Immer die gleichen Stimmen stören den Seriengenuss

Wir brauchen mehr Synchronsprecher!

Spoilerfrei
Michael
01.01.18

Ich liebe „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“, schaue gerne „Red Oaks“, habe „Falling Skies“ durchgestanden und finde immer mehr gefallen an „Fear the Walking Dead“. Was aber leider gar nicht geht: Einer der Hauptdarsteller kommt in der deutschen Synchronisation dieser Serien immer mit der gleichen Stimme daher. Es ist Konrad Bösherz. Die Stimme ist klasse, keine Frage, die Synchroarbeit toll – aber ich frage mich, nicht nur bei diesen Serien: Haben wir keine Synchronsprecher? Gefühlt tauchen immer die gleichen zehn Sprecherinnen und Sprecher auf. Das nervt.

Jetzt kann man natürlich sagen: ‚Dann schau‘ doch das Original‘. Geschenkt. Sicher gibt’s Serien, die ich mir gerne im Original anschaue, wie „Twin Peaks“, oder „The Walking Dead“. Aber wenn die deutsche Fassung schon gleichzeitig verfügbar ist, kann man sich’s auch einfach(er) machen. Nur: Einerseits ist die deutsche Synchroqualität zwar ausgezeichnet (warum Deutschland eine so ausgeprägte Synchrokultur hat, hat das Goethe Institut hier erklärt), andererseits aber sind’s eben gefühlt immer die gleichen Sprecher. Einige Beispiele.

Konrad Bösherz habe ich ja gerade schon erwähnt. Die oben genannte Serienliste lässt sich problemlos erweitern: Er spricht Danny Rand in „Marvel’s Iron Fist“ (ich wünsche den deutschen Synchrostudios ein Crossover mit S.H.I.E.L.D. …), Edward Nygma in Gotham, Ramsay Bolton in „Game of Thrones“ oder Cole in „Scrubs“. Alles mitunter verschiedene Typen, die aber trotzdem mit den gleichen Stimmen daher kommen.

Oder Ulrike Stürzbecher. Sie ist zum Beispiel die Stimme der Schauspielerinnen Patricia Arquette, Kate Winslet und Jennifer Aniston. Zuletzt habe ich sie als Rachel Kennedy in „Goliath“ und als Sammy in „Dirk Gently’s holistische Detektei“ gehört. Zudem hat sie ein Dauerabo auf „American Horror Story“ – zuletzt war sie in praktisch jeder Staffel zu hören.

Tim Knauer ist „Daredevil“, aber außerdem auch David Haller in „LEGION“, Superman in „Supergirl“ und Troy Januzzi in „Star Trek: Discovery“.

Keine Frage: Die Stimmen für sich sind alle toll, passen m. E. auch fast immer gut zu den Charakteren. Dass die Syncho auch technisch gut umgesetzt ist, steht meistens ebenfalls außer Frage. Nur: Warum müssen es für die Hauptfiguren immer die gleichen Stimmen sein? Ich meine, es sind ja auch nicht immer die gleichen Schauspieler, die diese Typen verkörpern – im Gegenteil: Mit dem Serienhype kommen auch immer mehr unbekannte Schauspieler zum Zuge. Klar ist nur: Mit der rasant wachsenden Zahl an neuen Serien haben die deutschen Synchrostudios offensichtlich so ihre Probleme. Das merkt man vor allem bei neuen Netflixserien: Sie scheinen immer häufiger im Schnellverfahren umgesetzt zu sein – bei der wachsenden Zahl an neuen Serien kein Wunder. Immer häufiger ist eine gewisse Distanz zwischen den Stimmen und der eigentlichen Tonspur zu spüren. Und die Synchostudios müssen immer schneller werden: Mittlerweile erscheinen neue Serien bei Netflix oder Amazon ja praktisch zeitgleich zum US-Start. Welche Vorarbeit unter Zeitdruck da ansteht, haben wir schonmal für „The Walking Dead“ dokumentiert. Schlimm wird’s, wenn etablierte Sprecher aus Produktionen herausgenommen werden und durch andere Sprecher ersetzt werden – Akte X 2016 war ein passendes Beispiel dafür.

Was die Arbeit der Synchrostudios angeht, so zeigt sich offensichtlich: Sie kommen mit dem Besetzen der neuen Figuren und Schauspieler nicht nach. Das ist schade, denn ich glaube, dass der Markt an Sprechern in Deutschland groß genug ist. Die Fernsehlandschaft verändert sich rasant: Serien haben dem Film den Rang abgelaufen. Das schafft mehr Vielfalt – Vielfalt, die auch die Synchrostudios bedienen müssen. Da ist offensichtlich strukturell noch viel Arbeit zu leisten.

6 Kommentare

  • Auch schlimm: Howard Wolowitz als Star Wars Bösewicht…

  • Wenn es mir nicht soviel Arbeit machen würde, hätte ich schon lange mal eine Neusynchro einer Walking Dead Episode vorgenommen. Mit einer vierjährigen Tochter an der Seite merkt man schnell wieviele Synchros der Serie auch teils skurile Zeichentrick/Kleinkinderserienrollen sprechen. Da gbt es z.B. Rick als Vater einer Dinofamilie im Dino-Zug uswusf… :)

  • Mein Synchrofail ist Dr. House. Die Stimme ist Klasse. Hugh Laurie ist super getroffen. Aber man hört ihn inzwischen in jeder zweiten deutschen Synchroproduktion. https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Dieter_Klebsch

    Ich könnte glatt abschalten, wenn ich „Dr. House“ mit anderem Gesicht sehe… Insofern volle Zustimmung @ Autor

  • Ich stimme voll und ganz zu. Ich kann inzwischen nicht mehr wirklich auf deutsch gucken, weil es so lieblos eingesprochen ist. Man merkt, dass die Sprecher keine Zeit für die Aufnahmen hatten und direkt der erste Take genommen wurde… Vor allem kleinere Nebenrollen wirken einfach so dahergesprochen. Als hätte man es mal eben ins Handy gesprochen und rübergeschickt…

    Schade. Denn gerade Synchronstimmen können eine Serie noch besser machen. So wie es damals bei Akte X oder so war… Aber heutzutage kommen lieblose-schnelle Übersetzungen zusammen mit Zeit-ist-Geld-Sprachaufnahmen und verringern die Qualität und die Lust auf Serien :/

    Also – vielen Dank für den Beitrag! Du hast so Recht!

  • Allesderselbescheixx

    Ganz schlimm: Fernseher steht hinter mir und in jeder 2. Serie spricht Peter Flechtner den „schlanken, mittelalten Vater“ und ich denke jedesmal dass eine meiner derzeitigen Lieblingsserien (Modern Family) läuft, wo er Phil Dunfy spricht. Genauso wird Sonja Spuhl („Penny“ in BBT) für gefühlt jede attraktive Blondine gecastet und ich denke jedesmal dass ich aus Versehen auf Pro7 umgeschaltet habe, Kai Taschner („Rick“ aus „Rick und Morty“) wird für jeden rauhbeinigen oder schrägen Opa verwurstet und das nur jede 3. Dokumentation NICHT von Christian Brückner bedächtig vollgeschwurbelt wird geht mir inzwischen voll auf die Nüsse.

    Nach den ganzen Synchronstimmenkatastrophen der vergangen Jahre bin ich immer mehr dazu übergegangen, mir die Sch… in der Originalfassung anzusehen. Die Schauspieler in der Gänze ihrer Performance zu geniessen war überwiegend eine Offenbarung aber leider kann man ja nicht jede Staffel jeder gewünschten Serie und sämtliche Filme auf DVD haben. Manchmal möchte man sich einfach automatisch mit Programm bespülen lassen und das ist mittlerweile schon verwirrend genug wenn man tatsächlich auf den Fernseher schaut. Schaut man allerdings nicht hin hat man permanent (und völlig zurecht) das Gefühl im falschen Film zu sein.

  • Das stört mich auch, dass immer wieder dieselben Sprecher/Sprecherinnen zu hören sind.
    Eigentlich wäre das noch nachvollziehbar, da viele der alten Garde inzwischen in Rente/verstorben sind.
    Aber: In die Branche kommt man nur über Kontakte. Viele Sprecher/Sprecherinnen sind „Tochter von …“ oder „Sohn von …“ , was mich am meisten aufregt.
    Neue Stimmen werden gar nicht erst zugelassen.
    Das ist ja beinahe wie eine Zensur.

    Herzliche Grüße

    Andrea


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