All hail Odin

Wer VIKINGS schaut, mag auch…

06.01.19 13:51
Drama
Mini-Spoiler
Susanne
06.01.19

Wer VIKINGS schaut, …

Wer „Vikings“ liebt, hat Met im Blut. Ragnar Lothbrok und die Story um seine Familie, seine Frauen, sein Land und seine Entdeckungsreisen sind aufregend und packend. Erst mit der Zeit bemerkt man, dass es gar nicht ausschließlich um ihn geht, sondern es eher die Geschichte einer ganzen Dynastie ist, die das Leben dieser Epoche darstellt. Man erlebt die Entwicklung von nicht nur einem Charakter, sondern gleich mehreren Hauptfiguren, ohne erschlagen zu werden. Der lange Zeitraum ermöglicht es, alles ineinander übergehen zu lassen. Der Zuschauer wird mitgenommen auf die Reise. Die Schauspieler sind überzeugend gewählt und zusätzlich nett anzusehen, aber nicht auf Hochglanz poliert. Die Rolle des Ragnar ist mit Travis Fimmel besetzt. Und was für ein Glücksgriff er war. Wer die Serie schon einmal gesehen hat, wird es entweder schon wissen oder mir nicht glauben, denn dieser Mann mit dem irren Silberblick war vorher ein Unterhosenmodel.

Die Serie ist nicht zu finster, aber realistisch, nicht zu ernst, aber bodenständig. Figuren mit denen man sich identifizieren kann und ein großartiges Setting runden die Serie ab. Dieses Komplettpaket macht das Eintauchen in diese Welt so reizvoll. Man darf natürlich nicht alles für bare Münze nehmen, aber der History Channel hat es geschafft einen Einblick in eine längst vergangene Zeit zu erschaffen, ohne fremd und abgehoben zu wirken. Man fühlt sich wie Harry Potter, wenn er seinen Kopf in den Pensieve steckt. Man wird reingesogen. Als wäre man dabei. Diese Dichte der Story und das Einweben des Zuschauers hat mich dazu bewogen, nicht nur historische Serien als Alternativen anzubieten, sondern auch welche, die ein ähnliches Seherlebnis erschaffen. Ganz zum Schluss will ich dann auch eine Serie nicht vorenthalten, die alle begeistern wird, die auf ein authentisches Erscheinungsbild stehen und trotzdem herzlich lachen wollen.

Auf Amazon sind alle Staffeln zu sehen.

Kommen wir nun also zu den Serien, die euch weitere Beglückung verschaffen könnten.

… mag auch THE LAST KINGDOM

Das ist wohl keine Überraschung. Bernard Cornwell hat in seinen Büchern eine Welt erschaffen, die auch durch eine Lebendigkeit besticht und die TV-Adaption ist nicht weniger überzeugend. In dieser Serie haben mich die Charaktere sehr angesprochen. Uthred of Bebbanburg ist die Hauptfigur. Er hat Ungerechtigkeiten erlebt und versucht nun mit Hilfe seiner liebenswerten Sidekicks seinen Weg wieder auf die Strecke zu bringen. In den ersten beiden Staffeln hat man noch viel Mitgefühl mit dem armen Kerl, da er nie tatsächlich irgendwo richtig dazugehört. Als Christ geboren, dann als Adoptivsohn seines Entführers zum Heiden erzogen, um seinen Herrschersitz betrogen, als Sklave verkauft und diverse Frauen sterben ihm weg. Das würde schon so manchem die Moral versauen, doch nicht Uthred. Zusätzlich zu seinen persönlichen Schicksalen, lebt er in einem England, das an Uneinigkeit zu zerbrechen droht. Die Dänen und die Sachsen kämpfen um Land und Reichtum. Einige Konflikte dürften dem versierten “Vikings”-Zuschauer bekannt vorkommen. Diesmal nun von der anderen Seite aus. Was so simpel klingt, ist gar nicht so gemeint. Denn die Serie lebt nicht vom charmanten Alexander Dreymon allein. Er ist nett anzuschauen und wenn man die Serie im OT hört, dann verliebt man sich in den niedlichen Akzent, aber wie auch bei “Vikings” stimmt die Kombination von allem. Das Setting erscheint authentisch und mit Liebe durch die Kamera eingefangen. Die Schauspieler selbst wirken, als ob sie im echten Leben auch so miteinander umgehen würden. Nachvollziehbar sind die politischen Abläufe und Intrigen. Man weiß, in welche Schlacht Uthred wieder ziehen wird und für wen und warum. Obwohl “The Last Kingdom” und “Vikings” in den selben Gewässern schwimmen, merkt man doch kleine Wahrnehmungsunterschiede. Das Benehmen bei Hofe spielt bei Uthred eine größere Rolle, als bei „Vikings“. Denn ein wichtiges Thema ist das Vereinen der einzelnen Grafschaften zu einem gemeinschaftlichen England unter einem Herrscher. Auch “The Last Kingdom” legt wert auf ein starkes Frauenbild. Sei es die Kriegerin, die wehrhafte Nonne, die willensstarke Ehefrau oder die Prinzessin, die erst ihren Mut finden muss.

Wer an “Vikings” das glaubhafte Setting, die Authentizität und spannende Charaktere mag, der ist auf alle Fälle mit “The Last Kingdom” auf der sicheren Seite. In diesem Sinne:

Destiny is all!

Auf Netflix sind alle drei Staffeln zu sehen.

… mag auch SPARTACUS

Was haben „Spartacus“ und „Vikings“ gemeinsam? Nicht viel, aber…! “Spartacus” lebt von Sex und Gewalt. Natürlich gibt es das bei “Vikings” auch. Aber anders. Nimmt man „Spartacus“ Sex und Gewalt weg, dann bleibt nicht mehr so wahnsinnig viel übrig. Aber würde man Formel 1 ohne Autos gucken? Der Grund, warum “Spartacus” trotzdem seinen Weg in diese ehrwürdige Aufzählung gefunden hat, ist schlicht der Fakt, dass zumindest die erste Staffel ein Gefühl von Vollständigkeit vermittelt. Wenn ich genau hingucken würde, dann fände ich nicht mal das Setting überzeugend. Aber das sähe ich ja eh nicht, weil mich Sex und Gewalt ablenken. Schon schlau gemacht. “Der Komparse hat noch sein Baseballcap auf! Schnell lass ihn seine Tunkia lupfen oder wirf eine Axt nach ihm!” Und schon ist man dezent abgelenkt. Auch wenn die ursprünglichen Triebe das Erscheinungsbild der Serie zu erdrücken drohen, so gibt es doch eine kleine feine Stimme in meinem Hinterkopf, die flüstert: „Vielleicht war es ja aber doch so oder so ähnlich“. „Spartacus“ ist auf jeden Fall eine gute Serie, denn der Unterhaltungswert ist einfach sehr hoch. Man wird mitgerissen. Es wird nicht langweilig und man ist gewillt zu glauben, dass ein Sonntagsausflug in die Arena so abgelaufen sein könnte.

Auf maxdome sind die Staffeln zu sehen.

… mag auch SONS OF ANARCHY

Hier kommen wir zur ersten nicht-historischen Serie. Und wir tauschen Drachenboote gegen heiße Öfen (ohne Wurstblinker). Wir tauschen Schwerter, Speere, Pfeil und Bogen gegen Handgranaten, Uzis und wie die Dinger mit den Patronen noch alle heißen. Es geht um die Geschichte des fiktiven Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original (Samcro) und seiner kriminellen Aktivitäten. Dazu gehören Drogen- und Waffenhandel sowie Prostitution.

Die Hauptdarsteller Ragnar und Jackson (Charlie Hunnam) besitzen eine gewisse physikalische Ähnlichkeit, aber auch die Serien haben Parallelen. Samcro ist, wie die Kameraden um Ragnar, eine Bruderschaft. Eine Familie. Eine Familie, die einerseits Jacksons Antrieb ist und andererseits sein Stolperstein. Wo sich in „Vikings“ Ragnar mit seinen Entdeckungsreisen langsam, aber sicher immer weiter aus den Regeln seines Jarls hinausbewegt, so steht bei „Sons of Anarchy“ sofort fest, dass sie außerhalb und über dem Gesetz stehen. Vergehen werden mit eigenen Mitteln gerächt. Die Polizei hat man ja sowieso in der Tasche. Angefangen wird mit Jacksons Zerrissenheit, ob und wie er aussteigen soll oder ob Samcro noch zu retten ist. Als aufmerksamer Zuschauer merkt man aber bald, dass er da nie rauskommen KANN.

Ich fand die Serie spannend und sie kam mir auch relativ realistisch vor, zumindest, was die Gewalt anging, aber sie hatte für mich niemanden mit dem ich mich identifizieren konnte. Das fällt schwer, wenn wirklich jede von den Gestalten mindestens einmal etwas macht, wo man sie für schütteln möchte. Aber andererseits macht sie das auch irgendwie kantiger. Nicht so hollywoodmäßig glattgespült. Der Mann hinter der Idee, Kurt Sutter, spielt übrigens auch selbst mit. Und zwar ziemlich überzeugend. Was ich allerdings leider zugeben muss, das Ende ist mittelmäßig bis gar nicht zufriedenstellend. Daher der Tipp: letzte Folge einfach nicht gucken.

Alle sieben Staffeln gibt es auf Amazon, maxdome und (noch) Netflix.

… mag auch ALTERED CARBON

Ich war mir erst nicht sicher, ob ich die Serie wirklich mit hineinnehmen soll. Denn unterschiedlicher können Serien gar nicht sein. Ein Einzelgänger, anstelle einer Familie. Es geht eher um Rache, als um Eroberung. Und vor allem: es spielt in der Zukunft und fällt neudeutsch unter Cyberpunk. Doch, genau wie bei „Vikings“, wirkt einfach alles überzeugend, im Sinne von „ja, so könnte es gewesen sein/so könnte es werden“. Ich hoffe zwar nicht, dass es so wird, aber wenn es so wird, dann wird es bestimmt so, wie es in der Serie geworden ist… Klar soweit?

Wer schon einmal einen Artikel von mir gelesen hat, der weiß, dass ich Dystopien liebe. Und „Altered Carbon“ bringt einfach einen gewissen Flair mit, der schon an Fantasy grenzt. Der Hauptdarsteller Joel Kinnaman braucht einen jetzt nicht mit seiner Ausdrucksstärke für Emotionen umhauen, denn seine Rolle des Takeshi Kovacs ist eher unterkühlt. Sein Konterpart Laurens Bancroft wird von James Purefoy verkörpert, der schon in „The Following“ gruselig glaubwürdig war.

Warum sollte man nun diese Serie unbedingt gucken, wenn man „Vikings“ mag? Ragnar und seine Mannen leben zu einer Zeit, in der eine neue Weltordnung geschaffen wird. Man erreicht neue Ufer und entdeckt Neuland. In „Altered Carbon“ passiert dasselbe. Nur, dass es hier weniger körperlich ist, als mental. Die Weltordnung muss neu gestaltet werden. Und Takeshi sucht seinen Platz in dem Chaos und nimmt mehr an den Veränderungen in der Welt teil, als er gedacht hätte. Auch er hat eine starke, kämpferische Frau an seiner Seite. Er geht weniger kameradschaftlich mit seinen Sidekicks um, ist aber trotzdem eher unwillentlich ein Anführer. Die Serie in sich ist einfach gründlich gemacht, spannend und kurzweilig. Die Vorlage zur Serie, das Buch von Richard Morgan, steht schon auf meinem Wunschzettel. Ich bin gespannt.

Ein ausführliches Review zur ersten Staffel „Altered Cabron“ hatten wir hier. Dies ist ein Netlix Original.

… mag auch NORSEMAN

Ich habe sie mir bis zum allerletzten Zeitpunkt aufgehoben. “Norseman”. Mein persönliches kleines Juwel. Dieser Tipp geht raus an alle, die Wikinger auch mit einem zwinkernden Auge betrachten können und wollen. Das Setting ist großartig. Der Akzent im OT zum Niederknien. Es ist ein norwegisches Netflix Original, da darf einen das wohl nicht wundern. Die Handlungen sind einigermaßen schlüssig. Und überhaupt ist alles sehr schön detailverliebt. Das Einzige, was einem jegliche Illusionen raubt, sind die Dialoge. Die sind nämlich so dermaßen modern, manchmal betont politisch korrekt, dass man einfach lachen muss. Meine Lieblingsszene ist, als Hildur, die Frau des Jarl, den Seher aufsucht und ihm nach dem „aufschlussreichen“ Gespräch erstmal eine Debatte über Hygiene und Sinnhaftigkeit seiner Wahrsagungen auf das Auge drückt.

Ich bin durch Zufall auf die Serie gestoßen, als eine meiner heißgeliebten Serien Staffelfinale hatte. Und eigentlich hatte ich so gar keine Lust auf schon wieder was Historisches. Aber nach den ersten zwei Minuten war ich ein begeisterter Zuschauer. Die Charaktere bedienen Schubladen, keine Frage. Größtenteils charmant, manchmal, als hätte man sie in ihrer Kindheit zusammen mit dem Badewasser ausgegossen. Aber, und das ist der Punkt, immer überzeugend und rollenkonform. Wie in “Vikings” gibt es Raids, kleinere Intrigen und Morde, vor allem wenn es um Macht geht. Manchmal schrammt die Serie, besonders in der aktuellen Staffel, ganz knapp an “too much” vorbei. Und auch der eine oder andere Charakter muss im Zaum gehalten werden, damit das Schiff nicht untergeht. Aber es gibt unheimlich viele liebevolle Details oder tatsächlich auch Bezugnahme auf “Vikings”. Und deswegen macht es einfach Spaß, diese Serie zu gucken.

Einen ausführlichen Serientipp zu „Norseman“ gibt es hier. Diese Serie ist ein Netflix Original.

Honorable Mentions

Natürlich gibt es noch mehr kurzweilige historische Serien mit temperamentvollen Charakteren, ungestümen Entdeckern, starken Frauen und wilden Abenteuern. Aber ich bin in diesem Artikel bei Serien geblieben, die in mir ein Gefühl von Ursprünglichkeit hervorrufen. Der rohe Charme war für mich hier ausschlaggebend. Wenn es einfach nur um gut gemachte, spannende historische Serien gehen würde, dürften auf keinen Fall „The Tudors“ fehlen. Aber da geht es viel um Politik, Intrigen und höfisches Zeremoniell. Das ist einfach anders. „Downton Abbey“ ist eine angenehme historische Serie, in der es auch um eine Familie und deren Entwicklungen in den entsprechenden Strömungen der Zeit geht. „Outlander“ hat den Schwerpunkt auf einer wunderschönen Liebesbeziehung und bringt gleichzeitig ein bisschen Fantasy mit ins Spiel. „The White Queen“ hat eine großartige Buchvorlage. Und die ganzen schlechten historischen Serien, werde ich hier nicht mal erwähnen.

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