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Wird die Moordale Secondary zur Sparkside Academy?

Review: Sex Education – Staffel 3

26.09.21 16:51
ReviewSerienSex Education
Mini-Spoiler
Chris
26.09.21

Januar 2020 – so lang ist es her, dass die zweite Staffel von „Sex Education“ ausgestrahlt wurde. Wir Fans mussten nun also über eineinhalb Jahre auf die Fortsetzung warten, die jetzt endlich am 17. September 2021 auch ihren Weg via Netflix auf unsere Bildschirme fand. Nicht zuletzt war dieser verspätete Start auch wieder, wie so vieles, der Corona-Pandemie geschuldet. Ganz einfach deshalb, weil die Dreharbeiten unter den nötigen Hygiene- und Abstandsregularien erst im September 2020 beginnen konnten. Doch genug der Klagen, freuen wir uns über den langersehnten Start von Staffel drei und schauen doch einmal, was diese so an Neuigkeiten und Inhalten mit sich bringt.

Klar, unsere Helden vergangener Staffeln sind auch wieder mit von der Partie. Otis ist immer noch der Sohn der weithin bekannten Sextherapeutin Jean Milburn, aber nicht mehr ganz so sexuell unerfahren wie noch in der ersten Staffel. Sein mit Maeve gegründeter „Sextherapiedienst“, der den Mitschülern der Moordale Secondary bei der Bewältigung ihrer Probleme half – nicht ganz uneigennützig, da gegen Bezahlung – wurde unlängst wieder eingestellt. Die Probleme aller Pubertierenden bleiben trotzdem bestehen oder verschlimmern sich gar, wenn eben niemand mehr da ist, der mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es klemmt, drückt oder sich irgendwelche bunten Ausschläge an unpassenden Körperstellen zeigen. Als hätte die Gruppe um Otis, Eric, Maeve und Ola nicht schon genug um die Ohren, kommt es auch noch zum längst überfälligen Wechsel der Schulleitung. Rektorin Hope tritt auf den Plan. Dies bleibt nicht ohne Folgen, wie sich von Episode zu Episode mehr zeigt.

„Nennt mich Hope“ verfolgt nämlich einen Plan, einen ziemlich großen sogar. Denn sie ist eine Reformerin, eine top beurteilte Organisatorin, die man dann ruft, wenn es brennt. Oder besser noch: wenn alles in helllichten Flammen steht, kommt Hope, löscht, rettet alle und glänzt dabei. So wirkt sie zumindest beim ersten großangelegten Auftritt vor ihren Schüler:innen. Als Reformatorin hat sie natürlich ganz klar visualisiert, was da noch zu retten ist. Diese Schule braucht keinen Neuanstrich, sondern eine starke Hand und glasklare Regeln, die auch mit allen Konsequenzen durchgezogen werden müssen, komme was da wolle. Der schlechte Ruf des Moordale Gymnasiums als Sexschule muss weg, so verlangen es die Investoren. Nicht einfach, wenn die Hormone der Schüler:innen ohnehin schon verrückt spielen und die Einführung von Schuluniformen in der bunten Schülerschaft noch mit das kleinste Problem darstellt. Hope gibt zumindest alles und schwere Zeiten kommen auf Otis und seine Freunde zu. Schließlich weiß die neue Chefin ganz genau, mit wem sie es zu tun hat, kennt also Otis und dessen Mutter. Ganz Powerfrau erklärt sie beispielsweise Jean stolz, dass sie deren Buch zwar kenne, es aber natürlich nur überflogen, keinesfalls gelesen hat. Sie habe ja Wichtigeres zu tun. Zack, das hat gesessen! Was genau sie plant, wird selbstverständlich nicht verraten. Im Laufe der Serie lernen wir noch mehr über Hope und ihre Beweggründe, das zu tun, was sie eben tut, kennen. Vielleicht kann der eine oder andere sie dadurch besser verstehen.

Das Leben der Schüler:innen geht natürlich trotzdem weiter. Für Eric steht eine Reise in sein Heimatland Nigeria an, denn dort gilt es einer traditionellen Hochzeit beizuwohnen. Wie wir erfahren, gibt es dort, sehr gelinde gesagt, keinesfalls Verständnis für Homosexuelle. Kein Wunder, dass seine Mutter ihm einbläut, sich keinesfalls „Eric-typisch“ zu benehmen oder zu kleiden. Seine sexuelle Ausrichtung soll er deswegen verstecken und keinesfalls ausleben. Eric ist seinerseits in festen Händen, hat er doch eine zaghafte Romanze mit Adam am Laufen. Deshalb ist diese Reise nach Nigeria auch schon unpassend, trennt sie doch zwangsweise das junge Paar für einen gewissen Zeitraum, worunter jedoch Adam mehr leidet als Eric selbst.

Adam wiederum, der Sohn des ehemaligen Rektors Michael Groff, hat sich vom Krawallo-Schulfiesling zum doch recht feinsinnigen introvertierten, stillen jungen Mann gemausert. Diese zarte Affäre mit Eric tut ihm gut, um sich Schritt für Schritt aus seiner harten Hülle herauszuwagen und mehr von seiner „echten“ soften Seite zu zeigen. Ich muss zugeben, dass ich die Rolle des Adam inzwischen wirklich mag. Jetzt lernt man seine unterschwellig-humorvolle Art kennen, die sich zeigt, wenn er wieder wortkarg, aber äußert treffend Szenen seiner Umwelt kommentiert oder seine Gefühle mal eben so trocken raushaut:

„Ich hasse ihn, aber ich liebe ihn auch. Das nervt.“

Spätestens wenn er den Familien-Mischlingshund mal eben so für eine Wettkampfveranstaltung trainiert, wird klar: Dieser Adam hat noch so einige, verborgene Seiten, die er nicht rauslässt. Das macht ihn ein wenig geheimnisvoll, aber gleichzeitig auch sehr glaubwürdig und liebenswert. Sein dargestellter Charakter wirkt einfach authentisch mit all seinen Nöten, Sorgen und Problemen. Apropos liebenswert – das gilt nicht nur für Adam, sondern auch für Aimee.

Aimee Gibbs ist vor allem dafür bekannt, sehr prägnant und äußerst ehrlich alles rauszuhauen, was in ihrem Köpfchen herumspukt. Staffel zwei brachte, wie uns Fans bekannt, ein sehr traumatisierendes Erlebnis für Aimee, als ein Unbekannter auf ihre Jeans ejakulierte. Dass sie selbst ein Objekt der Begierde für diese Person darstellte und dieser sich durch die Tat an ihr verging, hat sie stark traumatisiert. Als Folge verschließt sie sich immer mehr, stößt durch ihr nun plötzlich ablehnendes Verhalten nicht nur ihren festen Freund Steve vor den Kopf, sondern auch Maeve kriegt ihr Fett weg. Witzige Situationen gibt es natürlich trotzdem, zum Beispiel wird als Versöhnungs-/Bindungstier flugs eine Ziege angeschafft, die zu ihrem ständigen Begleiter wird. Auch Aimees Backkünste geben Anlass zu mindestens einem fröhlichen Grinsen, als sie stolz eine Kollektion diverser, wohlgeformter weiblicher Vulva-Cupcakes präsentiert.

Alles in allem habe ich mich in knapp 400 Minuten „Sex Education“ sehr gut unterhalten und vergebe daher:

Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen als ich bisher geschildert habe. So hat Kyle, der Schulchaot, auf dem Schulausflug nach Frankreich Psyllos („Magic Mushrooms“) dabei, die er großzügig verteilt, gleichzeitig aber schockiert reagiert, als ihm klar wird, was in den Schützengräben von Verdun im Ersten Weltkrieg wirklich passiert ist. Ein Stück Geschichte, unterhaltsam dargebracht und gut verpackt! Weniger gut verpackt war ein gewisses Stück Kot, das auf dieser Busreise auch eine wichtige Rolle spielen wird. Fäkalhumor hätte diese rundum gelungene Serie nicht nötig gehabt, obwohl auch diese, oberflächlich ziemlich eklige ‚Kotsituation‘ mit viel Humor entschärft werden konnte.

Die Liebesgeschichte zwischen Otis und Maeve wird auch weiter verfolgt, etliche Irrungen und Wirrungen müssen durchlebt werden. Beide machen nun Erfahrungen mit anderen Partnern, in Otis Fall vielleicht noch unerwarteter als in Maeves. Auch die Beziehung zwischen Otis Mutter Jean und ihrem Freund Jakob hat einige Bewährungsproben zu bestehen. Ein Krankenhausaufenthalt schweißt die Patchworkfamilie aus Jean, Otis, Ola, Jakob und einer winzig kleinen, noch unbenannten Erdenbürgerin, fester zusammen.

Leider hatte diese Staffel wie auch die vorherigen nur acht Folgen. Gerne hätte ich mich länger virtuell in die Welt von Otis und der Moordale Secondary entführen lassen, die Protagonisten weiterhin in ihrem Alltag bei Freud und Leid begleitet. Es hat nicht sollen sein. Doch: nicht nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Es wird auch eine vierte Staffel von „Sex Education“ geben. Ich freue mich darauf!

Bilder: Netflix

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