angabe zum Alter der Zuschauer habe ich von thepioneer.de, der entsprechende Beitrag ist aber schon ins Archiv gerutscht und scheinbar nur noch nach einer Paywall lesbar.


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