Hiddleston, Laurie, Colman! Noch Fragen?

Review: The Night Manager S01E01E02 – In der Ruhe liegt die Kraft!

Mini-Spoiler
Tobias
06.03.16

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Heute Abend wird in der BBC die dritte Episode von „The Night Manager“ laufen, also höchste Zeit, ein paar Worte über die ersten beiden Folgen zu verlieren, so dass ihr alle heute Abend einsteigen könnt. Solltet! Neben dem wahnsinnig guten Cast mit Tom Hiddleston, Hugh Laurie und Olivia Colman kann auch die – zugegeben old times – Story überzeugen und unterhalten. Auch die Nebenfiguren sind mit Tom Hollander und Elizabeth Debicki als femme fatale gut besetzt und spielen nicht nur im Schatten der drei Hauptfiguren ihre Rollen sehr überzeugend.

Handlung

Die ursprüngliche Geschichte von John le Carré wurde von der BBC in die heutige Zeit geholt, die Serie startet mit den Unruhen in Ägypten und springt in den ersten beiden Folgen gerne auch in der Zeitschiene. Wunderschöne Orte und Außenaufnahmen inklusive. Die Story erzählt die älteste Geschichte der Welt. Gut gegen Böse. Und das Gute versucht einen Verbündeten in die Organisation des Bösen zu schleusen, der helfen soll, das Böse niederzustrecken. Das Ziel der Operation: Richard Onslow Roper, gespielt von Hugh Laurie.

Mr Roper, der in nahezu jeder Szene, in der über ihn gesprochen wird, als „the worst man in the world“ bezeichnet wird, ist der führende Kopf einer weltumspannenden Organisation, die mit Waffenhandel das große Geld macht. Das Gute wird von Olivia Colman verkörpert, Colman spielt Agent Burr (im Originalbuch ist dies ein Mann), die eine eigene Abteilung führt (sie und ein Partner), deren einziges Ziel es zu sein scheint, Richard Onslow Roper zu Fall zu bringen. Und das schon seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten. Aber Roper geht in seinen Geschäften sehr vertraulich und bedacht vor, so dass es bisher nicht möglich war, ihm etwas gerichtsfest nachzuweisen.

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Was Burr und das MI6 gebrauchen könnten, wäre ein Insider, der die Agenten mit Informationen versorgt und so Angela Burr einen Vorteil verschaffen könnte. Nur ist die Nähe zu Roper ausschließlich seinen engsten Vertrauten vorbehalten, in diesen Kreis ist es nahezu unmöglich einen Außenstehenden einzuschleusen. Und das führt uns zu Jonathan Pine.

Jonathan Pine ist ein ehemaliger Soldat, der seit Jahren in den nobelsten Hotels auf diesem Planeten als Nachtmanager arbeitet. Dies ist auch der Berührungspunkt zu Roper. Zwischen beiden besteht nicht unbedingt eine direkte Verbindung, aber eine moralische. Mit Namen Sophie Alekan.

Sophie war ein Hotelgast im Hotel in Kairo zu Beginn der Serie. Sie war die Freundin eines Sohnes aus einer bedeutenden und die Stadt regierenden Familie. Keine nette Familie „von umme Ecke“. Mit dieser Familie hat man eher lieber nichts zu tun. Die hatten nämlich seinerzeit einen Deal mit Roper am Laufen. Und die Gefahr lag klar auf der Hand, dass die Familie mit diesen Waffen ihre Macht innerhalb der Stadt festigen und den Aufstand niederschlagen wollte. Und diese Gefahr erkannte auch Pine, der über Sophie an eine Kopie des Auftrages gelangte. Über einen alten Freund aus Armeezeiten, der in der britischen Botschaft arbeitet, gelangte dieses Papier ans MI6 nach London.

Diese Aktion endet für Sophie allerdings tödlich, in der Melderoutine zwischen der Botschaft und dem MI6 oder sogar innerhalb des MI6 gibt es eine undichte Stelle, die derartige Geheiminformationen abfängt und weiterleitet. Und Pine fühlt sich natürlich mitverantwortlich für den Tod von Sophie Alekan. Auch noch nach Jahren.

Dieses Gefühl ist der ausschlaggebende Punkt dafür, dass Pine Jahre später zu jener gefährlichen und auf längere Zeit angelegte Geheimaktion seine Mitarbeit und Einverständnis erklärt. Das Team von Angela Burr veränderte den Lebenslauf von Jonathan Pine und machte aus ihn einen hoch kriminellen Einzelgänger. Die Zeit vergeht und der Plan nimmt Gestalt an. Zum Ende der zweiten Folge schafft es Pine dann auch auf das Anwesen von Richard Onslow Roper. Der Plan scheint aufzugehen, wenngleich der Weg dorthin sehr schmerzhaft war.

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Allerdings scheint die rechte Hand von Roper, Major Corcoran alias Tom Hollander, der Person und der Biographie des Jonathan Pine nicht zu trauen auch wenn seine eigenen Nachforschungen genau das Bild ergab, welches von Angela Burr und ihrem Team in die Welt gesetzt wurde. Die zweite Folge endet mit der Aussicht auf die erste echte Konversation zwischen Laurie und Hiddleston, denn Richard Onslow Roper kündigt dem Zuschauer an (also eher Jonathan Pine), dass er gedenkt höchst selbst und dann auch noch persönlich Jonathan Pine am nächsten Tag auf Herz und Nieren zu prüfen und auf die Probe zu stellen.

Man darf also gespannt sein.

Schaut da unbedingt mal rein!

Wie schon angedeutet, die Story an sich dürfte bereits durch zahlreiche Filme und Serien so oder so ähnlich bekannt sein. Die Hälfte der älteren James Bond Filme dürfte eine ähnliche Handlung vorweisen können und auch der Charme von „The Night Manager“ erinnert mich an jene Zeit, in der ich noch die Filme des britischen Geheimagenten gesehen habe. Dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr, spätestens nach diesen beiden Episoden dürfte Tom Hiddleston als Favorit auf die Nachfolge von Daniel Craig bei den britischen Buchmachern gelten. Zu Recht. Die Ausstrahlung von Hiddleston ist immens und sein Spiel sehr ruhig, bedächtig und beobachtend. Und strahlt dadurch umso mehr.

So wie die ganze bisherige Serie auch. Wer Action und Explosionen erwartet hat, der sollte vielleicht eher eine Folge „Top Gear“ schauen, da ist wenigstens Action. „The Night Manager“ verbrachte die bisherigen 120 Minuten mit einer ruhigen und bedächtigen Einführung in die Geschichte und vor allem in der Vorstellung der beteiligten Figuren. Zudem mögen es die Produzenten sich mit längeren Kamerafahrten die Zeit zu vertreiben. Aber sehr schönen Kamerafahrten. Ich hätte beinahe ein Wochenende in den Schweizer Alpen gebucht, so schön waren die.

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Eine meiner Lieblingsszenen bisher, die in etwa in die obige Beschreibung der ruhigen und bedächtigen Einführung und Weiterentwicklung der Story passen könnte, ist eine Szene, in der Pine in eine Kneipe geht, ein Bier bestellt, dieses trinkt und dann wieder geht. Einfach so. Mehr nicht. Und wie die anderen Gäste so schaut man auch als Zuschauer fasziniert auf diesen Mann, wie er sein Bier austrinkt. Ganz hohe Schauspielschule!

Mir gefällt diese bedächtige Herangehensweise außerordentlich gut und auch das Spiel von Hiddleston passt zur Grundgeschwindigkeit der Geschichte, da es Hiddleston versteht, auch durch wenige Bewegungen oder Dialoge eine Szene zu tragen und interessant zu gestalten. Olivia Colman hatte bisher noch nicht viele Szenen mit Hiddleston, aber man hat klar zu verstehen gegeben, dass sie weiß, sich in ihrer Welt durchzusetzen. Die Operation, in der Hiddleston im Mittelpunkt steht, hält sie vor ihren Vorgesetzten bzw. der Führung des MI6 geheim, da sie eine ähnliche Vermutung treibt wie Pine, dass es im MI6 eine undichte Stelle geben muss.

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Was ich ganz interessant finde, ist, dass es Hugh Laurie in seinen bisherigen Szenen ohne Probleme geschafft hat, die Aura des „worst man in the world“ zu verbreiten. Ohne auch nur die Ankündigung von Gewalt. Laurie überzeugt ebenso wie Hiddleston durch seine ganz eigene Überzeugungskraft. Seine Partner oder besser gesagt Untergebene sind absolut loyal und voller Erfurcht.

Die einzige Schwachstelle, neben seinen kleinen Sohn, dürfte Debicki als Jed Marshall sein, die heiße Freundin von Roper, die zudem eine eigene Story und Hintergrundgeschichte beitragen könnte. Zumindest gab es hier eine Andeutung. Sie dürfte das Ziel von Pine sein, ihr Vertrauen zu gewinnen um über sie noch näher an Roper heran zu kommen.

Die restlichen vier Folgen versprechen große Spannung und dürften in ihrer Grundgeschwindigkeit und der Entwicklung der Geschichte zunehmen. Bisher überzeugt die Serie aber auch gerade durch ihr Gefühl für das Tempo der Story und setzte seinen ersten Schwerpunkt auf die drei Hauptcharaktere.

Ich habe aber keine Bange, auch wenn der Fokus mehr auf die Handlung gerichtet wird, dass der Schwerpunkt weiterhin mithin auf den unterschiedlichen Persönlichkeiten liegen wird. Denn der große Faustpfand der Serie liegt klar in den drei Hauptdarstellern.

Nicht der schlechteste Grund, um noch in „The Night Manager“ reinzuschauen.

Nächste Folge

Bilder: BBC

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9 Kommentare

  • Fand den ersten Teil richtig spannend, werde jetzt jedoch auf das Ende der Staffel warten und sie dann am Stück gucken.

    Das mache ich inzwischen mit fast allen Serien <= 10 Folgen so (Stan Lee's Lucky Man; You, Me & the Apocalypse; 22.11.63)

    • … eine sehr nachvollziehbare Vorgehensweise! Auch ich nehme meistens erst einmal auf und schaue dann in abendlichen Sessions in meiner Geschwindigkeit und nach meinem Gusto.

      Außer eben die Serien, die ich hier bei sAWE.tv vorstellen möchte. Wobei ich den „Night Manager“ entweder noch mal nach der vierten Folge beschreiben werde oder erst wieder nach dem Ende in einer Gesamtbetrachtung.

    • … sehr schön nachvollziehbarer Serienkonsum auf deiner Webseite übrigens. Die Angabe mit „Preis pro Stunde“ beim DVD Kauf finde ich interessant. Darüber hatte ich noch nie nachgedacht, ich rechne bei meinem DVD Käufen immer in „und was kostet dieselbe DVD im britischen Amazon und wo steht das Pfund gerade“.

      ;o)

    • … und Daumen hoch für das Terence Hill & Bud Spencer Poster. Dahin müsste ich mein Büro auch mal „weiterentwickeln“ und „optimieren“.

  • Gibt’s ab 28. März übrigens bei Amazon Prime zu sehen, wahlweise Deutsch oder Englisch. :-)

  • Sodele, hab‘ die ersten zwei europäischen Folgen durch – reißt mich noch nicht vom Hocker. Bis jetzt noch recht durchschaubar und vom Gefühl her irgendwie in der Kategorie „alles schonmal gesehen“. Aber: Ich bleib‘ dran! Was den Geographen noch interessiert: Geht das eigentlich so weiter, dass man in jeder Folge ein neues Land zu sehen bekommt? Ägypten, Schweiz, dann wohl Spanien… :-)

    • Nö. Aber das Budget wurde schon recht ausgereizt um teilweise echt atemberaubende Locations zu besuchen.

      Und zum Thema „alles schon mal gesehen“ … schrob ich ja. Nur überzeugt mich die Story und die Art und Weise, wie sie verkauft wird, absolut und spricht scheinbar etwas in mir an, was gefühlt 100 Jahre Marvel zugeschüttet zu haben schien.

  • Das mit „Jede Folge ein neues Land“ passt übrigens immer noch, zumindest in der europäischen Fassung… 1. Ägypten, 2. Schweiz, 3. Spanien, 4. Monaco, 5. England, 6. Türkei. :-)

    • … vielleicht war dies ja der eigentliche Grund für die internationale Schnittfassung. So konnte man jede Folge durch einen anderen nationalen Geldtopf gegenfinanzieren.

      Kreative Finanzierungsidee. Das muss man den Briten lassen.


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