Serientipp für Liebhaber animierter Kurzfilme

Review: Love, Death & Robots – Staffel 1

Spoilerfrei
Maik
28.03.19

Etwas verspätet hatte ich damit begonnen, die jüngst auf Netflix gestartete Kurzfilm-Reihe „Love, Death & Robots“ anzuschauen, aber binnen weniger Tage war ich durch. Gut, die 18 Kurzfilme haben jeweils gerademal eine Spieldauer von 6 bis 17 Minuten (minus Abspann), so dass man zusammengerechnet auf genau 220 Minuten, also netto vermutlich nicht einmal 3,5 Stunden, kommt, was im Grunde genommen auch nur ein „Herr der Ringe“-Film ist. Aber mein „Durchhaltevermögen“ basierte weniger auf der Kürze, sondern vielmehr an der inspirierenden Vielfalt, die einem im Zuge dessen geboten wurde.

„Diese nicht jugendfreie Animationsanthologie von Tim Miller und David Fincher ist eine Mischung aus Kreaturen des Schreckens, bösen Überraschungen und schwarzem Humor.“

Über die Hintergründe hatte ich ja bereits im Zuge des Trailers erzählt. „Love, Death & Robots“ ist im Grunde genommen ein modernes Remake des 1981er Anthologie-Filmes „Heavy Metal“ (jetzt erkläre ich ja doch wieder…). Wichtig zu wissen ist eigentlich nur, dass sämtliche 18 Kurzfilme ihre eigene abgeschlossene Geschichte, einen eigenen Darstellungsstil und keine Überschneidungen haben. Bis auf das grobe Setting: Science Fiction mit Liebe (= Sex!), Tod (= Gewalt!) und Robotern (= Roboter in allen erdenklichen Formen).

Punkt 1: Der Inhalt

Natürlich ist ein Kurzfilm nur so gut wie seine Story. Da hat „Love, Death & Robots“ so einiges zu bieten, auch wenn nicht jeder der 18 Titel ein Volltreffer ist. Meine Favoriten waren die Filme #2 „Three Robots“, #3 „The Witness“, #4 „Suits“, #13 „Lucky 13“ und #14 „Zima Blue“. Letzteres, obwohl mir der Animationsstil nicht wirklich zugesagt hat. Allgemein sei nochmals wiederholt, dass vor allem die ersten beiden Teile des Anthologie-Titels sehr auf die NSFW-FSK18-R-Rated-Was-auch-immer-aber-halt-nicht-jugendfrei-Tube drücken. Beim ersten zu sehenden Nippel ist man noch etwas überrascht, so etwas in einem sonst eher prüden amerikanisierten Format zu sehen (ist aber ja auch eine internationale Co-Produktion), spätestens zwei Filme weiter ist man bereits etwas abgestumpft. Die Gewalt hat es gewaltig in sich, obwohl wir eigentlich immer animierte Wesen zu sehen bekommen (wirkliche Schauspieler gibt es nur in #16 „Ice Age“ zu sehen).

Allgemein gilt: Wer auf ausgefallene Science-Fiction-Stories steht, die mal eher klassisch anmutende und mal total ausgeflippte Settings bedienen, der wird schon fündig werden. Ob ein Joghurt, der die Weltherrschaft an sich reißt, sechs alternative Timelines, die entstanden wären, wenn Hitler auf diverse Arten gestorben wäre, oder ein eigenes Miniatur-Volk im Gefrierfach – da ist für jeden was dabei!

Sex- und Gewalt-loseste Kurzfilme

Hier ein kleiner Exkurs, da ich überlegt hatte, die Serie zunächst mit meinem Lieblingsmädchen zu schauen, die Blutdarstellungen nicht so wirklich mag. Falls ihr vorab bereits checken wollt, welche der Kurzfilme ihr selbst oder mit wem ihr sie ggf. schauen könnt – hier eine grobe Einteilung, die total subjektiv und ohne Gewähr erfolgt:

So ziemlich komplett ohne Sex und Gewalt:
#2 „Three Robots“
#6 „When the Yogurt Took Over“
#14 „Zima Blue“
#16 „Ice Age“
Ohne ausführliche Erotik-Darstellungen:
#4 „Suits“
#5 „Sucker Of Souls“
#9 „The Dump“
#11 „Helping Hand“
#12 „Fish Night“
#13 „Lucky 13“
#15 „Blind Spot“
#18 „The Secret War“
Ohne brutale Gewaltdarstellung über Sonntags-Krimi-Niveau:
#3 „The Witness“
#7 „Beyond the Aquila Rift“

(Ob die Episodentitel bei euch identisch sind, kann ich nicht sagen – Netflix hat anscheinend mit der Reihenfolge experimentiert…)

Richtige Totalausfälle gab es meiner Meinung nach keine, vermutlich auch in dem Wissen, dass es ja spätestens nach einer Viertelstunde wieder vorbei ist. Vermutlich mochte ich das abschließende „The Secret War“ (#18) noch am wenigsten. Aber selbst bei den Kurzfilmen, die einen inhaltlich nicht komplett abholen, hat man ja noch immer die CGI, an der man sich sattsehen kann.

Punkt 2: Die Darstellung

Ich bin ein kreativer Typ und Fan von Animationskunst und Kollaborationen. Alle paar Minuten einen anderen Darstellungsstil sehen zu können ist für mich recht aufregend und inspirierend, vor allem, da der Großteil der Filme absolut State-of-the-Art ist. Da sind schon einige fotorealistische Aufnahmen dabei, wo man genauer hinschauen muss, um feststellen zu können, ob das nun CGI oder Realfilm ist, das man da gerade sieht. Und auch bei den offenkundig künstlichen Darstellungen sind viele Variationen dabei: Comic, Cellshading, Animé, 3D – ein schöner Querschnitt durch das Animations-Genre.

Dazu gefällt mir das Gesamt-Designkonzept des Formates sehr. Die drei an einarmige Banditen erinnernden Icons, die je nach Kurzfilm-Titel anderweitig zusammengestellt werden. Die Sound- und Bewegungs-Effekte, die die ganze Typografie und Iconografie rund um die eigentlichen Filme vornimmt – vorzüglich!

Insgesamt war diese „Staffel“ von „Love, Death & Robots“ ein wilder Ritt, der viel zu bieten hatte. Da die Einzelfolgen natürlich sehr variieren, was Story-Qualität und subjektivem Gefallen hinsichtlich des jeweiligen Darstellungsstiles anbelangt, ist es schwer, hier eine Bestpunktzahl zu geben. Aber das Gesamtprojekt hat meine hohen Erwartungen auf alle Fälle erfüllen können. Der ein oder andere Twist war mir persönlich zu ersichtlich und gerade in diesen „WTF?!“-Momenten hätte ich mir etwas mehr „Black Mirror“-esques gewünscht, aber da waren schon ein paar schöne Momente bei. Stets begleitet von dieser gewissen Comic-Coolness und einer zukunftsgerichteten Fantasie, die einem offenbart, was aus künstlicher Intelligenz noch alles so werden könnte.

Seit 15. März kann man alle 18 Kurzfilme der ersten Staffel auf Netflix ansehen.

„Love, Death & Robots“ Staffel 2?

Aktuell ist nicht bekannt, ob Netflix den Auftrag zur Produktion einer weiteren Kurzfilm-Welle in Auftrag geben wird. Die Kritiken sind gut (aktuelles IMDb-Rating von 8,9 bei 28.536 Votes) und die Fans wollen mehr, von daher dürfte die Ausgangssituation auf jeden Fall besser als vor dieser verzögerten Jungfernfahrt einer FSK18-Anthologie werden, von daher dürfen wir uns sicherlich berechtigte Hoffnungen machen. Allerdings nicht auf einen schnellen Nachwurf, denn die vor allem grafische Umsetzung dauert deutlich länger, als der Dreh einer Sitcom. Gerade um die Qualität aufrecht zu erhalten oder gar steigern zu können, hätte ich nichts dagegen, wenn man sich, zwei, drei Jahre Zeit ließe. Aber dann bitte ich doch dringlichst um Nachschub…

UPDATE [12.06.2019, 08:04 Uhr]: Netflix hat bekannt gegeben, dass eine zweite Staffel gemacht wird.

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4 Kommentare

  • Bei Lucky 13 irrst du dich, glaube ich. Zumindest wenn man den Cast auf https://www.imdb.com/title/tt9788508/ betrachtet. Durchweg (Voice)

    • Da war ich nach dem Schauen eigentlich auch von ausgegangen, aber bei Wikipedia steht „Die Serie kommt nahezu ohne echte Darsteller aus. Bis auf die Folgen Eiszeit mit Mary Elizabeth Winstead und Topher Grace sowie Raumschiff Nr. 13 (u. a. mit Samira Wiley) wurde jede der zwischen sechs und 17 Minuten langen Episoden vollständig animiert.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Love,_Death_%26_Robots). Vermutlich hat sich da wer vom fotorealistischen Stil blenden lassen… :/

  • Die Bewegungen sehen für mich nicht nach Real aus, als Beispiele, der Asiate im Hangar, oder bei ca. 7:15 der Vorgesetzte. Sehr gute CGI, aber definitiv nicht Real.

    • Ne, ist auch auf keinen Fall real, wie geschrieben, war ich danach auch der festen Überzeugung, dass es zwar sehr gute, aber eben CGI ist. Die Formulung auf Wikipedia klang aber so, als könnten einzelne Teile real gewesen sein, daher vertraute ich da mal drauf, ohne jetzt den kompletten Kurzfilm nochmal Szene für Szene durchzugehen und zu schauen, wo das denn nun der Fall sein könnte.



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