Regionale und individuelle Serienideen brauchen ihren Platz

Kommentar: Gebt kleinen Serienideen eine Chance

Spoilerfrei
Michael
25.10.18

In der letzter Zeit freue ich mich sehr über viele kleine Serien, die ich eher beiläufig beim Durchklicken bei Netflix und Amazon entdecke. Ist doch erfreulich, dass die großen Streaminganbieter eben nicht nur auf die großen Nummern unter den Serienproduktionen setzen, sondern auch kleinen Serienstoff-Ideen eine Chance geben. Und dass sie auf regionale Produktionen setzen. Netflix betriebt das ja ganz exzessiv – vorhin erst noch wurden fünf neue deutsche Produktionen angekündigt. Regional und individuell – das muss so bleiben.

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Zuletzt habe ich „Forever“ auf Amazon geschaut, eine achtteilige Comedy von Alan Yang, von dem unter anderem auch „Master of None“ stammt. Davor waren es Serien wie „Fleabag“ und „Red Oaks“ auf Amazon oder „Gypsy“ und „LOVE“ auf Netflix – alles Serienstoffe, die in der alten Fernsehwelt wahrscheinlich kaum eine Chance gehabt hätten. Da brauchte es Serien, die Einschaltquote brachten, um die Werbeplätze dazwischen zu füllen. Sendezeit war kostbar, also wurde lieber noch eine Staffel „LOST“ nachgeschoben als auf ein neues, kleines Format zu setzen, das vielleicht nicht so viel Einschaltquote gebracht hätte, aber sicher mehr hätte erzählen können als der durchwachsene Rest von „LOST“ – ich habe das bei der letzten Folge von WXYSMA zu „LOST“ thematisiert.

Auch heute noch gibt es die werbefinanzierten TV-Sender, doch selbst hier gibt es mittlerweile Chancen für kleinere Serienstories. Aber: Sie verlagern das weniger Publikumsträchtige in ihre Webangebote. Kann man verstehen: Für das Standardprogramm wären „Fleabag“ & Co. vermutlich dann auch zu ambitioniert.

Wie sieht das in Deutschland aus? Dank funk und ZDFneo gibt es zwei wunderbare Plattformen, um kleine Serienideen zu verwirklichen. Dazu Netflix mit den 5 neuen Serienideen, die alle erst einmal nicht nach großen Nummern klingen – sondern Hoffnung machen auf gut erzählte serielle Geschichten, denn immerhin sind Wiedemann & Berg („4BLOCKS“) sowie die bildundtonfabrik („Neo Magazin Royale“) beteiligt. Aber auch bisher eher weniger bekannten Produktionsgesellschaften wird hier eine Chance gegeben – gut so. Und: Drumherum tummeln sich viele spannende Webformate, die es ebenfalls zu entdecken gilt – an dieser Stelle sei das Angebot unserer lieben Freunde von „UnsereSerien“ empfohlen, die regelmäßig Web-Serienperlen präsentieren.

Letztlich liegt es natürlich auch an uns Serienkonsumenten, wie sich das Angebot entwickeln wird. Wenn wir immer nur bei „The Walking Dead“ Staffel X einschalten oder bei „Game of Thrones“ Staffel Y, könnten es weniger mainstreamige Stoffe schwerhaben. Wer aber bei Netflix und Amazon einfach mal genauer hinschaut und sich etwas heraussucht, was so ganz abseits des großen Serienkanons liegt, wird den Streaming-Diensten zeigen, dass sie sich weiter trauen sollten, eine Nische und etwas Budget für diese regionalen und individuellen Stoffe freizuhalten. Und er wird sicher das eine oder andere Kleinod entdecken und begeistert sein. Wer sich das nicht traut, der ist noch nicht aus dem Schneider: Wir werden hier weiterhin die entsprechenden Tipps geben; damit kleine Serien weiterleben können – wie „Forever“.

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