Die nächste Serie mit Suchtpotenzial wartet schon!

10 Serienvorschläge für die Zeit nach „Downton Abbey“

Spoilerfrei
Tobias
26.12.15

The Paradise (2013-2013)

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Wenn einem „Selfridge“ als Kaufhaus zu groß ist, dem sei „The Paradise“ empfohlen. Zeitlich deutlich vor „Selfridge“ und „Downton Abbey“, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter – die Handlung beginnt im Jahr 1875 – fokussiert sich die Serie auf Denise Lovett. Und unsere Denise arbeitet im allerersten Kaufhaus Englands, welche nach und nach den bisherigen Einzelhandel ablösen werden. Sie erfährt eine harte Ausbildung und „gerät schnell“ in den Sichtkreis ihres Chefs John Moray und nach einiger Zeit in ein gefährliches Liebesdreieck zwischen Moray und einer adligen Dame.

Die Serie basiert auf einem Roman von Émile Zola („Das Paradies der Damen“, im Original „Au Bonheur des Dames“), im Roman liegt der Schwerpunkt aber in der Sozialkritik und den Veränderungen in der Arbeitswelt und dem schweren Los der Verkäuferin und nicht auf der Liebesbeziehung. Das macht es natürlich einfacher und „netter“ der Serie zu folgen und sich sehr schnell in ihr zu verlieren. Aber der ursprüngliche Fokus ist nicht gänzlich außen vor. Die Ausstattung ist wunderbar, die Settings authentisch und die beiden Hauptdarsteller Joanna Vanderham und Emun Elliot großartig. Unbedingt mal reinschauen. „The Paradise“ wurde leider nach zwei Staffeln und 16 Episoden eingestellt. Bis dahin hat man aber eine schöne Serie verfolgt.

Berkeley Square (1998)

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Zeitlich bewegen wir uns wieder in Richtung „Downton Abbey“ und in „Berkeley Square“ haben wir auch wieder eine adlige Familie und ihre Angestellten im Fokus. Ok, wir haben sogar drei Familien, im Mittelpunkt stehen aber die jeweiligen Kindermädchen Matty, Lydia und Hannah. Wer jetzt an eine Serienumsetzung von Marry Poppins oder eine britische Version von „Die Nanny“ denkt, der liegt falsch. Die drei Frauen lernen sich anfangs bei ihren Spaziergängen im Park kennen und werden Freundinnen. Sie haben jeweils eine interessante Vorgeschichte, unterschiedliche Arbeitgeber und individuelle Probleme, dies es gemeinsam zu lösen gilt. All das und noch viel mehr ergibt eine gut inszenierte Dramaserie mit charmanten Hauptdarstellerinnen. Und dazu kommen dann auch noch bezaubernde Kinderdarsteller. Einfach wunderbar und unterhaltsam. Nicht immer lustig aber dafür immer sehr emotional und bewegend. Man verliert sich auch in dieser Serie recht schnell in die Handlung und seine tragenden Figuren.

Die im Jahre 1902 angesiedelte Serie fokussiert sich hauptsächlich auf die Nöte der Dienerschaft, stellvertretend lernen wir eben Matty, Lydia und Hannah näher kennen, und stellt dabei die oberflächlich agierenden adligen Familien, in keinem besonders guten Licht dar. Das Bindeglied zwischen beiden gesellschaftlichen Schichten sind die Kinder, die sehr unter den gesellschaftlichen Regeln dieser Zeit und dieser Gesellschaftsschicht leiden. Wären da nicht die Nannies. Auch „Berkeley Square“ überzeugt durch seine authentische Ausstattung, seine Kulissen und Kostüme und natürlich durch die dramatische und komplexe Handlung voller Intrigen, oben wie unten, die sich nach und nach in den zehn Episoden entwickeln wird. Ja, leider nur zehn Episoden.

Lilies (2007)

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Weiter geht’s mit einer weiteren Miniserie. Und einer sehr „nerdigen“ Alternative zu „Downton Abbey“. In der achtteiligen Miniserie „Lilies“ geht es um drei Töchter einer Arbeiterfamilie im Liverpool kurz nach dem 1.Weltkrieg, die langsam aber sicher erwachsen werden, der Vater ist Witwer und der aus dem Krieg zurückgekehrte Bruder ist traumatisiert. Keine überaus lustige und lockere Grundlage, zugestanden. Aber die Geschichte der drei Mädchen und ihre ersten Berührungen mit der Liebe, reißen dennoch mit und sparen dabei auch nicht am leichten britischen Situationshumor.

Die Serie hangelt sich von einer abgeschlossenen Handlung in die nächste, in denen die Sorgen und Nöte der britischen Bevölkerung nach dem Ende des 1.Weltkriegs eben die Sorgen und Nöte der Familie Moss sind. Also wieder typisch britisch, weil eben mitten in einem gesellschaftlichen Brennpunkt angesiedelt.

Die Serie überzeugt durch die atmosphärische Darstellung der Zeit, tolle Schauspieler und unterhaltsame Geschichten. Kleiner Wermutstropfen ist die Sprache. Die Serie spielt bekanntlich in Liverpool. Und die Personen sprechen nun mal auch im Liverpooler Dialekt Scouse, anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt die beste Idee für Anfänger mit britischen Serien zu beginnen, denn die käuflichen DVDs enthalten keine Untertitel. Aber „Seriennerds“ sollten da ruhig mal reinschauen. Lohnt sich durchaus.

Cranford (2007-2009)

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Und noch eine Miniserie. „Cranford“ hat zwar rein technisch gesehen zwei Staffeln, aber dann doch nur sieben Folgen. Wobei Folgen sechs und sieben ein zusammenhängendes Weihnachtsspecial sind. In dieser Serie gehen wir zeitlich gesehen am weitesten weg von „Downton Abbey“. Wir befinden uns im Jahre 1842 im fiktiven englischen Dörfchen Cranford. Das Besondere an diesem Ort, ist die Tatsache, dass dort die alleinstehenden, verwitweten und älteren Frauen das Sagen haben. Die Menschen sind tief gläubig und verwurzelt in ihren Traditionen und Regeln. Fremde werden von den Damen misstrauisch beäugt und müssen sich einer langen Prüfung unterziehen, um sich in den Augen der Damen als ehrbar zu erweisen. Ein bisschen könnte man behaupten, dass sich die Einwohner des Ortes vor der modernen Außenwelt verschließen. Bis, ja bis die Eisenbahn bis nach Cranford gebaut wird und somit quasi über die Schiene die Moderne Einzug hält in Cranford bzw. die eh unter der Decke gehaltenen Einflüsse nach außen brechen können. Dies wird natürlich nicht von allen begrüßt. Und so spinnt sich eine wunderbare Geschichte rund um dem Kampf von Traditionalisten und Modernisten, Romantiker und Freunde von tragischen Liebesirrungen kommen aber ebenfalls nicht zu kurz.

„Cranford“ ist außerordentlich herzlich, was vor allem an den wunderbaren Schauspielern liegt, die ihre Figuren meisterhaft verkaufen. Ich möchte nur eine Schauspielerin hervorheben, Judi Dench. Adorable! Wenn man so will die Dowager von Cranford. Ach einen Namen haue ich dann doch noch raus: Jim Carter! Wer damit nicht sofort etwas anfangen kann: Mr Carson. Überzeugt?

Die Serie sprüht vor britischer Serienkunst, zeigt ein England „vor unserer Zeit“, Szenen voller Lust am Schauspiel, passende Musikunterlegung und natürlich darf auch der britische Humor und die Unterschiede in der britischen Gesellschaft als Anker nicht fehlen.

North & South (2004)

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Wenn wir schon Mr Carson erwähnt haben, darf man Mr Bates natürlich nicht vergessen. Denn Brendan Coyle spielt in einer wunderbaren vierteiligen Miniserie mit, die heute der Schlusspunkt dieser „kleinen Liste“ sein soll. „North & South“ bringt uns nicht in die USA und zum amerikanischen Bürgerkrieg, hat auch nichts mit dem thematisch passenden Computerspiel zu tun, sondern handelt von der Industrialisierung Englands. Zu jener Zeit (1850) verlieren viele Familien im Süden der Insel, der niedrigere Landadel, ihre Einkünfte, da die Menschen nicht mehr bereit sind, für einen Hungerlohn auf deren Anwesen zu arbeiten bzw. die Güter und Länder zu bewirtschaften. Das liegt an den Möglichkeiten, die insbesondere die modernen Städte im Norden und ihre Fabriken bieten, zwar handelt es sich hierbei auch um harte Arbeit, diese wird aber etwas besser bezahlt. Zudem ist es die Zeit, in der die ersten Gewerkschaften gegründet werden, mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Streiks und Aufstände durchziehen die Fabrikstädte und Baumwollstaub liegt in der Luft. In dieser nicht nur sprichwörtlichen explosiven Luft spielt „North & South“.

Im Mittelpunkt steht Margaret Hale, Tochter eines südenglischen Landpfarrers, die es mit ihrer Familie nach Milton, einer dieser tristen Industriestädte jener Zeit, zieht und John Thornton, einem Besitzer einer Baumwollfabrik. Die sozialen Unterschiede in Milton sind überdeutlich und Margaret, die sehr behütet aufgewachsen ist, kann das tägliche Elend der Arbeiterfamilien kaum mit ansehen. Daher entschließt sie sich, für diese Menschen zu kämpfen. Ihr gegenüber steht eben John Thornton. Anfangs versucht sie noch, vernünftig mit ihm über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu reden, doch er schenkt ihr kein Gehör. Trotzdem ist er beeindruckt von ihrem unbezähmbaren Temperament. Auch Margaret ist nicht minder beeindruckt, als sie mehr über seine Vergangenheit erfährt, die ihn zu so einem rigorosen und scheinbar umbarmherzigen Mann gemacht hat.

Der restliche Plot dürfte bei jedem nun vor dem geistigen Augen aufpoppen, aber auch wenn einem die Geschichte, die erzählt wird, nicht sonderlich interessant und als sehr vorhersehbar erscheint, so muss man dennoch sagen, dass die vier Folgen wunderbar unterhaltsam und schön inszeniert sind. Und an der ein oder anderen Stelle überrascht die liebevolle Handlung dann natürlich doch.

Nun seid ihr dran!

So. Jetzt ist die Liste dann doch etwas länger geworden als gedacht, aber was soll´s, die Feiertage sind im vollem Gange und die meisten von Euch dürften „zwischen den Jahren“ bestimmt eh Urlaub haben. Ich würde mich freuen, wenn der ein oder die andere von Euch nun auf den Geschmack gekommen ist, der ein oder anderen Serien eine Chance zu geben, die Leere nach „Downton Abbey“ zu füllen. Man muss keinen Trübsal blasen, ist gibt da draußen so viele gute Serie, die sich lohnen, ein paar Stunden zu widmen.

Vielleicht ist eure nächste Serie ja in der obigen Liste enthalten. Und was macht ihr nun mit der „Downton Abbey“ freien Zeit?

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10 Kommentare

  • Also was bei mir zumindest ähnliche Sensibilitäten bediente, wie „Das Haus am Eaton Place“, ist die Serie „Poldark“ von 1975. Es gibt zwar auch eine Neuverfilmung, aber ich finde, dass diese Homevideo-Optik des britischen Fernsehens mehr hermacht, als auf Hochglanz polierte Neuverfilmungen. Durch Kostüme und Kulisse entsteht bei mir durch den Homevideo-Look, als habe ein Zeitreisender heimlich mitgefilmt.

    • .. über die Originalserie „Poldark“ habe ich in der Tat auch schon mal nachgedacht. Vielleicht besorge ich mir mal eine gebrauchte Komplettbox wobei ich gerade sehe, so „teuer“ wären die zwei Staffeln ja gar nicht.

      Kannst du also empfehlen?

    • Die Forsyte Saga fehlt in der 60 er und 2000 er Fassung

  • Kann ich empfehlen, wenn man solche Produktionen mag. Wenn ich in der Stimmung für sowas bin, holt es mich als Zuschauer gut weg. Im Allgemeinen kann ich aber für mich sagen, dass es selbstverständlich Serien gibt, die mich nachhaltiger beeindruckt haben.

  • Vielen Dank für die Vorschläge, aber ich würde euch noch eine spanische Serie namens „Velvet“ empfehlen. Ich fand sie grandios

    • Danke schön. Kannte die Serie bisher gar nicht. Thematisch passt sie natürlich hier in die Aufzählung sehr gut rein.

  • Esmaralda

    Velvet ist grandios. Bitte unbedingt anschauen. Fange jetzt mit grand hotel an, soll wohl auch sehr gut sein

  • Alma Berger

    Ich kann Conny und Esmeralda nur beipflichten: Velvet ist grandios! Eine meiner absoluten Lieblingsserien. Man muss sie unbedingt im Original mit deutschen Untertiteln schauen, denn nur so begreift man auch, wie grossartig die Schauspieler sind. Auf Netflix. Von denselben Machern wie die von Grand Hotel.

  • Matthias

    Gerade (FEB 2018) kommt wohl die 4. Staffel von „Mozart in the djungle“ heraus – ganz anders als die britischen Gesellschaftsgeschichten, aber auch anspruchsvoll und sehr gut gespielt:
    Ein großes Orchester in New York (das hier den Dschungel darstellt) bekommt einen neuen Dirigenten und kämpft mit ihm um die wirschaftliche und künstlerische Existenz.


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