Eine Dekade und 13 Folgen aus Sicht des serieslyAWESOME-Teams

Unsere persönlichen Erinnerungen an 10 Jahre „SHERLOCK“

Mini-Spoiler
Michael
25.07.20

Happy Birthday, SHERLOCK! Heute vor 10 Jahren feierte die Serie mit Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als Dr. John Watson ihre Premiere bei BBC One, mit der Folge „A Study in Pink“, die auf der ursprünglich 1887 verfassten Geschichte „A Study in Scarlet“ beruht. 13 Folgen wurden uns seitdem von den Produzenten und Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss serviert, jeweils 3 in den Jahren 2010, 2012, 2014 und 2017, dazwischen mit dem Special „The Abominable Bride“ im Jahr 2016. Seit der Folge „The Final Problem“ gab’s keine weiteren Versuche, die Serie weiterzuführen, was vor allem dem vollen Terminkalender der beiden Hauptfiguren geschuldet ist.

Ursprünglich hätten wir übrigens sogar nur einen 60-Minuten-Fernsehfilm präsentiert bekommen. Die BBC hatte 800.000 Pfund in den Film investiert, er entsprach aber nicht den Erwartungen. Also wurde die Folge neu geschnitten, teilweise in Tempo und Witz neu inszeniert und um wichtige Elemente wie die eingeblendeten Textnachrichten und andere Kleinigkeiten erweitert, die aus „SHERLOCK“ das machen, was viele von uns lieben gelernt haben (mehr dazu im unterhaltsamen Bericht von Mark Lawson im The Guardian). Hier überzeugt einfach das Gesamtpaket – Story, Inszenierung, Cast, Score usw.

Für die deutschen Zuschauer wurde die Veröffentlichungspolitik der ARD übrigens zur Geduldsprobe: Staffel 1 wurde fast genau auf den Tag ein Jahr später in Deutschland ausgestrahlt, bei den späteren Folgen war es dann immerhin „nur“ noch ein halbes Jahr – wobei auch das oftmals lange unausgesprochen blieb. Selbst das war für mich allerdings zu lange, so dass ich im Prinzip alle Folge im Original gesehen habe. Soll aber auch in der deutschen Synchro ganz gut sein. ;-)

Aber egal, welche Fassung wir gesehen haben: Fast jeder aus unserem AWESOME-Team hat besondere Erinnerungen an „SHERLOCK“, die wir in diesem Beitrag zusammengestellt haben. Eine gute Gelegenheit, an die vielen tollen Momente zurückzudenken, und – ja, „SHERLOCK“ direkt mal auf die Rewatch-Liste zu setzen. Netflix hat aktuell alle 13 Folgen im Programm. Los geht’s…

Susannes Höhepunkt: „Study in Pink“ (S01E01)

Als ich 1994 in der 221B Baker Street, London war, hatten für mich die Bücher von Sir Arthur Conan Doyle bereits eine besondere Bedeutung. Eine Fernsehserie darüber zu gucken war also ein echtes Risiko. Aber schon ab der ersten Folge haben mich die Darstellung und das Zusammenspiel von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman stark überzeugt. Gibt es Abweichungen? Natürlich! Sind die schlimm? Nein, denn das originale Feeling wurde in Spielfilmlänge eingefangen und das Bedürfnis an subtilem Humor und britischem Akzent wird befriedigt. Und wenn ich daran denke, wie eines Tages Watson durch die Tür kommt und Sherlock ihn verdutzt fragt: „Bilbo? Bist du das?“, macht mein Nerdmädchenherz einen riesigen Luftsprung!

Fabios Höhepunkt: „The Hounds of Baskerville“ (S02E02)

Meine Freundin ist ein großer Sherlock Holmes Fan. Sie war es auch, die mich an die Neuinterpretation mit Benedict Cumberbatch herangeführt hat. Von ihrer Begeisterung für die Serie angesteckt, konnte auch ich mich schon bald nicht mehr der gelungenen Serienadaption des britischen Meisterdetektivs entziehen. Im Anschluss an jede Folge schob sie immer ihr Fachwissen nach und zählte Parallelen zu den Romanen von Arthur Conan Doyle auf. Abgesehen vom starken Finale ist mir besonders die Folge „Der Hund von Baskerville“ in Erinnerung geblieben. Insbesondere weil sie mit einigen schaurigen Horrorelementen aufwartet und es Sherlock und Dr. Watson raus aus London ins ländliche Dartmoor verschlägt. In der Episode sucht ein gewisser Henry Knight den genialen Ermittler und seinen Partner auf, um den Tod seines Vaters aufzuklären, der vor vielen Jahren in düsteren Sümpfen von einer unbekannten Kreatur zerfleischt wurde. Die Folge mag in puncto Struktur und Twists mit anderen zwar nicht mithalten, aber gerade die unheimliche Atmosphäre und der schmale Grat zwischen Realität und Wahnsinn haben mich überzeugt.

Sherlock The Hounds of Baskerville

Leonies Höhepunkt: Auch „The Hounds of Baskerville“ (S02E02)

So sehr ich wünschte, ich müsste nicht die gleiche Folge nehmen wie Fabio, aber mein Highlight ist leider indiskutabel. Schon allein, weil ich „Sherlock“ immer noch nicht komplett gesehen habe, die ersten Staffeln schon ein paar Jährchen her sind und ich daher nicht aus einem großen Erinnerungsschatz schöpfen kann.

Die Szene am Anfang der Folge „The Hounds of Baskerville“ ist mir jedoch nicht nur im Gedächtnis geblieben, ich weiß auch noch, wie ich damals komplett überrascht von diesem Comedy-Moment war und spontan ein lauter Lacher aus meiner Kehle kam. Watson sitzt am Schreibtisch, die Tür geht auf und man sieht Sherlocks Beine sowie das Ende eines dicken Stabs. Watson blickt zu Sherlock hinauf, Überraschung und ein kleiner Schreck steht ihm im Gesicht, dann fährt die Kamera an Sherlocks Beinen hoch – Sherlocks Oberkörper und Gesicht sind komplett blutverschmiert, der Stab hat oben einen Haken und ist ebenfalls voller Blut.

Sherlock (außer Atem):“War das ein Stress!“
Watson: „Sind Sie etwa so U-Bahn gefahren?“
Sherlock: „Taxis wollten mich nicht mitnehmen!“

Ich liebe das Überraschungsmoment in dieser Szene und auch, dass soweit ich mich erinnere nicht aufgeklärt wird, warum Sherlock überhaupt so blutverschmiert war. Oder war da doch etwas mit einem Wildschwein? Vielleicht weiß das ja von euch jemand ;)

Maiks Höhepunkt: „The Reichenbach Fall“ (S02E03)

Dann schließe ich doch direkt mal bei Fabio an, denn mein persönliches „Sherlock“-Highlight ist die Folge drauf – „Der Reichenbachfall“. Vor allem natürlich die letzten Minuten dieser Folge. Denn vermutlich bin ich nicht der Einzige, den diese etwas ratlos zurückgelassen haben. Irgendwie war einem ja klar, dass es das nicht gewesen sein konnte, nachdem Sherlock Holmes da vom Gebäude gesprungen ist, aber die Frage, die sich einem quälend lang stellte, war ganz einfach: wie? Rund zwei Jahre mussten wir auf die Auflösung warten und „durften“ rätseln. Als Michael mit der Idee eines Jubiläums-Beitrages auf uns zukam, ist mir jedenfalls direkt diese Szene hier in den Kopf gesprungen:

Gehässig könnte man meinen, dass das der Beginn des Absturzes von „Sherlock“ war. Ja, auch die Staffeln Drei und Vier waren gutes Fernsehen, an die konsequente Erzählweise und den frischen Esprit der ersten kam man aber nicht mehr wirklich dran. Nicht umsonst besitzt „The Reichenbach Fall“ mit 9,7 noch immer die höchste Wertung aller Episoden auf IMDb.

Michaels Höhepunkt: I want to break free – der Auftritt des Jim Moriarty (S04E03)

Von Anfang an fand ich die Figur des Jim Moriarty in „Sherlock“ absolut faszinierend. Er käm irgendwie sympathisch und gleichzeitig total beängstigend rüber. Wobei die Figur natürlich extrem von der Darstellung durch Andrew Scott profitiert. Man hätte wohl keinen besseren Darsteller für ihn finden können. Moriarty selbst bezeichnete sich an einer Stelle einmal als das dunkle Spiegelbild von Sherlock Holmes – und es wird zu seiner Passion, sich mit diesem Spiegelbild einen Wettkampf zu liefern, auf Leben und Tod. Das ist das Spannende – beide sterben vermeintlich in der Serie, aber die Wege der beiden kreuzen sich dennoch immer wieder. Dabei sind natürlich fast alle Auftritte Moriartys in den späteren Staffeln fast ausnahmslos echte Überraschungen. Mein Highlight ist dabei sein Auftritt in S04E03 – „The Final Problem“. Mitten in der Folge taucht er auf einmal per Helikopter auf der Insel auf, hört Queens „I want to break free“ (das freut mich als Queen-Fan natürlich ganz besonders) und präsentiert sich auch als der ganz große Showman, mit typischen Freddie Mercury-Posen – AWESOME! Und die klasse Auflösung: Erst später erfahren wir durch eine einfache Einblendung, dass diese Landung 5 Jahre her ist.

Kiras Höhepunkt: „The Lying Detective“ (S04E02)

So genial wie die Figur des Sherlocks Holmes ist für mich die Verkörperung dessen durch Benedict Cumberbatch. Es gibt kaum einen so genialen Schauspieler wie ihn und allein wegen seines umheimlich großen Talents lohnt es sich schon, alle Episoden von „Sherlock“ rauf und runter zu sehen. Sehr gut erinnere ich mich noch daran, wie ich mich während und nach der zweiten Folge der vierten Staffel („The Lying Detective“) kaum noch einkriegen konnte, weil ich so begeistert von diesem Kunstwerk war. Tolle Schauspieler mit Cumblebuff und Martin Freeman, aber auch mit Toby Jones als ultimativem Bösewicht, super Kamera, irgendwie viel und drüber, aber SO unterhaltsam, dass man es nur lieben kann.

Kiras Gänsehautmoment: Szene aus „The Final Problem“ (S04E03)

Und wenn man dann ganz geflasht von dieser Folge in die nächste schlittert, kann man in S04E03 gleich noch eine grandiose Szene sehen. In „The Final Problem“ trifft Sherlock auf seine Schwester Eurus, die ein bisschen was vom „The Ring“-Mädchen hat. Als Sherlock sie in ihrer Zelle auf einer abgelegenen Insel aufsucht und sich ihre Hände durch die vermeintliche Glasscheibe, die die beiden voneinander trennt, berühren, bleibt einem kurz die Luft weg. Starke Szene, bei der ich jedes Mal wieder Gänsehaut bekomme.

6 Kommentare

  • Kontroverse Meinung: Ich fand die Serie nie wirklich großartig. Die Hauptdarsteller waren zwar hervorragend und oftmals war es zumindest unterhaltsam genug, um immer wieder einzuschalten, aber es hat sich schon oft deutlich so angefühlt, als ob die Macher zu sehr von ihrer Cleverness überzeugt waren, ohne wirklich liefern zu können. Mehr als einmal hatte ich die Fälle schon gelöst, bevor Sherlock auch nur den ersten Zusammenhang entschlüsselt hatte. (Und ich bin wirklich kein Sherlock Holmes Experte, der alle Fälle kennt)

    Richtig ärgerlich wurde es dann ab „Sein letzter Schwur“. Das Ende der Folge war so ein frustrierender shock-for-the-sake-of-shock Twist, von dem sich die Serie nie erholte. „Die Braut des Grauens“ war z.B. reine Zeitverschwendung, bei der man uns einen Fall präsentierte, der am Ende komplett irrelevant war. Und „Das letze Problem“ war zwar recht spannend, aber in der Post-„Sieben“ und „Saw“ Welt, haben „Psychopathen, die tödliche Spiele spielen“ Plots jeden Reiz verloren.

    Ich bin ganz ehrlich, was moderne Sherlock Holmes Adaptionen angeht, hat mir „Elementary“ mehr Freude bereitet. Die Serie war oft cleverer als man es von einem US Network Procedural erwarten sollte, die Hauptdarsteller hatten eine großartige Chemie (auch wenn sie gegenüber Cumberbatch und Freeman verblassen) und als die Produzenten das Luxusproblem hatten, noch eine Staffel geordert zu bekommen, nachdem sie ein perfektes Ende erstellt hatten, gab es keinen Qualitätseinbruch.

    Trotzdem, ich will nicht zu sehr auf „Sherlock“ herumhacken. Die Reihe hatte durchaus ihre Qualitäten und dass ich sie mir tatsächlich bis zum Ende (?) angesehen habe, ist schon ein guter Beweis dafür. Hab nicht so viel Zeit für Serien, die mir so gar nichts geben.

    • Holden, wie haben Dir denn die Filmversionen mir Robert Downey Jr. gefallen? Das war ja auch mal ein ‚etwas anderer‘ Ansatz. :-)

      • Die fand ich erstaunlich gut. Es hat mich überrascht, wie sehr sie ein typischer Sherlock Holmes waren, trotz des Fokus auf Action und Abenteuer. Sehr clever fand ich auch, dass Teil 1 quasi als „Fluch der Karibik, aber mit Sherlock“ vermarktet wurde, was einen tatsächlich bis zum Ende mitraten ließ, ob es nicht vielleicht doch eine übernatürliche Erklärung für die Geschehnisse gab. Ich hoffe, die kriegen bald mal ihren Arsch hoch und machen sich an Teil 3!

      • Da sind wir einer Meinung – mir haben die beiden Filme auch sehr gut gefallen, und über einen dritten Film würde ich mich auch extrem freuen. :-)

  • Teile eure Einschätzung, dass die „Staffeln“ 1 & 2 mega waren! Der Rest war gute Unterhaltung, aber doch etwas „zu bemüht“. Würde mich trotzdem jederzeit über noch eine Folge freuen…


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